Stärken und Schwächen
Der Mann für die Umschaltmomente: Werders neuer Stürmer André Silva in der Daten-Analyse
André Silva ist der neue Mittelstürmer bei Werder Bremen. Wie kann der Neuzugang weiterhelfen? Stärken, Schwächen und Spielstil in der Daten-Analyse.
Bremen – Seine fußballerischen Qualitäten hat André Silva in der Bundesliga bereits hinlänglich unter Beweis gestellt. Doch zuletzt lief es für den portugiesischen Stürmer nicht mehr ganz so gut, beim SV Werder Bremen möchte die Leihgabe von RB Leipzig wieder an die Klasse früherer Tage anknüpfen. Doch wo genau liegen seine Stärken und Schwächen? Im Auftrag der DeichStube haben die Datenexperten von CREATEFOOTBALL* den 29-Jährigen genauestens analysiert – das ist ihr Abschlussbericht.
Werder Bremen-Neuzugang André Silva in der Analyse: Wenige Laufangebote, aber hohe Spielintelligenz
Defensivarbeit:
Auch wenn André Silva in seiner Karriere als Mittelstürmer bei mehreren intensiv pressenden Teams unter Vertrag stand (zum Beispiel Eintracht Frankfurt oder RB Leipzig), ist er kein Angreifer, der das gegnerische Aufbauspiel kontinuierlich anläuft. Nur 2,6 Defensivduelle pro 90 Minuten während seiner Zeit in der Bundesliga unterstreichen seine geringe Abwehrintensität. In seiner stärksten Saison in Hessen (2020/21) war seine Arbeit gegen den Ball darauf beschränkt, dem Gegner durch eine clevere Positionierung im Raum die Spielverlagerung zu erschweren, um dann im Falle eines Ballgewinns direkt als Anspielstation bereit zu stehen.
Übergangs- und Umschaltspiel:
In den offensiven Umschaltmomenten liegt eine große Stärke des 29-Jährigen. Während er nur selten mit Tempo in die Tiefe startet, lauert André Silva häufig auf einer Höhe mit der gegnerischen Abwehrkette, um die gegnerischen Verteidiger zu binden und in die Tiefe zu drücken. Seine wenigen Laufangebote passt Silva sehr gut ab, landet nur selten im Abseits. Im Allgemeinen verfügt er über eine hohe Spielintelligenz und ist in der Lage, freie Räume frühzeitig zu erkennen und in diese vorzustoßen, um dort schlussendlich den Ball zu erhalten. Mit dem Ball am Fuß ist Silvas Einfluss auf das Spiel ziemlich beschränkt. Obwohl er beispielsweise bei RB in einer Mannschaft mit viel Ballbesitz spielte, kam er in der Saison 2022/23 (der bis dato letzten als Stammspieler) auf im Ligavergleich für einen Stürmer nur durchschnittliche 24 Pässe und 43 Ballaktionen pro 90 Minuten. In seiner Rolle als Knipser ist Silvas Spielstil hauptsächlich darauf ausgelegt, im letzten Drittel Bälle zu erhalten und in der Box für Gefahr zu sorgen, ohne große Beteiligung beim Übergangsspiel ins letzte Drittel.
Daten-Analyse zu Werder Bremen-Stürmer André Silva: Schwankende Effizienz im Abschluss
Chancenkreation
Technisch ist André Silva stark genug, um nicht nur selbst als Vollstrecker in Erscheinung zu treten, sondern auch Chancen für seine Mitspieler zu kreieren. Mit Ball am Fuß dringt er starke 2,3 Mal pro 90 Minuten in die Assistzone ein. Aus dieser bringt er den Ball dann häufig flach quer vors Tor. In der Qualität seiner Torschussvorlagen konnte er über die letzten Jahre signifikant zulegen und sich zwischen 2021/22 und 2022/23 von 0,7 auf starke 1,2 pro 90 Minuten steigern. Ins Dribbling geht der Neuzugang des SV Werder Bremen derweil allerdings nur selten, dafür fehlt es ihm an der nötigen Geschwindigkeit mit dem Ball am Fuß. Selbst gegen hochstehende Abwehrreihen ist er nur selten in der Lage, hinter die Kette zu gelangen, weshalb er selbst darauf angewiesen ist, den Ball in den Lauf gespielt zu bekommen.
