DeichStube-Kommentar
Kommentar zum Abgang von Werder-Stürmer Niclas Füllkrug: Schmerzhafter Glücksfall
Ein Kommentar von Malte Bürger. Die Hängepartie hat ein Ende. Endlich, möchte man fast sagen. Schließlich begleitet die Personalie Niclas Füllkrug schon seit Monaten den Werder-Alltag. Nun wechselt der Torjäger zu Borussia Dortmund. Ein Verlust, der für Werder Bremen kaum aufzufangen ist. Denn Füllkrugs Abgang ist auf vielen Ebenen schmerzhaft – und dennoch absolut nachvollziehbar.
Am Osterdeich müssen sie künftig ohne einen Profi auskommen, der zuletzt maßgeblich an Bremer Erfolgserlebnissen beteiligt war. Mit seinen Toren avancierte er zur personifizierten Lebensversicherung eines Clubs, der viel Leid ertragen hat. Doch auch abseits des Platzes wuchs Niclas Füllkrug zu einer Leitfigur heran, einem Fan-Liebling, der intern und auch öffentlich mal klare Worte wählte. Und er ließ nie einen Zweifel daran, wie wichtig ihm Werder und Bremen sind.
Dass Niclas Füllkrug trotzdem geht, ist kein Grund zum Zürnen. Sondern zum Applaudieren. Nach schweren Knieverletzungen lag Füllkrugs Karriere quasi in Scherben, doch er hat sich zurückgekämpft. Weil Werder und er so gut zusammenpassten, sich gegenseitig bereicherten. Nun bereichert er den Verein ein letztes Mal – mit einer Ablösesumme, die weit über jenem Betrag liegt, der einst, von etlichen kritischen Stimmen begleitet, für ihn selbst ausgegeben wurde.
Kommentar zu Niclas Füllkrugs BVB-Wechsel: Werder Bremen wird sich daran messen lassen müssen, ob es den Verlust auffangen kann
Allerdings: Ursprünglich hatte Werder Bremen für den jetzigen Verkauf einen Preis von 20 Millionen Euro anvisiert, nun sollen es noch deren 14 plus mögliche Bonuszahlungen sein. Zweifelsfrei ein gutes Sümmchen, aber der Verdacht bleibt, dass mehr möglich gewesen wäre. Für den 30-Jährigen stellt der BVB indes genau die attraktive Adresse dar, die er sich so sehr gewünscht hat. Sie ist sportlich hochwertig, finanziell äußerst befriedigend und zugleich nicht allzu weit vom familiären Umfeld in der Heimat entfernt. Unter dem Strich also ein echter Glücksfall für beide Seiten also, so weh es auch tut.
Dass Füllkrug beim BVB nicht direkt erste Wahl sein könnte, kommt ihm im Grunde sogar zugute. Die Dortmunder sind in drei Wettbewerben unterwegs, entsprechend hoch ist die Belastung. Mit solch einem Pensum hat der Nationalstürmer noch nie Erfahrungen gemacht. Da kann eine kurze Auszeit auf der Bank vielleicht gar nicht schaden. Wenn er sie denn wirklich braucht. Niclas Füllkrug hat schließlich schon mehrfach bewiesen, dass er Widerstände bezwingen kann. Die Gefahr ist, dass Werder Bremen genau diese Eigenschaft künftig fehlt. Die Verantwortlichen samt Mannschaft werden sich nun daran messen lassen müssen, ob sie den Verlust auffangen können.