Werders U23 Co-Trainer im Detail
„Dafür ist mir kein Weg zu schade“: So tickt Werders U23-Co-Trainer Yannick Viol
Yannick Viol spricht mit der DeichStube über seine Laufbahn, das erste Halbjahr als Co-Trainer der U23 des SV Werder Bremen und seine Ziele!
Bremen - Eigentlich kommt Yannick Viol aus dem HSV-Land, enger verwurzelt ist der gebürtiger Stader aber zweifelsfrei mit dem SV Werder Bremen – aus gutem Grund: „Ich bin mit 13 zu Werder gewechselt als Spieler. Ich bin aufgewachsen mit Thomas Schaaf, 4-4-2-Raute mit Offensive, Toren und Champions-League-Nächten gegen Real Madrid“, blickt der heute 31-Jährige im Gespräch mit der DeichStube zurück und schlussfolgert: „Werder ist für mich eine Herzensangelegenheit, weil ich hier groß geworden bin, total viel lernen durfte als Spieler, Mensch und jetzt als Trainer.“ Im vergangenen Sommer erfolgte dabei ein großer Schritt: Beförderung vom U15-Cheftrainer zum Co-Trainer in der U23 des SV Werder Bremen, Viols erster Job in einer Herren-Mannschaft. Für den Ex-Torwart eine Umstellung: „Ich brauchte ein bisschen Zeit, um mich an die Abläufe innerhalb einer Profi-Mannschaft zu gewöhnen.“ Schließlich unterscheidet sich die Arbeit mit Erwachsenen von der mit Kindern. Viol: „In der U23 geht es darum, mit einem noch größeren Staff in jedem Moment den letztmöglichen Schritt aus den Jungs rauszuholen, um sie auf das vorzubereiten, was vielleicht danach kommt. Es ist noch mehr Detailarbeit, noch mehr Fokus auf den einzelnen Spieler und alles einen Tick professioneller.“
Werder Bremens U23-Co-Trainer Yannick Viol: „Ich bin Christian Brand unfassbar dankbar dafür, dass er mir das Vertrauen geschenkt hat“
Bis er so richtig angekommen ist, habe es deshalb schon „ein paar Wochen“ gedauert: „Die größte Herausforderung für mich war, die Co-Trainer-Rolle in einem schon funktionierenden Trainerteam, wo ich meine Stärken einbringen kann, zu finden.“ Geholfen haben dürfte dabei auch, dass mit Christian Brand, dem damaligen Cheftrainer der U23 des SV Werder Bremen, ein alter Bekannter auf ihn wartete. „Mein Verhältnis zu Christian Brand war vorher schon sehr eng und vertraut. Er war für mich immer eine Ansprechperson, mit der ich inhaltlich und persönlich viel geteilt habe. Mein Ziel ist es, besser zu werden und Christian ist jemand, von dem ich mir viel abschauen kann“, erklärt Viol, dem die Entscheidung unter Brand zu arbeiten folglich nicht schwerfiel. Dass sich die Wege im Winter nun trennten, hinterlässt bei Yannick Viol derweil ein weinendes und ein lachendes Auge: „Ich bin Christian unfassbar dankbar dafür, dass er mir das Vertrauen geschenkt hat und auch sehr traurig, dass er nicht mehr da ist, weil er für mich eine sehr wichtige Person in meinem Umfeld bei Werder Bremen war. Auf der anderen Seite freue ich mich total für ihn, weil er jetzt wieder näher zu seiner Familie kommt.“
Die Entscheidung im vergangenen Sommer, nach dem Abschied von Kevin Schindler den bis dato (abgesehen von Hospitanzen) einzig im Jugendfußball erfahrenen Yannick Viol ins Trainerteam aufzunehmen, hatte Christian Brand damals vor allem mit dessen Fleiß und Offenheit für innovative Ideen begründet. „Christian hat bei der Abschiedsrede gesagt, mich könne man morgens um 7 Uhr anrufen, dass ich nochmal die Videoanalyse fertig mache und dann hat er die auch innerhalb von zwei Stunden“, verrät Viol nun und erklärt: „Für mich ist Fußball nicht unbedingt Arbeit, sondern Leidenschaft. Ich habe immer Bock, was Neues zu sehen und weiterzukommen. Ich bin ein Fan davon, immer wieder neue Trainingsformen zu basteln, um das Bestmögliche für den Spieler, die Spielergruppe oder die gesamte Mannschaft darzustellen. Dafür ist mir kein Weg zu schade zu gehen.“