Torabschluss
Als Speerspitze im Sturm ist André Silva der klare Verwerter der Angriffe seiner Teams. Er kommt in seiner gesamten Bundesligazeit auf starke 2,9 Abschlüsse pro 90 Minuten. Was die Positionierung in der Box angeht, ist Silva enorm konstant, denn er schließt nur selten von außerhalb des Strafraums ab. Betrachtet man die gesamte Bundesliga-Karriere des Offensivmanns, so bringt er sogar einen Großteil seiner Abschlüsse aus der goldenen Zone in der Strafraummitte zustande, was sein gutes Gespür für die richtige Positionierung in der Box unterstreicht. Hier bewegt sich Silva auf gutem Bundesliganiveau, dagegen unterliegt seine Abschlusseffizienz starken Schwankungen. Während er in Frankfurt zwei Spielzeiten lang konstante 25 Prozent seiner Torchancen verwertete, konnte er bei RB Leipzig trotz teils besserer Abschlusspositionen nicht mehr an diesen Wert anknüpfen und traf nur noch bei 14 Prozent aller Versuche, in der Saison 2022/23 sogar nur bei sieben Prozent. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass Silva unter Gegnerdruck oft Schwierigkeiten hat, sich körperlich zu behaupten, und somit auf engem Raum den Ball nicht immer kontrolliert aufs Tor bringen kann.
Daten-Analyse: André Silva kann eine klare Aufwertung bei Werder Bremen sein - Stürmer kann vom Stil der Kollegen profitieren
Fazit
André Silva kann ein echter Torjäger sein, seine Leipziger Zeit war aber auch von einer großen Unterperformance vor dem gegnerischen Gehäuse gekennzeichnet. Die Umstellung auf den körperlich intensiven Tempofußball von RB gelang ihm nie vollends, dafür fehlt es Silva an Körperlichkeit und Geschwindigkeit. Die großen Qualitäten des Portugiesen liegen im Erkennen von Räumen hinter der Abwehrkette und in offensiven Umschaltmomenten. Durch geschickte Bewegungen bringt sich der Neuzugang des SV Werder Bremen in vielversprechende Schusspositionen, doch er ist auch ein sensibler Stürmertyp, der darauf angewiesen ist, Zuspiele seiner Teamkollegen zu erhalten, da er nur selten Chancen selbst kreiert.
Werder fehlte es in der bisherigen Saison an einem klaren und zuverlässigen Sturmpartner an der Seite von Marvin Ducksch. Als solcher stellt der 29-jährige Ex-Nationalspieler eine klare Aufwertung zu Oliver Burke, Marco Grüll oder Justin Njinmah dar. In André Silva erhält Werder Bremen einen spielintelligenten Stürmer mit Abschlussqualitäten, der in der Lage ist, die gegnerischen Innenverteidiger kontinuierlich zu binden. Im Spiel gegen den Ball kommt es ihm entgegen, dass er mit Ducksch künftig einen Nebenmann besitzen wird, der eroberte Bälle für ihn in den freien Raum weiterleiten kann. Hinzu kommt, dass kein Team der Liga mehr Offensivläufe anbietet als Werder und darüber hinaus dank Romano Schmid und Mitchell Weiser auch starke 37 Prozent aller Vertikalläufe bedient. Hiervon wird Silva mit seiner Stärke in Umschaltmomenten und dem guten Timing seiner Läufe sicherlich profitieren können. (mbü)
*Die CREATEFOOTBALL GmbH ist eine Fußball-Consultancy, die national wie international Profivereine, Berateragenturen sowie Medienanstalten in den Themenfeldern Datenscouting und -analyse berät.
