Von wegen Hoffenheim: Der FC Bayern München sichert sich die Dienste von Serge Gnabry
Also doch!
München/Bremen. Serge Gnabry ist ein schneller Mann, was nicht nur für sein Tempo auf dem Platz gilt. Informationen über seine Person vermeldet oder kommentiert er gerne selbst – bei Facebook, Twitter, Instagram. „Proud to become part of this club“, schrieb der 21-Jährige am Sonntag, womit er seinen Wechsel von Werder zum FC Bayern München bestätigte.
Dass Gnabrys Profilbild, direkt daneben zu sehen, ihn weiterhin im grün-weißen Werder-Dress zeigte – es war ein Stilbruch, ein Mini-Makel im ansonsten komplett durchinszenierten Auftritt.
Und es dürfte noch etwas sein: Eine der letzten Spuren, die der Offensivspieler in Grün und Weiß hinterlässt. Gnabry geht also zu den Bayern, nicht zu 1899 Hoffenheim. Mit Bekanntwerden dieser Nachricht wurde noch eines klar: Das Ziel München stand für das Top-Talent tatsächlich von Anfang an fest.
Proud to become part of this club 🔴⚪
— Serge Gnabry (@SergeGnabry) 11. Juni 2017
Wie oft er sie hat beantworten müssen, wird Frank Baumann mit Sicherheit nicht gezählt haben, und hätte er es versucht – er hätte vermutlich schnell den Überblick verloren. Die Fragen, ob es in der Causa Serge Gnabry eine Abmachung mit den Bayern gibt, ob der Rekordmeister womöglich am Transfer des Angreifers vom FC Arsenal nach Bremen beteiligt war, gar ein Vorkaufsrecht für ihn besitzt, begleiteten Werders Sportchef durch die gesamte Saison. Seine Antwort darauf war stets dieselbe und lautete in etwa so: Serge Gnabry ist zu 100 Prozent Spieler von Werder Bremen, eine Absprache mit den Bayern gibt es nicht.
Seit wann wusste Baumann vom Wechsel?
Baumann nun, wo der Wechsel des U21-Nationalspielers an die Isar feststeht, vorzuwerfen, er habe die Unwahrheit erzählt, wäre vermutlich sachlich falsch. Aber selbst wenn besagte Absprache am Ende „nur“ zwischen Gnabry und dem FCB bestand – dass Werders Sportchef davon nichts gewusst hat, ist mehr als unwahrscheinlich. Bloß sagen durfte er es eben nicht.
Auch gestern wollte Baumann über den Gnabry-Wechsel nicht mehr viel sprechen. „Für mich ist das Ganze kein großes Thema mehr“, wiegelte der 41-Jährige ab. Für Werder sei nur die Nachricht, dass Gnabry den Verein verlässt, entscheidend gewesen. „Zu welchem Club er geht, ist uns letztlich egal“, sagte Baumann. Der Spieler habe sich eben für den „großen Schritt“ entschieden.
Serge Gnabry: Seine Karriere in Bildern




Gnabry und die Bayern – dass diese beiden Seiten irgendwann zueinanderfinden, war von Anfang an klar. Offen war lediglich der Zeitpunkt. Entweder schon in diesem Sommer, oder sonst spätestens 2018 sollte es für den Spieler in den Süden gehen. Die Bayern nutzen also schon jetzt die Ausstiegsklausel in Gnabrys Vertrag. Die Rede ist von acht Millionen Euro Ablöse, die sie dafür nach Bremen überweisen müssen. Bis 2020 läuft nun das neue Arbeitspapier des jungen Profis. Stellt sich die Frage: Welche Rolle wird der Ex-Bremer in der kommenden Saison beim 27-fachen Deutschen Meister spielen?
Konkurrenz für Gnabry beträchtlich
Die beiden Altmeister Arjen Robben und Franck Ribery, dazu Douglas Costa und Kingsley Coman – auf den Außenbahnen, Gnabrys bevorzugter Position, ist Bayern auch ohne den 21-Jährigen vorzüglich besetzt. Noch ist zwar nicht sicher, dass Costa tatsächlich bleibt und nicht doch noch verkauft wird. Aber selbst im Falle eines Abgangs des Brasilianers ist die Konkurrenz für Gnabry immer noch beträchtlich.
Das wissen sie natürlich auch in München. Unter anderem aus diesem Grund war die bayerische Tendenz zu Beginn des Jahres – im Februar, März – noch in die Richtung gegangen, Gnabry für eine weitere Saison bei Werder zu lassen. Gut möglich, dass auch das Interesse von 1899 Hoffenheim am Ende dazu geführt hat, dass die Bayern schon jetzt zuschnappen. „Wir freuen uns, dass in Serge Gnabry ein weiterer junger, deutscher Nationalspieler zum FC Bayern kommt“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FCB – und schickte dann noch so eine Art Lob in den Norden: „Serge hat in Bremen eine sehr gute Entwicklung genommen.“
Das findet Gnabry selbst mit Sicherheit auch, sonst würde er sich den gewagten Wechsel kaum zutrauen. „Es ist eine große Ehre, Teil des FC Bayern zu werden“, sagte er. „Eine große Herausforderung“ hätte er es auch nennen können. Die Liste an Spielern, die mit hohen Ambitionen nach München kamen, um dort dann als Reservisten ein sportlich tristes Dasein zu fristen, ist schließlich ziemlich lang.
Werder-Wechsel zu Bayern




