Werder geht mit 0:5 unter
„Keine Panik, aber erhöhte Wachsamkeit“: Werder-Trainer Ole Werner ruft nach Klatsche bei Bayer Leverkusen den Abstiegskampf aus
Der SV Werder Bremen hat gegen Bayer Leverkusen deutlich und bitter verloren. Trainer Ole Werner ruft fünf Spieltage vor Ende den Abstiegskampf aus. Der Nachbericht zum Auswärtsspiel.
Leverkusen – Im Grunde waren es bereits die Einlaufkinder, die den Ton des Abends in der BayArena setzten – indem sie das Stadion mächtig zum Kochen brachten. Das Spiel zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem SV Werder Bremen hatte am frühen Sonntagabend noch nicht mal begonnen, da stellten sich die Jungen und Mädchen vor der Leverkusener Nordtribüne auf und starteten eine Laola-Welle – fast so, als wollten sie klarmachen: Hier geht heute nichts mehr schief. Ging es dann ja auch nicht. Dank eines souveränen 5:0 (1:0)-Erfolgs machte die Werkself die erste Deutsche Meisterschaft ihrer Vereinsgeschichte perfekt, was im Nachgang all die altbekannten und doch ewig jungen Jubelbilder produzierte. Den Platz stürmende Fans, vor Freude weinende Spieler, Bierduschen, Selfies. Und irgendwo dazwischen: Mehr als bedröppelte Bremer, die zusahen, dass sie schnell wegkommen. Schließlich stellt ihre Realität nach dem 29. Spieltag das krasse Gegenteil der Leverkusener Ekstase dar. Sie lautet: Abstiegskampf.
„Wenn du fünf Spieltage vor Schluss nur fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hast, dann geht es natürlich nur darum, die Punkte zu holen, die du brauchst, um in der Liga zu bleiben“, sagte ein zerknirschter Werder-Trainer Ole Werner, dessen Mannschaft am Wochenende reichlich Boden gegenüber der Konkurrenz verloren hat. Wegen des Mainzer 4:1-Erfolgs über die TSG Hoffenheim und der eigenen Niederlage in Leverkusen ist das Bremer Polster hin zur bedrohlichen Tabellenregion von ehemals acht auf fünf Zähler geschmolzen. Zur Erinnerung: Mitte März hatte es noch satte elf Punkte betragen. Bei nicht wenigen, die es mit dem SV Werder Bremen halten, dürften da mehr als unschöne Erinnerungen an die Abstiegssaison vor drei Jahren wach werden, als der Verein in der Rückrunde unter Coach Florian Kohfeldt ebenfalls schon gerettet schien – und dann noch bitterböse abstürzte.
Werder Bremens Ole Werner: „Es wird sicherlich eine spannende Schlussphase der Saison“
Angesprochen auf die bedrohliche Parallele sagte Ole Werner: „Das ist etwas, was man schwer vergleichen kann. Ich kann nur wenig dazu sagen, denn ich war damals nicht dabei und viele unserer Spieler auch nicht.“ Als großes Relativieren der Tabellensituation wollte der 35-Jährige diese Sätze aber nicht verstanden wissen, denn er betonte ebenso: „Es gibt keinen Grund zur Panik, allerdings zu erhöhter Wachsamkeit. Unser Vorsprung ist gering, es wird sicherlich eine spannende Schlussphase der Saison.“
Ein Blick auf das anspruchsvolle Bremer Restprogramm an den verbleibenden fünf Spieltagen unterstreicht diese Einschätzung ziemlich deutlich. VfB Stuttgart, FC Augsburg, Borussia Mönchengladbach, RB Leipzig und VfL Bochum heißen die Gegner, gegen die die nötigen Zähler eingefahren werden sollen. Nach nunmehr sieben sieglosen Partien am Stück (zwei Unentschieden, fünf Niederlagen) bleibt Werder Bremen vorerst nicht viel mehr, als sich an den zarten Ansätzen festzuklammern, die die Mannschaft in der BayArena während des ersten Durchgangs gezeigt hatte.
Werder Bremen hadert mit der Deutlichkeit der Pleite gegen Bayer Leverkusen
Entschlossen in den Zweikämpfen und durchaus mutig auf dem Weg nach vorne – so hatten sich die Gäste zunächst präsentiert. Leverkusen gab zwar zu jedem Zeitpunkt wie erwartet den Ton an, war spielbestimmend und das klar bessere Team. Bremer Nadelstiche beschäftigten die Werkself hier und da aber doch. „Wir haben 55 Minuten lang ein gutes Spiel bei einer der besten Mannschaften Europas gemacht“, sagte Werder Bremens Stürmer Marvin Ducksch, dessen Team durch einen verwandelten Foulelfmeter von Victor Boniface in Rückstand geraten war (25.) – und im späteren Spielverlauf dann auseinanderfiel. Granit Xhaka (60.) und der überragende Joker Florian Wirtz per Hattrick (68./83./90.) ließen die BayArena beben.
„Die Abstände sind größer geworden. Wir haben es nicht mehr geschafft, in unsere Positionen zu kommen. Leverkusen hat auch noch einmal richtig Tempo nachgelegt“, sagte Ole Werner – und hielt fest: „Bis zum 0:3 ist das trotzdem alles noch in Ordnung gewesen, aber die letzten beiden Tore dürfen so einfach nicht fallen. Da sind wir zu naiv, und das darf uns nicht passieren.“ Was Werner damit meinte: Werder Bremens Hintermannschaft hatte sich in der Schlussphase noch in (letztlich erfolglose) Offensivaktionen mit eingeschaltet und hinten große Lücken gelassen.
Werder Bremen hofft, dass gegen den VfB Stuttgart einige Leistungsträger zurückkehren
Vor dem kommenden Heimspiel gegen ebenfalls enorm formstarke Stuttgarter (Sonntag, 15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) hofft Werder Bremen nun darauf, dass sich das Lazarett vielleicht etwas lichtet. Zumindest bei Justin Njinmah, der seine Sprunggelenks-OP offenbar sehr gut verkraftet hat, besteht laut Werner die Chance, dass er wieder zur Verfügung steht. Zudem haben Kapitän Marco Friedl und Anthony Jung ihre Sperren abgesessen und werden in die Startelf zurückkehren.
„Zwei wichtige Spieler kommen zurück, das wird uns guttun“, sagte Marvin Ducksch. Kurz zuvor hatte er die aktuelle Personallage als „sehr anstrengend“ beschrieben und erklärt: „Man sieht, dass wir es nicht in jedem Spiel kompensieren können.“ Schon gar nicht gegen die Über-Mannschaft der Saison, gegen den neuen Deutschen Meister Bayer 04 Leverkusen. Bei dem selbst die Einlaufkinder ein ganzes Stadion begeistern können. (dco)