Ex-Bremer Jannik Vestergaard vor Rückkehr ins Weserstadion
Mitleid mit der Ex? - „Am Sonntag nicht, sonst ja!“
Bremen - Von Timo Strömer. Jannik Vestergaard ist zweifelsohne das, was man einen smarten Typen nennt. Er ist eloquent, clever, in den richtigen Momenten nicht um einen Spruch verlegen – und für einen Fußball-Profi ungewöhnlich unkompliziert.
Auch deshalb wurde er bei Werder schnell zum Publikumsliebling. Am Sonntag kehrt der 25-Jährige mit seinem neuen Club Borussia Mönchengladbach nach Bremen zurück – Gastgeschenke will der derbe Däne aber keine machen.
Satte Rendite für Werder
Lange spielte er nicht für Werder – nach eineinhalb Jahren machte Jannik Vestergaard bereits wieder den Abflug. Der Verteidiger – im Januar 2015 für 2,5 Millionen Euro von der TSG Hoffenheim gekommen – wechselte im Sommer 2016 für 12,5 Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach. Eine satte Rendite für Werder, die aber auch zeigt: Vestergaard war den Grün-Weißen entwachsen, zu gut für die Bremer geworden, die den Ansprüchen des Nationalspielers nicht mehr gerecht werden konnten.
Abstiegskampf, das dürfte klar sein, ist für jeden Profi deutlich weniger sexy als die ganz große Fußballbühne in der Champions League. „Für mich war es definitiv der richtige Schritt“, erklärt Vestergaard gegenüber der DeichStube. „Ich habe mich in einer sehr guten Mannschaft beweisen müssen und die Chance gehabt, auf höchstem internationalen Niveau testen zu können.“
Jannik Vestergaard: Seine Karriere in Bildern




Die Bilanz seiner ersten Saison mit den „Fohlen“ liest sich indes ziemlich ernüchternd: Vorrunden-Aus in der Champions League, K. o. im Achtelfinale der Europa League und Platz neun in der Bundesliga. Gladbach spielt in dieser Saison also nicht international und selbst Werder war auf Platz acht dichter dran am europäischen Geschäft als die Borussia. „Dass die letzte Saison nicht unseren Erwartungen entsprochen hat, ist klar. Das wollen wir dann in der jetzigen besser machen!“, so der Abwehrspieler. Alles andere ließe sich mit den Ambitionen der Borussia und einem Lizenzspieler-Etat von rund 60 Millionen Euro aber auch nicht vereinbaren.
Häme aus Bremen für die zuletzt deutlich verpassten Saisonziele gibt es derweil kaum. Die Werder-Fans wissen, dass der „Weserguard“, wie sie den 1,99-Meter-Hünen ob seiner Manndecker-Qualitäten tauften, ein ganz wichtiger Faktor für den Klassenerhalt der Grün-Weißen gewesen ist. Insbesondere Vestergaard war es, der in der Saison 2015/2016 gemeinsam mit Kapitän Clemens Fritz und Claudio Pizarro auf und neben dem Platz Verantwortung übernahm, die Strippen zog und den Super-Gau verhinderte.
Vestergaard über Werder: „Die Mannschaft ist stabil“
Und heute? Werder steht mit vier Zählern aus sieben Partien wieder unten drin. Hat sich Werder seit Vestergaards Wechsel überhaupt weiterentwickelt? „Ich finde ja. Sie sind stabil und besser, als die vier Punkte bisher“, urteilt Vestergaard. Trotzdem befürchten nicht wenige Fans, dass Werder nach vielen Jahren im Abstiegskampf nun einfach mal fällig sein könnte. „Das glaube ich nicht. Die Mannschaft ist stabil und hat in der Rückrunde letztes Jahr gezeigt, wozu sie in der Lage ist. Sie haben halt bisher die Spiele nicht für sich entscheiden können. Das kommt aber. Am übernächsten Spieltag – klar.“
Denn am Sonntag will Vestergaard keine Gastgeschenke verteilen. „Wenn das Spiel läuft, ist es ein Spiel wie alle anderen auch. Ich versuche, meine Aufgaben zu erfüllen, und möchte gewinnen“, verrät der Skandinavier, der in Bremen auf viele bekannte Gesichter trifft: „Ich habe mich mit jedem gut verstanden und freue mich aufs Wiedersehen und die Gespräche.“
Gemeint ist damit auch Thomas Delaney, zu dem Vestergaard regen Kontakt pflegt. „Thomas und ich sind gute Freunde. Wir kennen uns schon, seitdem wir acht Jahre alt sind. Wir haben damals beim FC Kopenhagen in der Jugendabteilung zusammengespielt“, sagt Vestergaard über seinen Kollegen aus der dänischen Nationalmannschaft. „Ein ruhiger Mensch“ sei Delaney, „der alles im Blick hat, freundlich und nett zu allen ist, aber auf dem Platz ein Feuer in sich entwickelt und alles gibt, um zu gewinnen.“
Attribute, die auch auf Vestergaard zutreffen und die ihn für Clubs abseits des Abstiegskampfes interessant werden ließen. Nicht ausgeschlossen, dass es bei Delaney ähnlich verläuft und er ebenfalls früher weg ist, als es den Werder-Fans lieb ist. Delaney hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, eines Tages in England spielen zu wollen. „Dass wir Skandinavier von klein auf schon sehr den Fokus auf den englischen Fußball richten, ist – glaube ich – bekannt. Jeder von uns ist mit diesem Traum groß geworden“, erklärt Vestergaard.
Abwehr-Kante nimmt keine Rücksicht auf Werders Situation
Ganz bestimmt tauscht sich das Dänen-Duo auch über Zukunftspläne aus, Genaueres verrät Vestergaard aber nicht: „Werder ist ein großer Verein. Ob es aber trotzdem irgendwann in der Zukunft passiert, dass Thomas Deutschland mit England tauscht, kann ich nicht ausschließen. Ich kann es aber andersherum auch nicht garantieren.“
Das gilt freilich auch für den Klassenerhalt der Bremer. Doch Vestergaard ist diesbezüglich gelassen. „Bei denen mache ich mir keine Gedanken“, sagt er über seinen alten Club. Werder habe ausreichend Qualität, um in der Bundesliga zu bestehen. „Nur am Sonntag wird’s natürlich nicht klappen“, fügt er schnippisch hinzu. Rücksicht darauf, dass mit einem Sieg der Gladbacher endgültig eine Trainerdiskussion um Alexander Nouri losbrechen würde, könne er nicht nehmen. Kein Mitleid mit der Ex? „Am Sonntag nicht, sonst ja!“
Im WhatsApp-Chat mit Jannik Vestergaard




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