2:4-Pleite beim Aufsteiger

Hilflos in Heidenheim – der Rückschritt von Werder Bremen

Lange Gesichter nach der enttäuschenden 2:4-Niederlage des SV Werder Bremen beim 1. FC Heidenheim.
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Lange Gesichter nach der enttäuschenden 2:4-Niederlage des SV Werder Bremen beim 1. FC Heidenheim.

Wieder Abwehrsorgen, ein blutleerer Auftritt und ein hartes Urteil von Trainer Ole Werner: Der SV Werder Bremen hat gegen den 1. FC Heidenheim auf ganzer Linie enttäuscht und zurecht mit 2:4 verloren. Doch wie werden die Probleme jetzt angegangen? Der Nachbericht der DeichStube.

Heidenheim/Bremen – Ole Werner stand die Enttäuschung im Medienraum der Voith-Arena ins Gesicht geschrieben, er wirkte ziemlich geschafft von dieser 2:4-Klatsche seines SV Werder Bremen beim 1. FC Heidenheim. Und der Coach wollte auch nichts schönreden und fällte nach drei Niederlagen und nur einem Sieg aus den ersten vier Bundesligaspielen ein hartes Urteil: „Unterm Strich haben wir die Punkte, die uns von der Leistung her zustehen. Insofern haben wir eine ganze Menge Arbeit vor uns, eine ganze Menge Entwicklungsarbeit.“ Was nach einer langen Sommer-Vorbereitung schon paradox klingt. „Das ist aber nichts, was großartig überraschend ist“, hielt Werner dagegen und verwies auf die späten Transfers. Aber das allein taugt nicht als Erklärung für den schwachen, zum Teil sogar blutleeren Auftritt beim Aufsteiger und die seit Jahresbeginn stets wiederkehrenden Probleme in der Defensive. Werder war hilflos in Heidenheim und erlebte nach dem fulminanten Lebenszeichen beim 4:0 gegen Mainz den nächsten Rückschritt.

Die Verantwortlichen des Clubs mögen zwar nicht so gerne zurückschauen, doch der Negativtrend der letzten Monate ist nun mal nicht von der Hand zu weisen. Von den letzten 17 Pflichtspielen haben die Grün-Weißen saisonübergreifend nur zwei gewonnen (Mainz und Hertha), dafür aber zwölf verloren. Das macht etwas mit einer Mannschaft. Das Selbstvertrauen ist nicht das größte, Rückschläge im Spiel schmerzen viel intensiver. Gut zu sehen beim 1. FC Heidenheim, als bei Werder Bremen nach dem frühen 0:1 durch den ärgerlichen Handelfmeter fast gar nichts mehr ging. „Von den Räumen her war das alles in Ordnung, aber nicht von der Durchsetzungsfähigkeit, offensiv wie defensiv. Warum das so war, kann ich so schnell auch nicht beantworten“, zeigte sich Ole Werner etwas ratlos, warum die Umsetzung seines Plans zum wiederholten Male nicht funktioniert hatte. Sein Hinweis, die vorher in der Gegneranalyse ausgemachten Räume seien durchaus zu bespielen gewesen, darf dabei nie fehlen. Das betonen auch die Spieler, nehmen die Schuld lieber auf sich, als möglicherweise öffentlich die eigenen Vorgaben zu kritisieren. „Wir waren nicht griffig und handlungsschnell genug“, monierte Niklas Stark, während Christian Groß kritisierte: „Wir sind von Anfang an nicht dagewesen und haben wenig Bereitschaft gehabt. Es hat an vielen Sachen gefehlt.“

Werder Bremen-Kritik nach Niederlage gegen 1. FC Heidenheim: „Es hat an vielen Sachen gefehlt“

Es ist schon auffällig, wie leicht es die Gegner mitunter haben, Chancen zu kreieren. Dazu passt: In den letzten 17 Pflichtspielen blieb Werder Bremen nur einmal ohne Gegentor. Sicher, dafür waren oft individuelle Fehler verantwortlich, doch die Defensive wirkt insgesamt nicht stabil. Werner hält dennoch an seinem System fest, dabei haben sich die Gegner inzwischen bestens darauf eingestellt. Heidenheims Coach Frank Schmidt berichtete zufrieden, dass sein Team Werder-Leihgabe Eren Dinkci genau so in Szene setzen wollte wie vor dessen Treffer zum 2:0, weil er dann seine Schnelligkeit ausspielen könne. Und damit hat die wahrlich nicht schnelle Bremer Defensive nun einmal große Probleme. In der Dreierkette wurde im Sommer allerdings darauf verzichtet, personell etwas zu verändern. Was freilich wirtschaftliche Gründe hat, aber eben nicht nur.

