Werder-Neuzugang über...

Harnik: „Ich muss auf dem Platz vorangehen“

Martin Harnik zeigte sich gut gelaunt bei seiner offiziellen Vostellung in Bremen.
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Martin Harnik zeigte sich gut gelaunt bei seiner offiziellen Vostellung in Bremen.

Bremen - Lächeln und T-Shirt in der gleichen Farbe: strahlend weiß. Dazu kurze Hose, gebräunte Haut, und die langen Haare lässig zurückgebunden. Dass Martin Harnik im Laufe seiner Antritts-Pressekonferenz nach der Rückkehr zu Werder am Dienstag erklärt hat, erst kürzlich aus dem Sommerurlaub zurückgekehrt zu sein, wäre nun wirklich nicht nötig gewesen.

Man sah dem 31-Jährigen die Entspannung an. Gut gelaunt, schlagfertig und reflektiert – so präsentierte sich der Stürmer im Medienraum des Weserstadions vor den Journalisten. Harnik sprach dabei unter anderem über seine Ziele mit Werder, die Zukunft seines Mitspielers Max Kruse, seine Wunschposition, und – nicht ganz ernst gemeint – über ein klärendes Gespräch mit Thomas Schaaf, das er demnächst führen möchte. Martin Harnik über. . .

. . . seine Rückkehr

2009 gegangen, 2018 zurückgekehrt – dazwischen liegen neun Jahren, in denen sich bei Werder einiges getan hat. „Ich habe relativ schnell festgestellt, dass sich hier viel verändert hat“, sagte Harnik, meinte damit aber eher strukturelle Dinge wie die Fassade des Stadions oder die Ausstattung der Kabine. Das, worauf es wirklich ankommt, war dem gebürtigen Hamburger schnell wieder vertraut.

„Das ganze Team drumherum ist dasselbe geblieben. Jeden Tag treffe ich alte Weggefährten. Es ist wirklich schön, wieder hier zu sein.“ Seine Rückkehr an die Weser bezeichnete Harnik sogar als „Nachhausekommen“. Sein erstes Spiel im Weserstadion kann er gar nicht mehr abwarten: „Das Stadion ist echt geil. Auch als Gegner hat es immer großen Spaß gemacht, hier zu spielen.“

. . . Max Kruse

In der Jugend gemeinsam beim SC Vier- und Marschlande, bei Werder später in der U 23 – und bald auch endlich in der Bundesliga: Für Martin Harnik geht schon so etwas wie ein Traum in Erfüllung, wenn er demnächst wieder neben seinem Kumpel Max Kruse auf dem Platz steht. „Wieder mit ihm zusammenzuspielen, ist für mich etwas ganz Besonderes“, sagte der Angreifer. „Den Traum von der Bundesliga können sich nur wenige erfüllen, und dass ich dort bald mit einem langjährigen Freund spielen kann, ist sehr, sehr schön.“

Kruse und Harnik, bei Werder wiedervereint – ein romantisches Bild, das während des Sommers jedoch von angeblichen Wechselabsichten Kruses getrübt wurde. Seinen 2019 auslaufenden Vertrag hat der Werder-Star noch nicht verlängert, es spricht aber trotzdem sehr viel für einen Verbleib in der kommenden Saison – nicht zuletzt die Person Martin Harnik. „Ich wäre schon sauer auf ihn, wenn er im Sommer geht“, sagte Harnik mit seinem weißen Lächeln – und fügte an: „Ich habe mit ihm über das Thema gesprochen, und bisher konnte er mich immer beruhigen.“ Bei der Frage, ob Kruse seinen Vertrag verlängert „könnte ich ein Faktor sein“, weiß Harnik. „In erster Linie müssen wir aber erfolgreich spielen. Das sind immer die besten Argumente.“

. . . Ziele mit Werder

Neun Tore für Hannover 96 waren es in der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Eine Zahl als Zielvorgabe für die neue Spielzeit wollte Harnik am Dienstag nicht abgeben – er ist schließlich erfahren genug und weiß, dass ihm der Wert im schlechtesten Fall immer wieder vorgehalten worden wäre. „Mein persönliches Ziel ist immer, möglichst viel zu spielen“, sagte der ehemalige österreichische Nationalspieler (68 Länderspiele) stattdessen.

„Ich möchte mich aufdrängen und der Mannschaft mit meiner Leistung helfen.“ Werders Weg soll dann möglichst weit nach oben führen: „Als ich damals zum ersten Mal hergekommen bin, waren es erfolgreiche Zeiten mit internationalem Fußball. Da wollen wir auf lange Sicht wieder hin.“ Den Großteil des Teams hat er während eines gemeinsamen Frühstücks am Montagmorgen kennengelernt. Harniks erster Eindruck: „Sie waren alle sehr nett, es herrschte eine harmonische Stimmung.“

. . . seine Position

Es gibt da diese alte Geschichte, in den Hauptrollen Martin Harnik und Thomas Schaaf. Während seiner ersten Zeit bei Werder wurde der Jungprofi vom Trainer auch mal als Rechtsverteidiger eingesetzt. „Die Rolle von damals werde ich mit Thomas nochmal aufbereiten müssen“, schmunzelte Harnik, der sich inzwischen längst als Stürmer in der Bundesliga einen Namen gemacht hat. 52 Ligatore in 173 Spielen für Stuttgart, 32 Treffer in 65 Partien für Hannover – heute würde wohl niemand mehr auf die Idee kommen, Harnik in die Defensive zu beordern.

