„Seht den Menschen hinter dem Fußball-Profi“
Bauers Bitte an Fans und Medien
Bremen. Per Mertesacker hat ihn zum großen Thema im Fußball gemacht: Den Druck, der auf Fußball-Profis lastet.
Nach dem Ex-Bremer äußert sich nun auch ein aktueller Werder-Spieler sehr ausführlich dazu – und Robert Bauer formuliert dabei im Interview mit dem „kicker“ eine große Bitte an die Fans und die Medien: „Seht den Menschen hinter dem Fußballprofi.“
Anders als Mertesacker spürt Bauer zwar den Druck, doch er wirke sich auf ihn nicht so brachial aus. Mertesacker hatte dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ berichtet, dass er sich vor Spielen fast übergeben müsse, dass er bei der Heim-WM 2006 nach dem Aus im Halbfinale so etwas wie Erleichterung verspürt habe, weil der ganze Stress nun vorbei war. „Ich hatte oft genug Momente, in denen es mir nicht so gut ging, aber dank meiner Betrachtungen dazu, der Gespräche, Reflexionen kann man das verarbeiten“, erklärt Bauer.
Der 23-Jährige setzt dabei auf Vertrauenspersonen und seinen Glauben. Er lobt seinen Club Werder Bremen, der einen Psychologen beschäftigt. „Ich finde diese Angebote recht positiv. Manche nehmen es an, manche nicht.“ Ob er es selbst macht, lässt Bauer offen – und erklärt indirekt auch, warum: „Unter den Spielern ist es kein Problem, darüber zu sprechen. Viele Spieler haben einfach nur Angst, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, weil sie Angst vor den Reaktionen haben.“
„Mache mir am meisten Sorgen um meine Eltern“
Bauer hofft, mit seinen Aussagen weiteres Verständnis zu wecken. „Die Fans sollen weiterhin schimpfen und fluchen dürfen. Emotionen gehören dazu, auch Kritik, aber es wäre schön, wenn für Spieler, die vielleicht nicht so funktionieren, mehr Verständnis da wäre.“ Ein bisschen nimmt der Abwehrspieler dabei auch die Vereine in die Pflicht. „Ich hätte es als wichtig empfunden, dass es auch in den Clubs, gerade in der Ausbildung, Menschen gibt, die einen darauf hinweisen, was da alles auf einen einprasselt.“
In vielen Nachwuchsleistungszentren gehört das inzwischen zum Standard – auch in Bremen. Bauer hat seine Jugend beim Karlsruher SC verbracht und ist dann zum FC Ingolstadt gewechselt. „Da war das alles noch ganz harmlos, weil die Aufmerksamkeit dort nicht so groß ist“, sagt Bauer über seine Zeit beim Zweitligisten, mit dem er in die Bundesliga aufstieg. „Aber wenn man dann zu einem Traditionsclub geht, wie das Bremen ist, ist das plötzlich eine ganz andere Nummer. Der Druck ist ungleich höher“, berichtet Bauer, der 2016 an die Weser wechselte.
Dabei denkt er weniger an sich: „Ich mache mir zum Beispiel am meisten Sorgen um meine Eltern.“ Sie würden schließlich die öffentlichen Bewertungen des Sohnes mitbekommen, das sei nicht einfach.
„Der Druck kann einen kaputt machen“
Bauer glaubt, dass 50 Prozent der Fußballprofis unter Selbstzweifeln leiden – manche auch so extrem wie Mertesacker, den der Druck nach eigenen Angaben aufgefressen habe. „Ich kann das total nachvollziehen. Der Druck kann einen kaputt machen, ganz klar.
Und es kann letztlich so weit führen wie bei Robert Enke, der keine andere Lösung mehr sah, als sich das Leben zu nehmen.“ 2009 war das. Der Fußball beschäftigte sich damals intensiv mit dem Thema. „Aber mittlerweile ist alles wieder vergessen“, findet Bauer: „Es ist wieder wie vorher, wenn nicht sogar schlimmer. Eine gute, positive Schlagzeile liest man fast gar nicht mehr. Jeder will nur was Negatives schreiben, weil sich das besser verkauft.“
Und dann ist da natürlich noch das Thema Geld. „Natürlich sind wir privilegiert. Wir verdienen viel Geld, wahrscheinlich viel zu viel. Aber man darf nicht vergessen, dass wir ja weiterhin nur Menschen sind. Menschen mit Gedanken und Gefühlen, Fähigkeiten und Ängsten“, betont Bauer und fordert: „Den Faktor Geld muss man beiseiteschieben, wenn man das Thema betrachtet. Das kommt erst zum Schluss. Denn wenn du unglücklich bist, hilft dir das ganze Geld nicht.“
Robert Bauer: Seine Karriere in Bildern



