Schwerer Stand beim Bondscoach
Koemans geschlossene Gesellschaft: Zutritt verboten für Klaassen
Von Hans-Günter Klemm. Zeist/Bremen – Es mag als ein Indiz gelten, dass sein Name nicht fiel, als die niederländische Nationalelf sich zu Wochenbeginn in Zeist versammelte. Beim ersten Treffen in der Zentrale des Koninklijke Nederlandse Voetbal Bonds (KNVB) standen andere Themen und Personen im Vordergrund. Keine Rede von Davy Klaassen.
Der Werder-Profi ist aktuell eine Personalie ohne Belang für die Fußballfans im Nachbarland und auch für Ronald Koeman, den Nationaltrainer.„Wir beobachten Davy weiter“, lässt sich der Bondscoach auf Nachfrage der DeichStube lediglich ein recht allgemeines und nichtssagendes Statement zu dem Mittelfeldspieler entlocken. Aber es klingt durch: Klaassen steht momentan nicht zur Debatte.
Koemans radikaler Umbruch trägt Früchte
Die Konkurrenz auf dessen Position im Mittelfeld sei halt sehr groß, erläutert Koeman weiter. „Davy hat es schwer, weil er sich mit sehr starken Rivalen messen muss.“ Thema erledigt für den früheren Weltklassespieler, der gut ein Jahr lang nun die Verantwortung für die Nationalelf seines Heimatlandes trägt. Koeman hat einen radikalen Umbruch eingeleitet, konsequenter und eher als Kollege Joachim Löw. Die Erfolge geben dem Mann, der am Donnerstag 56 Jahre alt wird, recht. Seine Personalentscheidungen haben sich bewährt und lassen keine Zweifel aufkommen.
Koeman hält Kurs, eine Ausrichtung ohne den Bremer Davy Klaassen. Dieser zählt allenfalls zum „erweiterten Kader“, wie der Trainer sagt. Für Klaassen ist momentan kein Platz im engeren Kreis der Eliteauswahl. 25 Spieler umfasst das Aufgebot, das in diesen Tagen auf dem neuen KNVB-Campus in der Nähe von Utrecht sich auf die beiden ersten EM-Qualifikationsspiele gegen Weißrussland und Deutschland vorbereitet. Koeman hat 23 Akteure erneut eingeladen, die schon im letzten November dabei waren. Dazu den damals verletzten Davy Pröpper, einen Mittelfeldspieler, der in seiner Spielweise dem Bremer ähnelt, sowie Steven Bergghuis, einen Außenbahnspieler von Feyenoord Rotterdam.
Davy Klaassen: Seine Karriere in Bildern




Keine Chance für Klaassen?
„Warum sollte ich Änderungen vornehmen?“ fragt Koeman rhetorisch, begründet so seine Vorgehensweise und verweist auf die jüngsten Erfolge, gekrönt vom Gruppensieg in der Nations League, eingefahren in den Duellen mit Deutschland und Weltmeister Frankreich. Die Testphase ist vorüber, seine Auserwählten haben die Prüfung bestanden. Also setzt er auf die Gruppe von Nationalspielern, die den Nachweis der Tauglichkeit erbracht haben, Kandidaten, auf die er bauen kann. Es mutet an wie eine geschlossene Gesellschaft. Eintritt verboten, zumindest für die nächsten Monate. Und folglich auch kein Eintritt für Davy Klaassen trotz der Ausrufezeichen, die er in der Bundesliga durchaus gesetzt hat.
Der Kohfeldt-Schützling ist und bleibt außen vor. An namhaften Spielern kommt er halt nicht vorbei. Platzhirsch auf seiner Position ist unumstritten Georginio Wijnaldum, der Star aus Liverpool, mit 53 Länderspielen neben Ryan Babel (54 Einsätze) der erfahrenste im Team. Zudem hat sich Donny van de Beek, ein 21-Jähriger aus dem Talentschuppen von Ajax Amsterdam, in der Vordergrund gespielt, nicht nur in der Champions League. Als Backup für der Klaassen-Rolle gilt außerdem besagter Pröpper, der sein Geld in der Premier League bei Brighton & Hove Albion verdient.
Im Fußball könne sich schnell vieles ändern, macht Nico-Jan Hoogma dem momentanen Außenseiter Klaassen dennoch Mut. „Wir verfolgen weiter seinen Weg in der Bundesliga.“ Dass Werder bisher nicht europäisch vertreten gewesen ist, will der Sportdirektor des niederländischen Verbands dabei nicht unbedingt als Nachteil für Klaassen verstanden wissen. „Das spielt keine Rolle“, sagt der ehemalige Profi des Hamburger SV.
Also bleibt eine Chance für Davy Klaassen, bleibt die Hoffnung auf eine Fortsetzung seiner Länderspiel-Laufbahn – und mag sie aus heutiger Sicht noch so minimal sein. Dass er nach der gemeinsamen Erfahrung aus 2017 nicht gerade als Liebling des Bondscoaches gilt, wird in Holland bereits spekuliert. Koeman holte ihn damals nach Everton, Klaassen scheiterte auf der Insel, Koeman auch, verlor drei Monate nach dem Saisonstart seinen Job.
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Koeman widerspricht Klaassen-Gerücht
Daher sei der Trainer maßlos enttäuscht über den von ihm einst protegierten Profi aus Amsterdam, heißt es in Holland. Diesem Gerücht widerspricht Koeman im Gespräch mit der DeichStube energisch: „Das stimmt nicht. Davy hatte es schwer in England, er ist mit seiner Spielweise dort nicht klargekommen. Das Jahr in der Premier League hat ihn leider zurückgeworfen.“
Rein sportliche Gründe führt Koeman an, wenn er auf die Nichtberücksichtigung des Legionärs an der Weser angesprochen wird. Gefragt wurde er auch nach einem anderen Bundesliga-Profi niederländischer Herkunft: Wout Weghorst, der Mann des letzten Spieltags, dreifacher Torschütze und zweifacher Vorlagengeber in Wolfsburg. Der Stürmer stand im vorläufigen Aufgebot, wurde dann jedoch gestrichen. Luuk de Jong, Torjäger aus Rotterdam, von 2012 bis 2014 in Gladbach, erhielt den Vorzug. Koemans Argumentation in Sachen Weghorst: „Ich finde, andere sind besser.“ Ein Satz, den er auch im Fall Klaassen hätte sagen können.
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Letztes Länderspiel im Oktober 2017
Etwas mehr als vier Jahre ist es her, dass Davy Klaassen in der „Elftal“ debütierte. Der damalige Bondscoach Louis van Gaal machte ihn mit 21 Jahren zum Nationalspieler. Dem Debüt gegen Frankreich (0:2) folgte ein Jahr Leerlauf, bei der WM 2014 – die Niederlande belegten Platz drei – gehörte Klaassen nicht zum Kader.
Später wurde er zwar nominiert, aber nicht eingesetzt. Erst ab dem Frühjahr 2015 spielte er wieder, wurde jedoch immer wieder von Verletzungen ausgebremst. Den Großteil seiner 16 Länderspiele absolvierte Klaassen in der Qualifikationsrunde zur WM 2018. Die Niederlande scheiterte – und mit ihr auch der jetzige Bremer. Nach Abschluss der Qualifikation im Oktober 2017 wurde Klaassen nicht mehr zur Nationalmannschaft eingeladen.