Denn für einen neuen Sechser war zum Beispiel Geld da. Nur spielt Senne Lynen nicht. Seit seiner Premiere gegen den FC Bayern ist der Belgier außen vor. Von außen betrachtet war es damals ein guter Auftritt von Lynen, intern wurde das anders gesehen, weil sich der neue Mann nicht strikt an die Vorgaben gehalten und damit das Gesamtkonstrukt ins Wanken gebracht habe. Dabei steht das schon lange nicht mehr sicher. Trotzdem hält Werner zumeist an seinen bewährten Kräften fest, Neuzugänge haben es seit jeher schwer bei ihm. Niklas Stark ist da ein gutes Beispiel. Als gestandener Bundesligaspieler brauchte er nach seinem Wechsel von der Hertha zu Werder Bremen vor einem Jahr mehrere Monate, um sich bei Ole Werner zu etablieren.

Nach Werder Bremen-Pleite gegen den 1. FC Heidenheim: Baut Trainer Ole Werner jetzt gegen Köln um?

Bei Naby Keita wäre das wegen seiner unumstrittenen Klasse in diesem Sommer vielleicht anders gewesen. Doch der Transfercoup vom FC Liverpool steht nach seiner Adduktorenverletzung erst jetzt zur Verfügung und muss im laufenden Spielbetrieb integriert werden – genauso wie die späten Neuzugänge Rafael Borré und Olivier Deman, der gegen Heidenheim nach seiner Einwechslung mit der Flanke zum 2:2 auf sich aufmerksam machte. Aber wird das Ole Werner reichen? In der Vergangenheit vertraute er auf der linken Seite dann doch lieber dem erfahrenen Anthony Jung, genauso wie auf der Sechs Christian Groß. Weiterentwicklung ist von dieser Ü30-Fraktion bei allem Engagement jedoch nicht mehr zu erwarten. 

Vorne ist Werner zum Umbau gezwungen, denn Niclas Füllkrug stürmt nun für Borussia Dortmund. Gegen Mainz fiel sein Fehlen nicht auf, gegen Heidenheim schon. Nick Woltemade war zwar extrem bemüht, die Bälle festzumachen, aber er ist eben kein Füllkrug. Immerhin hat Werner mit dieser Personalie mal Mut bewiesen und nicht sofort wieder dem gerade erst genesenen Ducksch vertraut. Nun muss dringend eine gute Kombination im Angriff des SV Werder Bremen gefunden werden. Die Neuzugänge Dawid Kownacki und Rafael Borré konnten dafür in Heidenheim keine Pluspunkte sammeln, Justin Njinmah schon.

Nächste Niederlage beim 1. FC Heidenheim: Werder Bremen ist nicht mehr die Einheit wie nach dem Aufstieg

Noch wichtiger wird aber sein, wer bei Werder Bremen nun Verantwortung auf dem Platz übernimmt, das Team gerade in schwierigen Situationen unterstützt. Mit seiner Halbzeitansprache und seinem Dreifach-Wechsel gegen den 1. FC Heidenheim sorgte Werner zwar für einen positiven Effekt, der aber nach dem Ausgleich schnell wieder verpuffte. Dem Team fehlen die Leader – nach dem Füllkrug-Wechsel herrscht in dieser Hinsicht ein totales Vakuum. Kapitän Marco Friedl ist mit dieser Aufgabe seit Monaten überfordert und musste in Heidenheim schon zur Pause raus. Niklas Stark möchte diese übergeordnete Rolle nicht, anders als Leonardo Bittencourt, der aber aus sportlichen Gründen durchaus nachvollziehbar gerade nicht erste Wahl ist. Das wiederum könnte auch innerhalb der Mannschaft für Spannungen sorgen.

Werder Bremen ist nicht mehr die Einheit wie noch vor einem Jahr nach dem Aufstieg. Es genügte am Sonntag ein Blick zu den Heidenheimern, um zu sehen, wie es anders geht. Die Neulinge der Liga kämpften um jeden Zentimeter, verfolgten strikt den Plan ihres erfahrenen Trainers Frank Schmidt und ließen sich auch vom Ausgleich nicht schocken. Das sorgte am Ende für strahlende Gesichter auf der Schwäbischen Alb, während die Bremer mit gesenkten Köpfen die Heimreise antraten, diese aber nicht in den Sand stecken werden, wie Groß versprach. Teamkollege Stark ging sogar noch einen Schritt weiter: „Wir werden es gegen Köln besser machen!“ Die Domstädter kommen mit nur einem Punkt auf dem Konto an die Weser. Kaum auszudenken, wie groß die Enttäuschung bei Ole Werner und vor allem dem immer ungeduldiger werdenden Umfeld nach einer weiteren Werder-Pleite sein würde. (kni)

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