Werder-Stürmer bei „Zeit Pokalnacht“
Kruse: Schlagfertig trotz Hexenschuss
Berlin - Vielleicht ist es ganz gut so, dass die Bundesliga-Saison seit knapp einer Woche vorbei ist. Denn an diesem Wochenende hätte Max Kruse Werder Bremen wohl kaum helfen können.
Der Stürmer leidet unter einem Hexenschuss. Von daher kam es ihm wohl gelegen, dass an diesem Wochenende kein Spiel mehr für ihn ansteht. Stattdessen hatte Kruse Zeit, am Freitagabend als Gast auf dem Podium bei der „Pokalnacht“ der „Zeit“ in Berlin aufzutreten. Und Lust hatte Kruse auch. Der 30-Jährige präsentierte sich im Gespräch mit Journalist Giovanni di Lorenzo auch trotz Rückenschmerzen gut aufgelegt und schlagfertig.
Es ging gleich humorvoll los: Die These, dass er der „schnellste Duscher der Bundesliga“ sei - so habe es di Lorenzo von einem Werder-Verantwortlichen erfahren -, konterte Kruse ganz trocken: „Ich habe gewusst, dass ich bestimmt unter den Top 3 bin, aber dass ich der Allerschnellste bin? Das ist mir jetzt auch neu.“ Nur der Auftakt eines Gesprächs mit eher geringem Nachrichten-, aber hohem Unterhaltungswert.
Kruse drückt DFB-Elf vor dem TV die Daumen
So gestand der in Reinbek geborene Kruse zwar, als Kind in HSV-Bettwäsche geschlafen zu haben, stellte aber sofort klar: „Die hat mein Vater übergezogen. Ich war zu jung, um Widerworte zu geben.“ Sympathiepunkte sammelte er für seine Antwort auf die Frage, ob ein Profi vor einem wichtigen Spiel eigentlich feiern gehen darf. „Die Frage ist: Wie viele Tage vorher?“, sagte Kruse mit einem breiten Grinsen. „In Freiburg sind wir noch mittwochs feiern gegangen, wenn Samstag das Spiel war, und sind trotzdem Fünfter geworden.“
Besonnen hingegen reagierte Kruse auf die Frage nach seiner Nicht-Berücksichtigung von Bundestrainer Joachim Löw für den vorläufigen WM-Kader. „Gewünscht habe ich es mir natürlich, dabei zu sein“, sagte Werders Top-Scorer, „aber ich habe schon länger eingesehen, dass es auch andere wichtige Dinge im Leben gibt und die Nationalmannschaft nicht mein ganzes Leben bestimmt.“ Kruse habe versucht, sich fürs Turnier zu empfehlen, „aber es hat nicht gereicht. Ich drücke der Mannschaft jetzt vor dem Fernseher die Daumen.“
Kruse: „Hätte Herrn Steinmeier ein Trikot von mir gegeben“
Kruse war aber nicht bei jedem Thema auskunftsfreudig. Zum Beispiel, wenn er das Handeln Anderer beurteilen sollte. Kruse ist da eher der „Jeder muss selber wissen, was für ihn richtig ist“-Antworter. Ein Beispiel: Sandro Wagners Rücktritt aus der Nationalmannschaft. „Ich kann mich nicht in ihn hineinversetzen, jeder handelt für sich selbst“, sagte Kruse und betonte: „Ich habe die Entscheidung für mich nicht getroffen.“
Ein anderes Beispiel: die vieldiskutierten und vom DFB gescholtenen Fotos der Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidentin Recep Tayyip Erdogan. Kruses Meinung: „Wenn man zwei Staatsbürgerschaften hat, ist es nicht immer ganz so einfach. Ich will damit nicht sagen, dass ich gutheiße, was Herr Erdogan in der Türkei macht, aber es steht mir nicht zu, mich darüber zu äußern.“ Sicher sei es jedenfalls eine „unglückliche Situation“, und er wisse, dass Özil und Gündogan gerne für Deutschland spielen.
Statt zu riskieren, irgendwo auf dünnem Eis einzubrechen, schob Kruse lieber noch einen Scherz ein: „Ich hätte Herrn Steinmeier ein Trikot von mir gegeben“, sagte er über den deutschen Bundespräsidenten, „aber ich habe gehört, er ist Schalke-Fan.“ Die Antwort passte wohl am besten zu Kruse an diesem Abend.
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