Viele Veränderungen für U23-Spieler
Verlaat: „Ich bin eine Kante geworden“
Bremen - Wer Jesper Verlaat lange nicht gesehen hat, der wundert sich schon ein bisschen. „Ich bin eine Kante geworden“, sagt der Werder-Profi und lacht.
Beim 21-Jährigen hat sich einiges verändert und wird sich noch viel verändern – nicht nur körperlich. Es ist eine besondere Zeit für den Innenverteidiger mit dem berühmten Papa. Auch Frank Verlaat hat für Werder gespielt und den Club dann verlassen, 2003 war das. Jetzt ist der Sohn dran, er wird wechseln. Das Ziel steht noch nicht fest, aber ein Traum lebt trotz der bevorstehenden Trennung weiter, wie Jesper Verlaat sagt: „Für diesen Verein irgendwann mal als Profi im Weserstadion aufzulaufen, das würde mir sehr viel bedeuten. Dafür gebe ich alles.“
Auf direktem Weg hat es Verlaat nicht geschafft. „Aber viele Wege führen nach Rom“, sagt der gebürtige Niederländer: „Ich muss den nächsten Schritt machen, mich weiterentwickeln – und vielleicht komme ich dann fertig für Werder zurück.“ Der Club glaubt offenbar auch an diese Chance. Sportchef Frank Baumann denkt an eine Vertragsverlängerung mit anschließender Ausleihe. „Eine gute Option“, nennt Verlaat das. Es sei aber auch gut möglich, dass er das Auslaufen seines Vertrags für einen ablösefreien Wechsel nutzt. Fest steht lediglich, dass Verlaat nach sechs Jahren bei den Grün-Weißen definitiv gehen wird.
Damit das auch zu seiner Zufriedenheit klappt, hat sich Verlaat erstmals einen echten Berater zugelegt. Bislang war es Papa Frank, der sich um diesen Bereich gekümmert hat. „Nebenbei“, wie Jesper Verlaat erklärt: „Wir haben gemeinsam entschieden, dass es der richtige Zeitpunkt ist, das in professionelle Hände zu geben.“ Nun kümmert sich die niederländische Agentur SEG um die Zukunft des Abwehrspielers. Mit Innenverteidigern kennen sich die Holländer aus, sie haben zum Beispiel auch Stefan de Vrij unter Vertrag (Lazio Rom). Marktwert: 40 Millionen Euro (Quelle: transfermarkt.de). „Bei mir ist es etwas weniger, aber nur etwas“, flachst Verlaat. Er wird auf 350.000 Euro taxiert. Nicht viel, aber Verlaat steht ja auch erst am Anfang seiner Karriere.
„Manche spielen schon mit 17 in der Bundesliga, ich bin vielleicht ein Spätzünder“, sagt der 21-Jährige. Eine 15-monatige Verletzungspause hat ihn vor Jahren mal gewaltig ausgebremst. Über die dritte Mannschaft von Werder in der Bremen-Liga kämpfte sich Verlaat zurück, schaffte es in die Dritte Liga und im Sommer auch in den Bundesliga-Kader. Aber nur einmal durfte er wirklich von einem Einsatz träumen – am 29. September in Wolfsburg. Da saß Verlaat zumindest auf der Bank. Doch der damalige Chefcoach Alexander Nouri brachte ihn dort und auch später nicht. Unter Nachfolger Florian Kohfeldt blieb es dabei. „Ich habe mein Bestes gegeben, mehr konnte ich nicht machen“, sagt Verlaat: „Ich bin da niemandem böse, habe es akzeptiert und weiter hart gearbeitet.“
Verlaat: „Es wird Zeit für eine Veränderung“
Verlaat ist etwas gelassener geworden. Geholfen hat ihm dabei ein Gespräch mit Kohfeldt. „Er hat mir gesagt, dass ich nicht jede Entscheidung hinterfragen soll“, berichtet Verlaat und fügt grinsend an: „Ich bin schon so einer kleiner Denker – nicht nur beim Fußball. Inzwischen bin ich etwas entspannter, das tut mir gut.“
Das Ziel bleibt aber gleich: „Ich will Fußball-Profi werden.“ Und liebend gerne würde er sich ohne Abstieg aus Bremen verabschieden. Das wird mit der U23 in der Dritten Liga allerdings extrem schwierig. „So lange rechnerisch noch etwas möglich ist, glaube ich daran“, sagt er: „Wir haben die schlimme Serie gestoppt und wollen eine neue Serie starten. Die letzten fünf Spiele wollen wir alle gewinnen.“ Das ist bei 13 Punkten Rückstand auch nötig, um das Wunder noch zu schaffen.
Verlaat kann dabei selbst mitwirken, er ist gerade noch rechtzeitig für den Endspurt fit geworden. Ein Haarriss im Lendenwirbelbereich hatte ihn knapp zwei Monate außer Gefecht gesetzt. Aber nur, was den Fußball betrifft. „Ich habe viel im Kraftraum gemacht.“ Und das ist nicht zu übersehen. „Ich fühle mich gut, ich bin bereit.“ Er freut sich auf die nächsten Wochen, weniger dann auf den Abschied. Als Kind war er schon mit der Familie in Bremen, als der Papa Profi war. Als Jugendlicher kehrte er 2012 zurück, um selbst Profi zu werden. „Den Verein, die Freunde und meine Wohnung werde ich schon vermissen.“
Aber da ist auch diese Lust auf etwas Neues, sich woanders zu beweisen, bei einer ersten Mannschaft mehr im Fokus zu stehen als in einer U23. „Es wird Zeit für eine Veränderung“, sagt Verlaat. Eines wird aber wiederkommen – der Vergleich mit seinem Vater Frank. So war das auch zu Beginn in Bremen. „Aber das hat wirklich nachgelassen, irgendwann war ich nur noch Jesper“, sagt der 21-Jährige – und klärt noch mit einem breiten Grinsen auf: „Das Fußball-Talent habe ich sowieso von meiner Mutter geerbt.“
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