Andreas Herzog in der DeichStube
16 Pleiten gegen Bayern - „das ist verheerend“!
Von Andreas Herzog. Es gibt eine Zahl, die mich ehrlich erschreckt. Aber es ist nicht die „Null“, die bei Werder Bremen nach zwei Spieltagen der neuen Saison sowohl bei den Punkten als auch bei den Toren steht.
Nein, es ist die „16“, die die Länge der Niederlagenserie der Bremer gegen Bayern München markiert. 16 Pflichtspiel-Pleiten in Folge – das ist schon verheerend. Daran sieht man auch, wie groß der Unterschied zwischen beiden Teams mittlerweile ist.
Diese Serie war sicherlich auch der Grund, weshalb die Bremer Mannschaft das Spiel am Samstag gegen die Bayern so defensiv angegangen ist. Einerseits ist es ja logisch, dass du gegen die Münchner gut verteidigen musst, wenn du nicht unter die Räder geraten willst. Ich verstehe auch, dass in den Bremer Hinterköpfen noch die Packungen der Vergangenheit gegen den Meister gesteckt haben. Aber dennoch hätte ich erwartet, dass das Team nach vorne mehr riskiert – gerade in einem Heimspiel mit dem Bremer Publikum im Rücken.
Werder hätte aus dem Bayern-Spiel mehr mitnehmen können
Auch gegen die Bayern musst du immer wieder den Weg nach vorne suchen, um sie vor Probleme zu stellen. Das ist den Bremern aber nur ganz, ganz selten gelungen. Sich fast nur zurückzuziehen und zuzuschauen, wie die anderen spielen und kombinieren, das ist für ein Heimspiel einfach zu wenig. Schade, denn Werder hätte aus diesem Duell – Niederlage hin oder her – mehr mitnehmen können.
Was? Ich erkläre es mal so: Wenn du gegen Bayern München gute Aktionen nach vorne hast, kannst du auch bei einem 1:3 oder 1:4 immer noch sagen: ,Wir haben die Qualität der Bayern hinnehmen müssen, aber wir haben unser Spiel gespielt.‘ Meine Philosophie ist: Ich kassiere gegen einen übermächtigen Gegner lieber vier Gegentore und habe trotzdem mein Spiel durchgezogen, als dass ich mich vor dem Gegner verstecke und trotzdem verliere. Ich spreche nicht davon, gegen Bayern München nur nach vorne zu rennen, das wäre Harakiri. Aber mutig die eigene Chance zu suchen, das hat mir ein bisschen gefehlt.
„Ich traue dem Team wieder eine Siegesserie zu“
Ich gebe zu: Ich denke da manchmal vielleicht zu offensiv. Doch ich bin halt als Trainer so, wie ich auch als Spieler war. Hinten reinstellen und vorne auf ein Wunder hoffen, ist nicht meine Sache. Ich weiß aber: Grundsätzlich kann Werder es besser und wird das in den kommenden Spielen sicher auch zeigen.
Der Start mit der Doppelnull ist deshalb kein Grund, die Nerven zu verlieren. Ich vertraue da auf Trainer Alexander Nouri, der in der vergangenen Saison schon gezeigt hat, dass er eine Situation wie die aktuelle meistern kann. Ich erinnere nur an den Jahresbeginn, als Werder vier Niederlagen am Stück kassiert hatte. Ich dachte: ,Ui, jetzt wird es extrem schwer.‘ Dann hat Nouri die Situation mit der Mannschaft aber total gedreht und eine Siegesserie gestartet. Das traue ich dem Team jetzt auch wieder zu.
Andreas Herzog: Der Österreicher (103 Länderspiele) bestritt zwischen 1992 und 1995 sowie von 1996 bis 2001 236 Bundesliga-Partien für Werder Bremen. Die grün-weiße Pause legte er in der Saison 1995/96 bei Bayern München ein und gewann in dem Jahr den Uefa-Pokal. Mit Werder wurde der Mittelfeldspieler Meister 1993 sowie DFB-Pokalsieger 1994 und 1999. Der 48-Jährige arbeitete zuletzt unter Jürgen Klinsmann als Co-Trainer der US-Nationalmannschaft.
