Vom Bremen-Liga-Torwart zum Bundesliga-Chefcoach
So schaffte es Kohfeldt nach oben
Bremen - Früher Torwart bei Werder III, nun Interims-Cheftrainer der Bundesliga-Profis. Florian Kohfeldt legt eine beeindruckende Karriere hin. Der Senkrechtstarter im Portrait.
Wer Florian Kohfeldt begegnet, der wird meistens mit einem Lächeln empfangen. Der neue Chefcoach des SV Werder ist fast immer gut gelaunt. Aber der 35-Jährige kann auch ganz anders. Beim Training der U23 war auch schon mal der strenge Kohfeldt zu sehen, der seine Spieler zusammenpfeift – ihnen dann aber auch zeigt, wie sie es besser machen können. Er gilt als Coach, der Spieler entwickeln kann. Dabei ist seine Entwicklung die beeindruckendste: Kohfeldt hat es vom Torwart bei Werder Bremen III bis auf die Trainerbank im Weserstadion geschafft – und das nun sogar als Chefcoach. Wie geht das?
Florian Kohfeldt: Seine Karriere in Bildern




Kohfeldt gilt als akribischer Arbeiter, der sich stundenlang an seinem Laptop Spiele anschaut. „Unser Student“, hat ihn sein einstiger Chef Viktor Skripnik einst genannt – einerseits respektvoll, andererseits auch etwas abfällig. Kohfeldt galt als sehr guter Theoretiker, ist aber eben selbst nicht der große Fußballer gewesen.
Er hatte es als Torwart nur bis in die Bremen-Liga geschafft, in die dritte Mannschaft des SV Werder. Sein Trainer damals: Viktor Skripnik. Der setzte den Neuzugang von Jahn Delmenhorst nicht regelmäßig ein. Für den damals 23-jährigen kein Problem, denn vom Thema Profi-Fußball hatte er sich schon viel eher verabschiedet, wie er mal verraten hat: „Eigentlich wusste ich schon nach meinen ersten beiden Trainingseinheiten in Bremen, dass es damit nichts wird.“
Kohfeldt - eine Investition in die Zukunft
Kohfeldt schulte also früh um, wurde nebenbei Nachwuchstrainer bei Werder. Dazu passte auch sein parallel laufendes Studium (Sport- und Gesundheitswissenschaften). Dort erwies sich Professor Dietrich Milles als Glücksfall. Der ließ den Studenten Kohfeldt an einem Forschungsprojekt „Psychologische und gesundheitliche Leistungsförderung für jugendliche Fußballtalente“ in Kooperation mit Werder und dem DFB mitarbeiten.
Zusammen mit Henning Struck hielt Kohfeldt Vorträge bei Trainerlehrgängen des DFB. Es folgte die Ausbildung zum Fußball-Lehrer – gemeinsam mit Torsten Frings. Sie waren die Co-Trainer von Skripnik in der U23, durften dann auch mit zu den Profis – bestanden trotz der arbeitsintensiven Aufgabe in der Bundesliga den Lehrgang, Kohfeldt sogar als Bester. Eine sehr gute Investition in die Zukunft, denn nach der Entlassung von Skripnik im September 2016 hatten sie etwas in der Hand. Frings wurde Bundesliga-Coach bei Darmstadt 98. Kohfeldt durfte bei Werder bleiben, er bekam die U23 von Alexander Nouri, der die Bundesliga-Mannschaft übernommen hatte. Damit unterstrich Sportchef Frank Baumann, wie viel er von Kohfeldt hält. Er wollte ihn auf keinen Fall verlieren und vertraute ihm damit die zweitbeste Mannschaft im Club an - und das hauptverantwortlich.
Eine große Aufgabe für Kohfeldt, der den Drittligisten auf einem Abstiegsplatz übernahm. Am letzten Spieltag wurde mit etwas fremder Hilfe der Klassenerhalt perfekt gemacht. In dieser Saison ist nur noch Werder mit einer U23 in der Dritten Liga vertreten. Für die jungen Talente ist diese Liga ein Haifischbecken. Doch Kohfeldt zuckte nicht zurück, sondern schaltete auf Angriff.
„Vielleicht holt mich diese Aussage nach zehn Spieltagen wieder ein“, sagte Kohfeldt vor dem Saisonstart, „aber es muss ja kein Selbstverständnis sein, dass wir bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt zittern werden.“ Außerdem betonte er immer wieder, dass sein Team Fußball spielen soll. Ballbesitz ist das Ziel, nur im Notfall soll der Ball mal weggebolzt werden oder sich hinten eingeigelt werden. Das Konzept schien aufzugehen. Werders U23 legte einen Traumstart hin, stand plötzlich in der Spitzengruppe. Doch in den vergangenen zehn Spieltagen gab es keinen Sieg mehr. So lange warten auch schon die Profis auf einen Dreier.
Kohfeldt will es als Trainer nach oben schaffen
Darauf angesprochen, würde Kohfeldt wahrscheinlich mit einem Lächeln reagieren. Er hat trotz der Sieglos-Serie nicht seinen Weg verlassen und weiter mutig nach vorne spielen lassen. Es ist davon auszugehen, dass er diesen Mut auch mit zu den Profis nimmt. Er wird dieses Spiel in Frankfurt auch als große Chance für sich empfinden. Er kann auf großer Bühne präsentieren, wofür er steht. Denn das Ziel ist klar: Kohfeldt will es als Trainer so weit wie möglich nach oben schaffen.
Angeblich hätte er im Sommer zu einigen Zweitligisten oder auch ins Ausland wechseln können. Der 35-Jährige blieb aber bei Werder. Sehr wahrscheinlich auch auf Empfehlung seines Beraters Marc Kosicke. Der Bremer hat sich schon um so erfolgreiche Karrieren wie die von Jürgen Klopp gekümmert. Oder die von Julian Nagelsmann. Mit dem Hoffenheim-Coach wird Kohfeldt gerne verglichen. Von der sympathischen Ausstrahlung her passt das schon mal, vom Fachlichen her muss dies Kohfeldt in der Bundesliga noch beweisen. Die Chance dazu hat er jetzt – zumindest für ein Spiel, vielleicht aber auch länger. Baumann hat sich da noch nicht festgelegt.
