Verteidiger über Abstiegskampf, Zukunft und Sprachen

Veljkovic im Interview: „Wir schaffen den Klassenerhalt“

Milos Veljkovic
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Milos Veljkovic sagt, er will möglichst lange für Werder Bremen spielen.

Bremen - Milos Veljkovic sagt von sich, dass er ein Mensch ist, der vor allem in der Gegenwart lebt. Gedanken an die Zukunft will sich der 22 Jahre alte Innenverteidiger nicht gönnen – es sei denn, es geht um die WM 2018 in Russland.

Dann guckt auch Veljkovic mal ins Fernglas. Seit Freitag ist klar, auf welche Länder die Serben bei der WM treffen werden. Nicht klar ist dagegen, ob Nationalmannschafts-Neuling Veljkovic dann auch tatsächlich dabei sein wird. Die WM ist eines von zwei Fußballthemen, die sein Leben bestimmen. Das noch größere ist natürlich der Abstiegskampf mit Werder. Die DeichStube sprach mit dem Werder-Profi.

Serbien trifft auf Brasilien, die Schweiz und Costa Rica – wie finden Sie die Gruppe?

Milos Veljkovic: Wir treffen auf gute Mannschaften, aber es ist alles möglich. Gegen Brasilien spielen zu dürfen ist ein Traum für jeden Fußballer und ich hoffe, dass wir gegen sie etwas mitnehmen können. Gerade das Spiel gegen die Schweiz ist für mich natürlich speziell, da ich dort geboren und aufgewachsen bin. Außerdem habe ich noch sehr viele Freunde dort, die die Partie verfolgen werden.

Sie haben gerade erst im Nationalteam debütiert – für wie sicher halten Sie selbst Ihre WM-Teilnahme?

Veljkovic: Es ist noch überhaupt nicht sicher. Aber es ist natürlich mein größtes Ziel, in Russland dabei zu sein. Ich muss einfach hier bei Werder meinen Job gut machen, dann schauen wir weiter. Wenn es klappen sollte, wäre die WM schon so etwas wie der Gipfel meiner Karriere.

Derzeit ist Mladen Krstajic, 2004 als Verteidiger Double-Sieger mit Werder, der serbische Nationalcoach – allerdings noch als Interimslösung. Er hat Ihnen zur Premiere im Nationalteam verholfen, wie wichtig ist er nun für Ihren weiteren Weg in der Auswahl?

Veljkovic: Ich weiß nicht, ob er unser Nationalcoach bleibt. Ich denke aber, dass wir es bis Jahresende erfahren werden. Ich hoffe natürlich, dass Krstajic bleibt. Er hat mich zum Nationalspieler gemacht, es ist für mich unter ihm bisher gut gelaufen.

Wie bewerten Sie Ihre Debüt-Einsätze auf der Asienreise gegen China und Südkorea? Große Gegner waren das noch nicht.

Veljkovic: Für mich war das trotzdem eine sehr große Sache. Egal ob Freundschaftsspiel oder Ernstfall – für mich ist als Neuling jedes Spiel im Nationalteam wie ein Finale. Du bist dabei, du willst auch dabei bleiben.

Milos Veljkovic hat sich fest in der Werder-Abwehr etabliert.

Wie waren Krstajics Rückmeldungen nach den Partien?

Veljkovic: Viel gespielt habe ich ja nicht, insgesamt nur etwa eine halbe Stunde. Aber er hat mir gesagt, dass ich so weitermachen soll wie bisher und dass er mich im Auge behalten wird. Und dann hat er mir noch viel Glück gewünscht für die nächsten Aufgaben mit Werder.

Sie haben sich bei Werder vom Perspektivspieler, der für wenig Geld aus England kam, zur Stammkraft und Nationalspieler entwickelt. Zufrieden?

Veljkovic: Natürlich, sehr. Hoffentlich bleibt es so.

Mit Ihren Leistungen haben Sie sich fraglos für andere Clubs interessant gemacht. Ihr aktueller Vertrag läuft zwar noch bis 2019, aber dass Werder eine vorzeitige Verlängerung anstrebt, wäre nur logisch. Wie denken Sie darüber?

