Von Björn Knips
Kommentar zum Drohnen-Einsatz: Fairplay leben und nicht nur dafür werben
Ein Kommentar von Björn Knips. Wie schön wäre es doch, wenn der letzte Hinrunden-Spieltag wieder unter einem besonderen Motto stünde: Fairplay wäre aktuell sehr passend. Die Bundesligisten sind ja so gerne Vorbild - oftmals leider nur bei Aktionen mit garantiert freundlichem Medien-Echo.
Ansonsten schert sich die Branche wenig um die gute Kinderstube. Da wird sich ausspioniert, bis die Drohne bei der Polizei landet. Sicher, Werder hat sich entschuldigt. Also nicht für die Überwachungsaktion an sich, sondern nur dafür, dass sich die Hoffenheimer beim Training gestört gefühlt haben könnten. Gefahr sei natürlich nicht im Verzug gewesen, die Drohne habe keine Menschen überflogen.
Es ist alles so herrlich absurd. Die Fußball-Bundesligisten leben schon lange in ihrer eigenen Welt. Bei Pressekonferenzen zollen sich die Trainer immer größten Respekt, bemängeln zu kritische Berichterstattung über den Kollegen, den sie aber vorher bespitzelt haben, damit der verliert – oh, sorry – man natürlich selbst gewinnt. Dabei ist jedes Mittel recht. Sogar von Hausfriedensbruch ist die Rede, wenn sich Scouts in fremde Stadien einschleichen, wo ein Geheimtraining stattfindet.
Was kommt als nächstes? Wanzen in der Gäste-Kabine?
Werder betont, definitiv nichts Illegales zu veranstalten. Schließlich habe der Club Werte, an denen er sich orientiere. Werder betont aber auch, dass sich alle Clubs informieren. Es wäre also quasi ungerecht, wenn sich Werder fair verhielte und das Geheimtraining der Konkurrenten tatsächlich geheim sein ließe. Wo soll das nur enden? Was kommt als nächstes? Wanzen in der Gäste-Kabine? Gibt es wahrscheinlich längst – deshalb haben die Auswärtsmannschaften die Musik auch immer so laut an.
Eigentlich ist jetzt ein guter Zeitpunkt, die Verantwortlichen im Fußball an den gesunden Menschenverstand zu erinnern. 18 Bundesligisten sollten in der Lage sein, sich gegenseitig zu vertrauen. Das wäre mehr wert als die nächste Fairplay-Kampagne vor einem Bundesligaspiel.