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Bremen - Wer neuer Kapitän bei Werder Bremen wird, steht noch nicht offiziell fest. Die Wahrscheinlichkeit ist aber ziemlich groß, dass die Wahl von Trainer Florian Kohfeldt auf Max Kruse fällt. Dem Stürmer würde das gefallen.
„Sollte der Trainer so entscheiden, würde ich es gerne machen“, sagt Kruse in einem seiner seltenen Interviews gegenüber dem Fußball-Magazin „11 Freunde“. „Das Amt zeigt ja die Wertschätzung, die ein Spieler genießt. Auch wenn ich die Binde nicht zwingend brauche, um offen meine Meinung zu sagen.“
Auch in dem Interview äußert sich Kruse meinungsstark. So kritisiert er eine zuletzt zu schwach ausgeprägte Hierarchie bei Werder: „Ich finde es nicht falsch, wenn jeder sagt, was er denkt, aber ein Team braucht auch Wortführer. Spieler, die den Takt vorgeben. Das hat uns letzte Saison ab und an gefehlt“, sagt Kruse.
Kohfeldt bringt „bitter nötige“ Struktur
In der vergangenen Spielzeit hätten auch die jungen Spieler sehr viel mitgesprochen. „Da kamen auch Widerworte in Momenten, in denen es wirklich fehl am Platz war. Und weil jeder meinte, mitreden zu müssen, spiegelte sich das auch auf dem Platz wider.“ Daran müsse Werder arbeiten, meint Kruse. Trainer Kohfeldt habe es nach seiner Übernahme allerdings bereits „geschafft, sehr schnell eine Struktur ins Team zu bekommen, die bitter nötig war“.
Die Entwicklung sei aber noch nicht am Ende. „Auch die Führungsspieler – und da beziehe ich mich mit ein – sind in der Pflicht, dass wir in Sachen Teamführung weiterkommen, damit die Mannschaft zukünftig mehr Erfolg hat.“ In der Saisonvorbereitung werde daran gearbeitet, „dass allen deutlicher wird, wer die Kommandos gibt“.
Kruse: „Ich muss mehr positive Energie ins Spiel bringen“
Überhaupt hat Kruse mangelnde Demut bei der nächsten Generation junger Spieler festgestellt. Manchen Nachwuchstalenten könnte „das viele Geld“ zu Kopf steigen. Kruse: „Wenn einer fünf Bundesligaspiele auf dem Buckel hat, aber glaubt, ab jetzt bei Werder Stammspieler zu sein, täuscht er sich. Denn einen Stellenwert im Team kann man sich nur durch Leistung verdienen.“
Kruse schlägt aber auch selbstkritische Töne bei seinem eigenen Führungsstil an: „Im Spiel werde ich schnell ungeduldig, wenn etwas nicht funktioniert. Und dieser Unmut ist deutlich an meiner Mimik und Gestik ablesbar. Das ist nicht gut.“ Er hat aber auch schon eine Idee, was er besser machen will: „Ich muss mehr positive Energie ins Spiel bringen. Wenn ich in solchen Momenten souveräner auftrete, kann ich die Mannschaft besser machen.“ Klingt danach, als hätte Kruse die Rolle als Kapitän schon jetzt verinnerlicht.