Veljkovic: Noch denke ich gar nicht daran. Ich finde, wir sind momentan auch nicht in der sportlichen Situation, um über Verträge zu sprechen. Ich will mich allein auf die Spiele konzentrieren. Und wenn Frank Baumann meinen Berater anspricht, dann schauen wir weiter.

Baumann bringt Ihnen hohe Wertschätzung entgegen. Wie denken Sie generell über eine Zukunft bei Werder?

Veljkovic: Wenn alles gut geht, will ich natürlich so lange wie möglich bei Werder bleiben. Aber noch weiß ich nicht, was wird. Ich habe noch nicht mit Werder gesprochen.

Sie sind als 16-Jähriger vom FC Basel nach England gewechselt, haben bei Tottenham Hotspur aber nicht den Sprung in die Premier League geschafft. Haben Sie das Gefühl, dass Sie da noch etwas nachholen müssen?

Veljkovic: Die Premier League ist etwas, was später in meiner Karriere vielleicht noch mal ein Thema wird. Aber das ist noch ein langer Weg für mich. Ich bin generell aber kein Freund, zu weit in die Zukunft zu planen.

Wie weit denken Sie voraus?

Veljkovic: Ich fokussiere mich auf die Gegenwart – dieser Typ bin ich. Für alles andere habe ich einen Berater.

Die Gegenwart ist Abstiegskampf, die Gegenwart ist auch Trainer Florian Kohfeldt. Hatten Sie Sorgen, Sie könnten unter ihm den Status des Stammspielers verlieren, den Sie sich unter Alexander Nouri erworben haben?

Veljkovic: Zu Nouri hatte ich ein super Verhältnis. Er hat mir das Vertrauen geschenkt, und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Natürlich beschäftigst du dich als Spieler dann mit einem Trainerwechsel. Für mich stand aber im Vordergrund, im Training Gas zu geben und mich zu empfehlen. Zum Glück baut auch Florian Kohfeldt auf mich. Es geht also weiter.

Kohfeldt wechselt bislang zwischen Vierer- und Dreierkette hin und her. Für Sie ein Problem?

Veljkovic: Überhaupt nicht. Die Viererkette ist ein bisschen offensiver, die Dreierkette ein bisschen defensiver – der Unterschied im Spiel ist deshalb gegeben. Aber für mich ist es egal, welches System wir spielen.

Milos Veljkovic sprach im Interview mit DeichStuben-Reporter Carsten Sander.

Florian Kohfeldt ist mit zwei Auswärtsniederlagen und einem Heimsieg gestartet – wie hoch ist nun der Druck für das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart?

Veljkovic: Normal groß. Die Ergebnisse haben zwar nicht gepasst, trotzdem sind wir verbessert aufgetreten. Wenn wir so weiterspielen, wird das Glück irgendwann auch wieder auf unserer Seite sein.

Ist das nicht eine etwas zu sorglose Einstellung?

Veljkovic: Ich habe ja gesagt, dass wir mit den Ergebnissen in Frankfurt und Leipzig (1:2 und 0:2, d. Red.) nicht zufrieden sind. Aber ich denke, dass wir definitiv den Klassenerhalt schaffen werden. Die Qualität haben wir.

Sie haben mal angedeutet, dass Sie parallel zur Profi-Karriere ein Sportmanagementstudium absolvieren möchten. Wie weit ist es damit gediehen?

Veljkovic: Noch nicht weit. Ich bin voll und ganz mit dem Fußball beschäftigt. Im Moment geht es sowieso nur darum, mit Werder die schwierige Situation zu meistern. Grundsätzlich möchte ich mich aber abseits des Fußballs auch noch mit anderen Sachen beschäftigen. Es ist einfach gut, nach dem Training auch noch etwas für den Kopf zu machen. Das muss auch nicht unbedingt ein Studium sein. Vielleicht geht es auch nur darum, neue Sprachen zu lernen.

Sie sprechen bereits Serbisch, Deutsch, Englisch und Französisch. Was soll noch dazu kommen?

Veljkovic: Italienisch oder Spanisch habe ich im Sinn. Eins von beidem wäre nicht schlecht.

Sind Sie ein Sprachentalent oder woher kommt diese Vielfalt bei Ihnen?

