Nigerianer zur WM und in die Premier League

Ex-Bremer Balogun betritt die große Bühne

Leon Balogun spielt mit Nigeria 2018 erstmals bei einer Fußball-Weltmeisterschaft.
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Leon Balogun spielt mit Nigeria 2018 erstmals bei einer Fußball-Weltmeisterschaft.

Kaliningrad - Leon Balogun kann es immer noch kaum fassen. „Wenn mir das einer vor vier Jahren erzählt hätte, den hätte ich für verrückt erklärt“, sagte der ehemalige Nachwuchsspieler des SV Werder Bremen im Gespräch mit dem „Sport-Informations-Dienst“.

Verrückt ist er tatsächlich, der steile Aufstieg des gebürtigen Berliners, der am Samstag (21.00 Uhr/ZDF) mit dem WM-Debüt für Nigeria im Spiel gegen Kroatien seinen nächsten Höhepunkt erleben wird. Nach dem Turnier in Russland wird der Verteidiger, dem in Bremen zwischen 2010 und 2012 nicht der Durchbruch gelang, in die Premier League wechseln. Tschüß, Mainz 05! Hello, Brighton & Hove Albion!

Es sind Kindheitsträume, die für Balogun (29) in Erfüllung gehen, vier Jahre, nachdem er vor den Trümmern seiner Karriere stand. Nach einem Mittelfußbruch wollte selbst der damalige Zweitligist Fortuna Düsseldorf den Innenverteidiger nicht mehr haben. Nach wochenlanger Ungewissheit kam die Erlösung in Form eines Vertrags bei Darmstadt 98. Seitdem, sagt Balogun, „ging es für mich eigentlich immer bergauf“.

Balogun mit den Super Eagles zur WM

Mit den Lilien schaffte er sensationell den Aufstieg in die Bundesliga, zog nach seinem Wechsel mit dem FSV Mainz 05 in den Europacup ein und schaffte mit den Super Eagles die WM-Qualifikation. „In der sogenannten Todesgruppe mit Sambia, Kamerun und Algerien“, wie Balogun berichtet. Als dann noch das Angebot von Brighton & Hove Albion eintrudelte, war das Glück perfekt.

„Seit meinen frühen Profi-Tagen bei Hannover 96 habe ich davon geträumt, weil mir der Spielstil im Mutterland des Fußballs entgegenkommt“, sagt Balogun, gibt aber glaubhaft zu: „Ich habe ernsthaft mit mir gerungen, ob ich den Schritt wage, weil der FSV für mich wie eine zweite Familie ist.“

Zwischen 2010 und 2012 spielte Leon Balogun bei Werder Bremen. Der Durchbruch gelang ihm nicht.

Weniger emotional waren für ihn die Stationen zuvor. Hannover 96 war der Anfang mit den ersten drei Bundesliga-Einsätzen, Werder Bremen die Fortführung mit ebenfalls nur drei Erstliga-Spielen. Als Balogun Bremen 2012 verließ, deutete nicht viel darauf hin, dass dort einer auszog, um die große weite Fußball-Welt zu erobern. Doch es kam anders.

Bevor es für ihn in die Premier League geht, wartet das WM-Abenteuer in Russland auf den Verteidiger. Und das als Stammspieler in einem aufregenden Team, das nach den überzeugenden Leistungen in der Qualifikation auch bei der Endrunde für Furore sorgen will. In einer Gruppe mit Vizeweltmeister Argentinien, den starken Männern aus Island und den erfahrenen Kroaten sieht Balogun sein Team zwar als „Underdog“, aber nicht chancenlos.

180 Millionen Menschen sitzen in Nigeria vor dem Fernseher

Balogun, Sohn einer Berlinerin und eines Nigerianers, glaubt fest daran, dass der Teamgeist Berge versetzen kann. Auf dem Weg ins Stadion stimmen sich alle gemeinsam ein, „dann sind wir im Mannschaftsbus wie ein Chor“, sagt Balogun, „alle singen voller Inbrunst mit, egal ob Christen oder Moslems. Manche Spieler musst du dabei sogar bremsen, damit sie noch Power für die Partie haben.“ Er selbst ist dabei kein Außenseiter. Ganz im Gegenteil.

„Leon ist einer meiner wichtigsten Spieler in der Abwehr. Er ist schnell und bringt die deutsche Mentalität mit“, sagt Trainer Gernot Rohr. Dem gebürtigen Mannheimer gefällt Baloguns Einstellung, die der Hochgelobte selbst in einem Satz auf den Punkt bringt: „Bei den Spielen sitzen 180 Millionen Menschen alleine in Nigeria vor dem Fernsehen, die wollen wir nicht enttäuschen.“

(sid/csa)

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