Werder Bremens U23-Co-Trainer Yannick Viol: „Ich möchte das Beste aus jedem herausholen“
Den Weg zum Trainerjob hatte Yannick Viol derweil schon früh eingeschlagen. Nach seinem Werder-Abschied nach der U18 spielte er zunächst für den JFV A/O/Heeslingen, wo er später auch seine Trainer-Laufbahn startete. Im Herrenbereich kickte er selbst noch in der Landesliga, entschied sich dann aber für die Rolle an der Seitenlinie. „Ich habe schnell gemerkt, dass es mir viel Spaß macht, mit Menschen zu arbeiten und, dass es nicht mehr mein Fokus ist, selber zu spielen“, erinnert sich Viol: „Ich möchte das Beste aus jedem herausholen.“
Die Begeisterung für den Sport und die Trainer-Tätigkeit merkt man dem Stader einerseits schnell an, andererseits ist sie der Grund dafür, dass er in der Jugend auch einige Dinge verpasst hat. „Ich habe viel dafür geopfert“, erklärt Yannick Viol mit Blick auf Freundschaften, die er nach seinem Umzug nach Bremen „nicht mehr so gepflegt“ hat, „wie ich sie hätte pflegen müssen. Es ist auch eine Beziehung zu einer Partnerin kaputt gegangen.“ Im Nachhinein hätte er das zwar „gerne anders gemacht“, im Reinen ist der heutige U23-Co-Trainer des SV Werder Bremen mit sich aber trotzdem: „Ich bereue nicht viel von dem, was ich gemacht habe, weil mich das zu dem gemacht hat, was ich jetzt bin und darüber bin ich sehr glücklich.“
Zumal er eine wichtige Lektion inzwischen gelernt habe: „Man muss immer einen Spagat finden. Jetzt habe ich schon eine viel bessere Balance zwischen Arbeit und Freizeit gefunden. Man braucht eine gute Mischung, damit man mental gesund bleibt.“ Das auch der SV Werder Bremen immer das Wohlbefinden der Menschen im Blick habe, sei für Yannick Viol derweil ein großer Faktor in der viel zitierten Werder-Familie: „Es geht dem Verein immer darum, dass es dem Menschen gut geht, um dann einen guten Fußball zu spielen. Das ist das, was mich an Werder immer so fasziniert hat.“ Ab dem 12. Januar, wenn die Bremer U23 die Vorbereitung auf die Rückrunde aufnimmt, beginnt für Viol ein weiterer (zumindest etwas) neuer Abschnitt, weil dann bis zum Sommer der Sportliche Leiter der U23 Thomas Wolter das Traineramt übernimmt. „Thomas kennt das Geschäft, von ihm kann man auch sehr viel lernen. Er hat uns schon suggeriert, dass er uns sehr viel vertraut.“
Wie es dann im Sommer weitergeht, steht derweil noch in den Sternen. Ob Yannick Viol, der die A+-Trainerlizenz machen möchte, für den Cheftrainerposten bei der U23 des SV Werder Bremen in Frage kommt? „Da sollten wir das halbe Jahr auch erst einmal abwarten,“ sagt er selbst: „Aktuell ist das kein Thema.“ Perspektivisch kann sich das aber ändern, blickt er voraus: „Irgendwann kann ich mir das sicherlich vorstellen, aber ich bin auch noch ein sehr junger Trainer. Ich freue mich, dass ich aktuell noch viel aufsaugen kann, und dann wird man sehen, was einmal kommen wird.“ (tos)
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