Chefcoach bis zur Winterpause
Baumann: Keiner war besser als Kohfeldt
Bremen - Angedeutet hatte es sich schon seit ein paar Tagen, zuletzt war keine andere Lösung mehr vorstellbar – am frühen Freitagabend meldete Werder Bremen dann Vollzug.
Florian Kohfeldt steigt vom Interims- zum Cheftrainer auf und wird vom Verein mit der schweren Aufgabe beauftragt, die Mannschaft aus dem Tabellenkeller zu führen. „Florian war in den vergangenen Tagen die Benchmark auf der Suche nach einem neuen Verantwortlichen. In den Gesprächen hat uns kein verfügbarer Kandidat mehr überzeugt als er“, erklärte Sportchef Frank Baumann in einer Mitteilung des Vereins. Keine Frage: Es ist ein Vertrauensbeweis, den der 35-jährige Kohfeldt da von Werder erhält – allerdings ein Vertrauensbeweis auf Zeit: Vorerst gilt die „Lösung Kohfeldt“ nämlich nur bis zur Winterpause.
Kohfeldt tritt das Amt zunächst nur auf Probe an
Elf Tage hat es nach der Entlassung von Alexander Nouri gedauert, bis Werder dessen Nachfolger offiziell bekannt gab – zum dritten Mal nacheinander ist es der Trainer der eigenen U23, der im Club Karriere macht und in die Bundesliga aufsteigt. „Wir sind der Überzeugung, dass Florian seine Arbeit mindestens bis zur Winterpause fortsetzen soll“, ließ Baumann verlauten – und genau in diesem Satz steckt der große Unterschied zu den Personalien Skripnik und Nouri: „Bis zur Winterpause“.
Kohfeldt tritt das Amt zunächst nur auf Probe an. Er hat nun sieben Spiele Zeit, um zu beweisen, dass er Werder retten kann. Für den Fall, dass er die Wende nicht schafft, hat sich der Verein die Hintertür offen gehalten, vor dem Rückrundenstart doch noch einen Feuerwehrmann holen zu können. Die Entscheidung, Kohfeldt zum Interimstrainer zu machen, war Ende Oktober bereits am Morgen nach dem desolaten 0:3 gegen Augsburg gefallen. Es war ein Reflex, der in der Bundesliga bei vielen Vereinen zu beobachten ist, wenn der Cheftrainer gehen muss. Den neuen starken Mann haben sie am Osterdeich in Kohfeldt deswegen aber nicht sofort gesehen – ganz im Gegenteil.
Florian Kohfeldt: Seine Karriere in Bildern




Zwar bekam der U23-Trainer öffentliches Lob von nahezu allen Verantwortlichen im Verein. Baumann prüfte aber dennoch zunächst andere Möglichkeiten – ohne Erfolg. Die heißeste Spur führte den Sportchef in die Schweiz, wo Bern-Trainer Adi Hütter nicht weg wollte.
Die großen Lösungen – Favre und Tuchel – wurden von Werder zwar pflichtschuldig abgeklopft, am Ende jedoch mit dem erwartbaren Resultat. Wenn Baumann nun über Kohfeldt sagt, dieser habe seine Chance verdient, „weil er in den vergangenen Tagen mit seiner Arbeit alle positiven Einschätzungen bestätigt hat“, dann ist das sicher nicht falsch. Jetzt die von Beginn an angestrebte 1A-Lösung auf dem Trainerstuhl sitzen zu haben, kann der Sportchef aber auch nicht mehr glaubwürdig vermitteln. Dann hätte er Kohfeldt schon viel früher zum Chefcoach machen können.
„Werder besser als es die Tabelle zeigt“
Kohfeldt selbst hatte am Donnerstagabend nach dem Testspiel gegen Heerenveen in Aurich zum wiederholten Male betont, dass sich Frank Baumann bei der Entscheidung „alle Zeit“ nehmen solle, „die er dazu braucht“. Keine 24 Stunden später äußerte er sich via Vereinsmitteilung erfreut über das Ergebnis der Bremer Trainersuche. „Es ist trotz der schwierigen Situation eine große Chance für mich und für jeden Spieler. Der SV Werder Bremen hat eine Mannschaft, die besser ist als es die Tabelle zeigt, und das muss jeder von uns auch auf dem Platz zeigen.“
Gemeinsam mit seinen Co-Trainern Tim Borowski und Thomas Horsch hat Kohfeldt im Heimspiel gegen Hannover am Sonntag, 19. November, zum erste Mal die Gelegenheit, sich in der Bundesliga als Cheftrainer zu beweisen. „Ich freue mich über das Vertrauen und werde die Arbeit mit viel Energie angehen“, betont er.