Ex-Bremer über Ex-Clubs und das Leben in Athen
Marin im Interview: „Die Bundesliga lockt mich immer“
Athen/Bremen - Marko Marin ist bestens gelaunt. Denn es läuft einfach beim 28-Jährigen – sportlich und privat. Dazu freut sich der Außenstürmer von Olympiakos Piräus auf das Bundesliga-Duell seiner beiden Ex-Clubs Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen (Freitag, 20.30 Uhr).
Marin nimmt sich für das Telefon-Interview mit der DeichStube viel Zeit, er hat ja auch viel zu erzählen – nicht nur von seiner Zeit bei Werder, seinen vielen Vereinswechseln und seiner jetzt so guten Zeit beim Olympiakos. Am vergangenen Sonntag stand er auf dem Platz, als sein Trainer vor dem Spiel in Saloniki von einem Wurfgeschoss getroffen wurde und die Partie deshalb gar nicht erst angepfiffen wurde.
Angst hat Marin deshalb nicht. Das würde auch nicht zu ihm passen, der Ex-Nationalspieler ist ein positiver Mensch, der viel lacht – auch in diesem Interview. So amüsiert er sich darüber, dass er immer noch als teuerster Werder-Einkauf gilt und erlaubt sich auch einen kleinen Spaß mit Milot Rashica.
Herr Marin, wem drücken Sie beim Duell Ihrer beiden Ex-Clubs Gladbach und Bremen die Daumen?
Marko Marin: Eher Werder, die Bremer brauchen die Punkte einfach dringender, um in der Liga zu bleiben. Obwohl nach dem Sieg gegen den Hamburger SV der direkte Abstieg kein Thema mehr sein sollte. Den Gladbachern täten die Punkte auf dem Weg nach Europa natürlich auch gut. Und es würde mich echt freuen, wenn sie es dahin schaffen würden.
Werden Sie das Spiel live verfolgen?
Marin: Natürlich! Schön mit meiner Verlobten auf dem Sofa. Wir schauen viel Bundesliga.
Haben Sie noch Kontakt zu Ihren Ex-Clubs?
Marin: Eigentlich nicht. Es ist zwar erst fünf Jahre her, dass ich Werder verlassen habe, aber von der damaligen Mannschaft sind nur noch Zlatko Junuzovic und Philipp Bargfrede da. Und natürlich Frank Baumann. Mit ihm habe ich damals noch gespielt, jetzt ist er Sportchef. Das passt perfekt zu ihm.
Warum?
Marin: Frank war schon damals unser Leader und ziemlich intelligent.
Aber auch eher ruhig.
Marin: In der Öffentlichkeit war das vielleicht so. Innerhalb der Mannschaft konnte er aber ganz anders sein. Natürlich hat er es nicht so laut wie Torsten Frings gemacht (lacht). Beide waren wirklich ganz besondere Typen.
Vermissen Sie diese Zeit?
Marin: Nein, aber ich denke gerne daran zurück. Es hat einfach großen Spaß gemacht, als junger Spieler mit diesen tollen und erfahrenen Profis gemeinsam in einer Mannschaft zu sein.
2012 haben Sie Werder verlassen, sind zum großen FC Chelsea gewechselt. Es begann eine Reise durch halb Europa mit vielen Clubs...
Marin: ...und mit ganz vielen Geschichten in den Zeitungen. Das ist schon so oft thematisiert worden, ganz Deutschland dürfte Bescheid wissen (lacht). Aber nicht falsch verstehen: Ich sehe das überhaupt nicht negativ. So ist nun mal meine Karriere verlaufen. Ich habe viel erlebt und jetzt noch einige gute Jahre vor mir.
Der Wechsel 2016 zu Olympiakos Piräus war offenbar genau richtig, es läuft bestens für Sie. Sind Sie nach den vielen Ausleihen nun endlich bei einem Club angekommen?
Marin: Das kann man schon so sagen. Wir sind sofort in meinem ersten Jahr Meister geworden. Ich bin hier ein Führungsspieler. Und in dieser Saison bin ich persönlich noch erfolgreicher. Leider haben wir es in der Meisterschaft unnötig spannend gemacht. Aber ich bin da zuversichtlich.
Top 20: Werders teuerste Transfers




Das Spitzenspiel am Sonntag bei PAOK Saloniki wurde kurz vor dem Anpfiff abgesagt, weil Ihr Trainer von einem Gegenstand am Kopf getroffen worden war und ins Krankenhaus musste. Sie waren dabei, hatten Sie Angst?
Marin: Nein, die Polizei und unsere Sicherheitskräfte waren ja da. Aber es war schon etwas unangenehm. Du kommst ins Stadion und denkst: Wow, ist das laut hier, was für eine tolle Stimmung! Da freust du dich richtig auf das Spiel. Doch dann spürst du auf einmal diesen Hass bei einigen Fans. Wir sind nun mal die Nummer eins in Griechenland, und das ist für einige Menschen offenbar nur schwer zu ertragen.
Sind die Griechen da besonders emotional?
Marin: Absolut. Bei den Spitzenspielen sind deshalb schon länger keine Fans der Gast-Mannschaften mehr zugelassen. Das ist wirklich schade, aber einfach besser so. Wer weiß, was sonst alles passieren würde.
Beim Nordderby gab es am Wochenende auch Ärger mit den Fans, es wurde sehr viel Pyrotechnik abgebrannt. Haben Sie sich da an Griechenland erinnert gefühlt?