Veljkovic: Von Talent würde ich jetzt nicht sprechen, eine gewisse Begabung ist aber durchaus da. Schweizerdeutsch und Hochdeutsch habe ich damals in der Schule gesprochen, Serbisch aber in der Familie. Französisch habe ich ein wenig in der Schule gelernt, so richtig aber erst in England.

Moment: Französisch in England?

Veljkovic (lacht): Wir hatten viele französische Spieler im Team, da hat man in der Kabine zugehört und viel aufgeschnappt. Mein bester Freund in der Mannschaft war damals zudem Nabil Bentaleb (in Frankreich geborener Algerier, spielt aktuell bei Schalke 04, d. Red.). Mit ihm war ich jeden Tag zusammen, wir haben immer Französisch miteinander gesprochen. Da ging es schnell mit dem Lernen. Aber ehrlich: Perfekt ist mein Französisch noch nicht. Englisch ist eindeutig besser.

Milos Veljkovic: Seine Karriere in Bildern

Milos Veljkovic
Milos Veljkovic spielte zunächst in der Jugend des FC Basel, seiner Heimatstadt. 2011 folgte der Wechsel nach England zur U18 von Tottenham Hotspurs. © imago
Milos Veljkovic
Bei den Profis von Tottenham hatte er 2014 zwei Premier-League-Einsätze. In der Saison 2014/15 wurde er zuerst an den FC Middlesbrough und dann an Charlton Athletic verliehen. © imago
Im Februar 2016 verpflichtete Werder Bremen den damals 20-jährigen Verteidiger.
Im Februar 2016 verpflichtete Werder Bremen den damals 20-jährigen Verteidiger. © gumzmedia
Veljkovic absolvierte drei Spiele für Werders U23...
Veljkovic absolvierte drei Spiele für Werders U23... © gumzmedia
...und stand im März 2016 in drei Erstligaspielen auf dem Platz.
...und stand im März 2016 in drei Erstligaspielen auf dem Platz. © gumzmedia
Milos Veljkovic
Es folgte eine vierwöchige Verletzungspause nach einem Zehenbruch im Training. Als er wieder fit war, wurde er zum Stammspieler in Werders zweiter Mannschaft. © Gumz
Milos Veljkovic
Ende des Jahres 2016 bekam Veljkovic wieder Einsatzzeit im Bundesliga-Team und wurde von da an zu einer festen Größen in Werders Abwehrkette. © Gumz
Sein erstes Tor für die Grün-Weißen erzielte er 2017 in der ersten DFB-Pokalrunde gegen die Würzburger Kickers. Werder gewann das Spiel 3:0.
Sein erstes Tor für die Grün-Weißen erzielte er 2017 in der ersten DFB-Pokalrunde gegen die Würzburger Kickers. Werder gewann das Spiel 3:0. © gumzmedia
Milos Veljkovic
Der gebürtige Schweizer läuft für die serbische Nationalmannschaft auf. Mit der U19 gewann er 2013 die Europameisterschaft, zwei Jahre später wurde er sogar U20-Weltmeister. Bei der U21-Europameisterschaft 2017 schied sein Team jedoch in der Vorrunde aus. © imago
Milos Veljkovic
Im Oktober 2017 wurde er erstmals für die A-Nationalmannschaft nominiert. Serbien siegte gegen Georgien und qualifizierte sich für die WM 2018 in Russland, Veljkovic kam aber nicht zum Einsatz. © imago
Beim 3:1-Erfolg über den 1. FC Köln am 12. März 2018 erzielte Veljkovic seinen ersten Treffer in der Bundesliga.
Beim 3:1-Erfolg über den 1. FC Köln am 12. März 2018 erzielte Veljkovic seinen ersten Treffer in der Bundesliga. © gumzmedia
Veljkovic wurde für die WM 2018 nominiert und durfte im Gruppenspiel der Schweiz gegen Brasilien ran. Hier ist der Bremer mit Gabriel Jesus im Zweikampf. Im Achtelfinale ging es gegen Schweden nach Hause (0:1).
Veljkovic wurde für die WM 2018 nominiert und durfte im Gruppenspiel der Schweiz gegen Brasilien ran. Hier ist der Bremer mit Gabriel Jesus im Zweikampf. Im Achtelfinale ging es gegen Schweden nach Hause (0:1). © imago

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