0:1-Niederlage im Abstiegskampf
Taktik-Analyse: Werder findet keine Lösung gegen kompakte Freiburger
Von Tobias Escher. Werder zeigt sich nach dem 0:1 gegen Freiburg genervt vom Schiedsrichter. Aber auch die eigene Leistung bewerten Spieler und Trainer kritisch. Fast keine Chancen spielte sich Bremen gegen ultradefensive Freiburger heraus. Die Taktik-Analyse.
Fußballfeld ist gleich Fußballfeld. Müsste man meinen. In der Tat sind die Regularien für Fußballplätze in der Bundesliga recht ungenau. Manche Felder sind größer, andere Felder kleiner. Der kleinste Bundesliga-Platz steht in Freiburg: Das enge Stadion sorgt dafür, dass die Breite des Feldes geringer ist, als die Uefa eigentlich vorschreibt. Diese Enge bekam Bremen bei der 0:1-Niederlage am Samstagnachmittag zu spüren.
Kompakte Defensive gegen kompakte Defensive
Florian Kohfeldt ging gegen Freiburg keine taktischen Experimente ein. Er schickte seine Elf im bekannten 4-3-3-System auf den Rasen. Gegen den Ball zogen sich die beiden Außenstürmer zurück, Thomas Delaney rückte vor auf die Höhe von Stürmer Max Kruse. Bremen verteidigte somit im 4-4-2 mit zwei kompakten Viererketten.
Auch Freiburg agierte gegen den Ball in einem kompakten 4-4-2. Bei Ballbesitz änderten sie ihre Formation jedoch nicht wie Bremen, sondern agierten weiterhin in einem 4-4-2 mit zwei echten Stürmern. Diese ließen sich abwechselnd zwischen die Bremer Linien fallen, bekamen aber nur wenig Zuspiele.
Mit diesen ähnlichen Formationen neutralisierten sich beide Teams über weite Strecken der ersten Halbzeit. Bremen ging abwartend in die Partie, lief Freiburg nicht früh an. Diese hatten die Kontrolle über das Spiel, kamen aber nicht vorbei an den eng stehenden Viererketten der Bremer.
Nils Petersens Führungstreffer per Elfmeter (24.) löste dieses Patt auf. Nun waren es die Freiburger, die sich etwas weiter zurückziehen konnten. Sie bauten ihr enges 4-4-2 in der eigenen Hälfte auf. Auch die beiden Stürmer agierten weit zurückgezogen, sodass Freiburg praktisch durchgehend zehn Spieler hinter dem Ball hatte.
Bremen mit Problemen im Ballbesitzspiel
Die restliche Spielzeit war geprägt von den Bremer Versuchen, das enge Konstrukt der Freiburger zu knacken. Zuletzt hatte Bremen unter Kohfeldt in dieser Disziplin Fortschritte gemacht. Auch gegen Freiburg bewies Bremen Geduld im Ballbesitzspiel: Philipp Bargfrede ließ sich zu den Innenverteidigern fallen, schuf gegen den Freiburger Doppelsturm somit eine Drei-gegen-Zwei-Überzahl im Spielaufbau. Bremen konnte den Ball gut von einer Seite zur anderen laufen lassen.
Diese Seitenwechsel sind in Freiburg allerdings weniger effektiv als in anderen Bundesliga-Stadien. Aufgrund des engen Platzes fällt es schwer, Freiburg auseinanderzuziehen. Diese können auf Flügelwechsel relativ gut reagieren, indem sie zum Ball verschieben. Diese Erfahrung machte auch Bremen. Werders Versuch, das Spiel auf rechts zu eröffnen und zum dribbelstarken Linksaußen Florian Kainz zu verlagern, funktionierte nicht. Diesen Trick hatte Werder beim 3:1 gegen den VfL Wolfsburg erfolgreich angewandt.
Kruse fehlt vor dem Tor
Werder hatte zudem mit einem Problem zu kämpfen, das sie bereits seit einigen Spieltagen plagt: Max Kruses Rolle. Dass er sich häufig zurückfallen lässt, entlastet den Spielaufbau enorm. Seine Präsenz und seine punktgenauen Pässe auf die Flügel helfen dem Bremer Spiel. Allerdings waren diese Pässe auf die Flügel im engen Freiburger Stadion weniger effektiv als sonst. Es kam eher die negative Seite des ständigen Zurückfallens zum Tragen: Kruse fehlte als Fixpunkt und möglicher Torjäger im letzten Drittel.
Werder verliert 0:1 beim SC Freiburg




Bremen fehlt neben Kruse auch ein weiterer Angreifer, der sich zwischen den gegnerischen Ketten anbietet. Ein Spielertyp, der sich nach Pässen in den Zwischenlinienraum mit dem Ball am Fuß sofort dreht und Richtung Tor startet. Dies wäre die einzige Möglichkeit gewesen, Freiburgs enge Ketten zu knacken. Deren Doppelsechs agiert nämlich häufig zu aggressiv und lässt sich aus dem Mittelfeld locken. Bremen bespielte die entstehenden Lücken praktisch gar nicht.
Äußerst positiv hingegen war das Bremer Verhalten nach Ballverlusten. Die Achter Thomas Delaney und Maximilian Eggestein deckten viel Raum ab, waren somit nach Ballverlusten sofort aggressiv am Gegner. Bremen kehrte nach Ballverlusten schnell zurück in eine kompakte 4-4-2-Ordnung. Werder spielte sich offensiv zwar praktisch keine Chancen heraus; sie erstickten aber auch jeglichen Freiburger Konterversuch und blieben damit im Spiel.
Auch Wechsel bringen nur wenig Offensivgefahr
In der zweiten Halbzeit reagierte Kohfeldt. Er brachte mit Ishak Belfodil (64., für Maximilian Eggestein) einen weiteren Stürmer. Bremen agierte jetzt durchgehend in einem 4-4-2, wobei auch Aron Johannsson von rechts durchgehend ins Zentrum rückte. Doch auch die zahlreicher werdenden Flanken brachten keine Torgefahr. Die einzigen echten Torchancen gab es nach Ecken. Auch Dribbler Milot Rashica (74., für den verletzten Johannsson) entfachte als neuer Rechtsaußen keine Gefahr.
Bremen muss sich nach neunzig Minuten nicht über den Schiedsrichter ärgern, der in mehreren Situationen gegen Bremen entschied. Ihre eigene Offensivleistung genügte nicht, um die engen Freiburger Ketten zu knacken. An diesem Punkt muss Bremen vor dem Derby ansetzen, denn auch der Hamburger SV wird nicht wesentlich offensiver agieren als der SC Freiburg.
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