Marin: Na ja, bei uns sieht das noch mal etwas anders aus (lacht). Aber im Ernst: Hier gibt es geplante Choreografien mit ganz viel Feuerwerk, das sieht super aus. Das ist aber auch nicht gefährlich, weil es gesichert wird. Aber wenn wie beim Nordderby Menschen gefährdet werden, dann geht das gar nicht. Ich war schon überrascht, so etwas in der gut organisierten Bundesliga zu sehen, wo doch so viel kontrolliert wird.
Wie hat Ihnen das Nordderby sportlich gefallen?
Marin: Derbys sind schwierig zu spielen. Und wenn so viel auf dem Spiel steht wie dieses Mal, dann wird es eben ein Krampf. Aber Werder hat einfach mehr Qualität und letztlich verdient gewonnen.
Welche Spieler würden Sie hervorheben?
Marin: Max Kruse ist einfach super. Ludwig Augustinsson gefällt mir auch sehr gut. Und wie sich Milos Veljkovic als Innenverteidiger entwickelt hat, das ist schon enorm.
Haben Sie eigentlich mitbekommen, dass Sie Ende Januar in fast keiner Berichterstattung über Werder gefehlt haben?
Marin: Nein, was habe ich bloß gemacht?
Sie hatten kurzzeitig Ihren Status als teuerster Werder-Einkauf der Vereinsgeschichte eingebüßt, weil Neuzugang Milot Rashica mehr als Ihre 8,5 Millionen Euro an Ablöse gekostet haben sollte. Der Verein hat das später dementiert.
Marin: Na dann viel Spaß mit dem Druck (lacht).
War die hohe Ablöse, die Werder damals an Mönchengladbach bezahlt hat, eine große Belastung für Sie?
Marin: Nein, ich kam ja in eine super funktionierende Mannschaft mit vielen Stars. Werder hatte eine gute Phase. Da war ich gar nicht so das große Thema. Außerdem habe ich gleich ganz gut gespielt. Das wünsche ich Milot auch. Ein Wechsel aus Holland ist nicht so einfach. Die Erwartungen sind groß, aber Werder wird sich schon etwas dabei gedacht haben. Ich wundere mich nur, warum es erst jetzt wieder einen so großen Transfer gibt. Bei mir war das 2009, seitdem sind die Ablösen doch extrem gestiegen.
Werder wollte unbedingt einen Außenstürmer verpflichten und hat dann Rashica geholt. Hätten Sie sich über einen Anruf gefreut?
Marin: Jetzt im Winter wäre dieser Anruf nicht erfolgreich gewesen. Wir sind auf Titelkurs, ich bin richtig gut drauf, da gehe ich doch nicht weg. Ich bin sehr glücklich hier. Aber für die Zukunft will ich nichts ausschließen.
Träumen Sie von einer Rückkehr in die Bundesliga?
Marin: Die Bundesliga lockt mich immer, das ist doch klar. Ich hätte nichts dagegen, irgendwann mal wieder zu Hause zu spielen.
Wie ist das Niveau der griechischen Liga?
Marin: Natürlich schlechter als das der Bundesliga. Die ersten vier, fünf Mannschaften haben schon Qualität, aber dann... Als Olympiakos Piräus stehen wir unter einem ganz besonderen Druck: Wir müssen immer Meister werden.
Was passiert, wenn es nicht klappt?
Marin: Das weiß ich nicht, ich bin sofort Meister geworden. Und ich will auch nichts anderes erleben, deshalb müssen wir jetzt Gas geben (lacht).
Wie ist das Leben in Athen?
Marin: Super. Hier hast du neun Monate Top-Wetter. Selbst jetzt sind es am Tag noch fast 20 Grad. Und mit Baby ist es nun noch schöner.
Herzlichen Glückwunsch, wie alt ist Ihr Kind?
Marin: Mateo ist sechs Monate. Mein ganzes Leben hat sich verändert. Jetzt spiele ich auch für ihn. Schon als meine Freundin schwanger geworden ist, lief es bei mir auf dem Platz besser. Das hat mir einen Schub gegeben.
Wann kommt also das nächste Kind?
Marin: (lacht) Am besten jetzt jedes Jahr eines. Nein, es ist einfach schön. Wir genießen diese Zeit.
Und zur Abwechslung gibt es am Freitag via Fernsehen Bundesliga-Fußball mit Gladbach und Werder – wie geht's aus?
Marin: Werder gewinnt das Spiel mit 3:1.
Zur Person: Marko Marin spielte von 2005 bis 2009 für Borussia Mönchengladbach, schaffte es dort von der U19 bis in die Nationalmannschaft (16 Spiele/1 Tor). Für eine Ablöse von 8,5 Millionen Euro wechselte er 2009 zu Werder und absolvierte für die Bremer 116 Pflichtspiele (13 Tore/35 Assists). 2012 verpflichtete ihn der FC Chelsea für eine Ablöse von acht Millionen Euro. In der Premier League kam Marin nur sechs Mal zum Einsatz. Der U21-Europameister (2009) und WM-Teilnehmer (2010) wurde mehrfach ausgeliehen (FC Sevilla, AC Florenz, RSC Anderlecht, Trabzonspor), ehe ihn Olympiakos Piräus im Sommer 2016 für eine Ablöse von drei Millionen Euro fest verpflichtete. Mit den Griechen wurde Marin in seiner ersten Saison sofort Meister. In der aktuellen Serie gehört er mit sechs Toren und drei Assists erneut zu den Leistungsträgern. Seine größten Erfolge feierte Marin mit Chelsea und Sevilla: Mit beiden Clubs gewann er die Europa League (2013, 2014).
