Werders Nummer zwei spricht über seine Ziele

Kapino: „Ich kann hier die Nummer eins werden“

Stefanos Kapino bei seiner offiziellen Vorstellung in Bremen.
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Stefanos Kapino bei seiner offiziellen Vorstellung in Bremen.

Bremen - Der Mann ist höflich, sehr höflich sogar. Stefanos Kapino begrüßt bei seiner offiziellen Vorstellung im Weserstadion jeden, den er begegnet, mit Handschlag und einem freundlichen Lächeln.

Der 24-jährige ist glücklich, bei Werder zu sein. Dabei kommt er nur als Nummer zwei, doch das ist kein Problem für ihn. Kapino nimmt die Rolle überzeugend an, gibt sich dabei aber auch selbstbewusst: „Ich denke, ich kann hier in Zukunft die Nummer eins werden.“ Das ist keine Kampfansage. Kapino weiß sehr wohl, dass Jiri Pavlenka einen großen Vorsprung hat. Er lobt den Kollegen ausdrücklich. Dessen Leistungen in vergangenen Saison wären großartig gewesen. Und der erste Kontakt mit Pavlenka beim gemeinsamen Training habe ihm ebenfalls gefallen. „Wir haben gut kommuniziert“, berichtet Kapino. Ohnehin fühlt er sich bei Werder ziemlich willkommen.

Das sagt freilich jeder Neuzugang, bei Kapino hat das aber noch eine spezielle Note. Denn zuletzt war es für ihn nicht überall so angenehm gewesen – vor allem nicht bei Olympiakos Piräus. „Ich musste im Winter weg, es ging nicht anders“, erzählt Kapino. Einzelheiten will er nicht verraten. Es heißt, er sei nach einem Patzer in der Qualifikation der Champions League bei den Fans in Ungnade gefallen. Die standen ihm ohnehin ziemlich skeptisch gegenüber, weil er mal für den verhassten Lokalrivalen Panathinaikos Athen gespielt hat.

Keeper Kapinos „musste“ zu Nottingham Forest

Kapino ging zum englischen Zweitligisten Nottingham Forest – offenbar nicht ganz freiwillig. „Ich musste dahin.“ Zur Erklärung: Piräus und Nottingham haben denselben Besitzer. Auch darüber will Kapino nicht sprechen.

Aber er erklärt damit indirekt, warum er nach nur ein paar Monaten in Nottingham schon wieder an einen Wechsel dachte. Da kam das Angebot von Werder natürlich ziemlich gelegen. Es hätte auch andere Offerten gegeben, durchaus auch mit der Option dort die Nummer eins zu werden. Aber das seien eher kleinere Clubs gewesen. „Und Werder ist Werder“, sagt Kapino und lächelt zufrieden. Diese Gelegenheit, zurück in eine europäische Topliga zu wechseln und dann auch noch zu einem Traditionsverein, wollte er sich nicht entgehen lassen.

Vor vier Jahren hatte er es schon einmal versucht – beim FSV Mainz. „Da war ich noch sehr jung“, erinnert sich Kapino. Er verlor das Torwart-Duell mit Loris Karius und saß nur auf der Bank. Damals hätte er die Rolle nicht ganz so gut angenommen, aufgrund seines Alters wäre er doch etwas ungeduldig gewesen. Das ist jetzt anders. „Ich bin sehr erfahren“, betont Kapino: „Ich habe viel erlebt.“ Und er weiß, worauf es jetzt für ihn ankommt: „Ich muss ganz hart arbeiten, um zu zeigen, dass ich bereit bin, wenn ich gebraucht werde.“

Seine Stärken seien vor allem die Schnelligkeit auf der Linie – und er profitiere von seiner Größe. 1,96 Meter misst er, genauso viel wie Kollege Pavlenka. Genauso wie der Tscheche ist auch er Nationalspieler – und das sogar schon wesentlich länger. Denn bereits mit 17 Jahren feierte Kapino sein Debüt, war sogar bei der WM 2014 dabei. Aber insgesamt wurde er nur neun Mal eingesetzt. So ganz ist Kapino, der Gianluigi Buffon, Edwin van der Sar und Manuel Neuer als seine Vorbilder bezeichnet, nie über den Status des großen Talents hinausgekommen.

Transfer ging nicht so schnell über die Bühne

„Es gab Aufs und Abs. In Griechenland läuft nicht immer alles normal ab. Manchmal war es meine Schuld, mal lag es an anderen. Aber ich bin erst 24, ich habe noch Zeit“, sagt er. Ein bisschen drängt die Zeit allerdings schon, will er noch eine große Karriere machen. Angeblich soll er deshalb auch mitgeholfen haben, um den Transfer zu ermöglichen. „Es war schwierig“, gesteht er. Es sei um finanzielle Dinge gegangen. Es heißt, Kapino hätte auf Zahlungen verzichtet, um nach Bremen zu kommen. „Nein, nein“, widerspricht er: „Alles ist in Ordnung.“

Er möchte nicht nachkarten, schließlich hat er sein Ziel erreicht. Noch lebt er im Hotel, nach der Vorbereitung soll dann auch seine Freundin nach Bremen kommen – möglichst in eine gemeinsame Wohnung. Kapino will länger in Bremen bleiben. Und wer weiß, vielleicht wird er der Nachfolger von Pavlenka. Dessen Vertrag läuft zwar noch zwei Jahre, aber nach seiner starken Saison ist der Tscheche in Europa kein Unbekannter mehr. Ein Wechsel in diesem Sommer ist kein Thema, aber das könnte sich in einem Jahr ändern. Das wäre Kapinos Chance. Sein Vertrag soll bis 2020 datiert sein – plus Option auf eine weitere Spielzeit.

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