Ganz klar beantwortet ist die Frage nach seiner Rolle auf dem Platz aber noch nicht. Im Sturmzentrum (wie in Hannover) oder doch lieber als Rechtsaußen (wie in Stuttgart) – wo sieht sich der neue Mann in Bremen? „Ich sehe meine Stärken eher zentral als außen, weil ich wie Max Kruse sehr viel in Bewegung, sehr viel auf der Suche nach freien Räumen bin“, sagte Harnik. Dann schob er pflichtbewusst hinterher: „Am Ende geht es aber darum, wo mich der Trainer sehen möchte.“

. . . seine Rolle im Team

Eigentlich ist die Rechnung einfach: In Stuttgart und Hannover war Harnik jeweils Führungsspieler, also wird er es bei Werder auch sein. Unterschreiben möchte der Profi das allerdings (noch) nicht. „Ich sehe das nicht als Rolle, die einem zugeteilt werden sollte. Es ist am Ende auch eine Charakterfrage“, sagte er. Sein Vorgehensweise: Erst sportlich abliefern, dann kommt alles andere. „Ich muss mich jetzt erstmal etablieren, muss auf dem Platz vorangehen und die Jungs mit Leistungen von mir überzeugen.“

. . . Florian Kohfeldt

Damals, in der Bremer U23, standen Harnik und Kohfeldt im Training noch gemeinsam auf dem Platz, der eine als Stürmer, der andere als dritter Torhüter. „Wir haben uns damals nie darüber unterhalten, dass er dieses TrainerGen in sich trägt“, berichtete Harnik, „ich wusste aber, dass er sehr reflektiert ist und sich viele Gedanken macht.“ Als Kohfeldt im Oktober des Vorjahres zum Bremer Cheftrainer wurde, hat Harnik bei Werder wieder etwas genauer hingeschaut – und sich gefreut, „dass er es so gut und erfolgreich macht“.

Nicht so erfreulich war für den Stürmer hingegen das erste Heimspiel von Kohfeldt, bei dem Hannover 96 im Weserstadion zu Gast war. „Da haben wir uns direkt mal eine 0:4-Packung abgeholt. Es war plötzlich wieder attraktiver Fußball bei Werder, den man aus den guten, alten Zeiten noch kannte.“ Künftig kommt nun auch Harnik in den Genuss der Kohfeldt’schen Fußballideen. „Die Entwicklung, die sich unter Florian angebahnt hat, ist noch lange nicht vorbei.“

. . . seine Entwicklung

Als die Rückkehr nach Bremen perfekt war, tauchten sie urplötzlich wieder auf, die alten Bilder von damals: Martin Harnik als Jungprofi in Bremen. „Als ich gesehen habe, wie ich früher so rumgelaufen bin, war ich schon froh, dass ich mich ein bisschen weiterentwickelt habe“, scherzte Harnik, in dessen sportlicher Vita inzwischen 220 Bundesligaspiele stehen. „Ich habe meine Erfahrungen gesammelt, bin mittlerweile Familienvater“, zählte er auf – und kam zu dem Schluss: „Ich habe eine ganz vernünftige Entwicklung genommen, glaube ich. Das möchte ich jetzt mit einbringen.“ Früher, da habe er von „alten Hasen“ wie Torsten Frings und Tim Borowski viel gelernt. „Jetzt bin ich selbst in so einer Rolle.“

. . . die Werder-Fans

In der Bremer Innenstadt war Harnik mit seiner Frau nach seiner Rückkehr schon unterwegs. „Da habe ich tolles Feedback bekommen und wieder gemerkt, wie sehr diese Stadt Werder lebt“, sagte er. Auf die Unterstützung während der Spiele im Weserstadion freut er sich besonders. „Auch wenn man hier früher verwöhnt war mit Flutlichtspielen und Champions League, war sich keiner zu schade, die Mannschaft auch im Abstiegskampf zu unterstützen“, sagte Harnik – und betonte: „Auf diesen Zusammenhalt freue ich mich am meisten.“

. . . das Karriereende

Harnik ist jetzt 31, wenn sein Kontrakt bei Werder ausläuft, wird er 34 sein. „Natürlich habe ich den Vertrag mit der Vorstellung unterschrieben, ihn zu erfüllen und bis zum Ende hierzubleiben“, sagte er. „Was dann noch im Raum steht, kann man jetzt nicht planen oder voraussehen.“ In Hannover habe er mal eine entsprechende Karrierende-Aussage getroffen, „und dann kam plötzlich Werder wieder ins Spiel.“

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