Aufsteiger Kohfeldt gefällt seine Ämterhäufung
Der neue Chefcoach erklärt seinen Plan mit Werder
Bremen - Er war Keeper der dritten Mannschaft, Co-Trainer und Coach diverser Nachwuchsmannschaften inklusive der U23, zwischendurch Co-Trainer der Profis, jetzt ist er auch ganz offiziell Chefcoach des SV Werder Bremen.
Florian Kohfeldt hat es von recht weit unten nach ganz weit oben im Club geschafft. „Eine ganz schöne Ämterhäufung“, scherzt der 35-Jährige im Club-TV, fügt dann aber ziemlich ernst an: „Diese Ämterhäufung kann für Werder ein Vorteil sein. Ich durfte viele verschiedene Perspektiven einnehmen. Diesen Blickwinkel will ich mir bewahren.“
Kohfeldt über Freiburg: „Es wird ein Fight“
Ganz offensichtlich möchte Kohfeldt den Verein wieder etwas mehr einen. Seine Vorgänger Viktor Skripnik und Alexander Nouri hatten trotz einer ähnlichen Vorgeschichte im Club schnell den Kontakt zur Basis verloren und damit durchaus für Unmut gesorgt. Ob es bei Kohfeldt dauerhaft anders laufen wird, muss sich zeigen.
„Mir ist durchaus bewusst, welch exponierte Position das jetzt ist. Welche Verantwortung dahinter steht“, betont Kohfeldt. Es ist eine Spur von Demut, aber auch nicht mehr. Kohfeldt bleibt seiner durchaus selbstbewussten Linie treu, mit klaren Versprechen. Nach der Vorbereitung „gehen wir in die Rückrunde, schaffen da den Klassenerhalt und schauen mal, was im Pokal noch geht.“ Wer nun moniert, ein Weiterkommen am Mittwoch im Pokal-Achtelfinale gegen den SC Freiburg (18.30 Uhr) sei da nur indirekt angesprochen, dem kann mit dieser Kohfeldt-Aussage geholfen werden: „Es wird ein Fight, und dann schauen wir mal, wen wir in der nächsten Runde kriegen.“
Trainerfindung wird in Vereinsgeschichte eingehen
Kohfeldt garniert das gerne mit einem charmanten Lächeln. Im Club-TV ist das in jedem Fall überzeugend, dort muss er keine echten Nachfragen befürchten. Die hätte es vielleicht am Montag bei der offiziellen Pressekonferenz zum Pokalspiel geben können, doch da beharrte Sportchef Frank Baumann noch auf seinen Plan, sich erst nach der Partie gegen Freiburg mit einer Entscheidung zu beschäftigen. Wenige Stunden später deckte dann eine zu früh veröffentlichte Mitteilung auf, dass Werder Kohfeldt schon vor dem Pokalspiel als Dauerlösung präsentieren wollte.
Nicht nur dadurch wird diese Trainerfindung in die Vereinsgeschichte eingehen. Schließlich musste Kohfeldt schon mit einer anderen unglücklichen Geschichte leben. Baumann hatte Mitte November bei einer ersten Entscheidung pro Kohfeldt gestanden, dass es durchaus bessere Kandidaten gegeben hätte. Im Zusammenspiel mit der Tatsache, dass dem jungen Trainer vorerst nur bis zur Winterpause vertraut wurde, wirkte das alles wenig überzeugend.
Kohfeldt steckte es weg, er ging seinen Weg, holte in sieben Partien zehn Punkte. Das ist nicht überragend, aber nach zuvor fünf Zählern aus zehn Spielen absolut okay. Und immerhin überwintert die Mannschaft nicht auf einem direkten Abstiegsplatz, sondern auf dem Relegationsrang. Der soll in der Rückrunde schnell verlassen werden. Kohfeldt setzt dabei vor allem auf das Trainingslager in der Nähe von Alicante vom 1. bis 8. Januar. „Wir wollen am offensiven Positionsspiel arbeiten, am Herausspielen von Torchancen aus dem geordneten Spiel heraus, und wir wollen unsere Stärke im Umschalten beibehalten und systematisieren.“ Bei der Defensivarbeit gehe es vor allem um „den Moment nach Ballverlust“.
Wenn Kohfeldt so fachspezifisch spricht, dann ist ein Leuchten in seinen Augen nicht zu übersehen. Dann ist er in seinem Element. Und er ist stets darauf bedacht, sich nicht zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen, sondern alle Beteiligten mitzunehmen. „Ich freue mich sehr darauf, das mit den Jungs zu erarbeiten. Ich habe eine sehr, sehr wissbegierige und aufnahmefähige Mannschaft.“ Nicht nur das stimmt ihn zuversichtlich. Auch das Vertrauen in den Verein, sein Trainerteam und die Mitarbeiter sei sehr groß: „Ich bin sehr optimistisch, dass wir diese Aufgabe gut bewältigen werden.“
Auch Kohfeldt gönnt sich ein bisschen Weihnachten
Nach Informationen der DeichStube bleiben Tim Borowski und Thomas Horsch die Co-Trainer, Christian Vander kümmert sich weiter um die Torhüter, Günter Stoxreiter um die Fitness. Offiziell gibt es dazu nichts. Ob er sich personelle Veränderungen für den Kader wünscht, wird Kohfeldt vom Club-TV auch nicht gefragt. Immerhin kommt heraus, dass Ole Käuper ab sofort zum Profikader gehört. Der 20-Jährige hatte unlängst in Leverkusen sein Bundesliga-Debüt gefeiert.
Apropos Feier! Auch Kohfeldt gönnt sich ein bisschen Weihnachten. „Es ist wichtig, mal den Kopf freizubekommen, sich auch mal mit Leuten zu unterhalten, die nicht jeden Tag ins Weserstadion gehen“, erklärt der Coach. Urlaub hat er nicht geplant, er bleibt mit seiner Familie in Bremen. Schließlich geht es schon am 1. Januar wieder los mit seiner ersten Vorbereitung als Cheftrainer einer Bundesliga-Mannschaft – und das nur acht Jahre nach seiner Zeit als Torwart in der dritten Mannschaft von Werder in der Bremen-Liga.
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