Beim Delaney-Verkauf geht es auch ums Timing
Zeitpunkt im Zentrum
Bremen - Ob es bereits ein Stapel auf dem Schreibtisch oder ein eigener Ordner im Mail-Postfach ist, ist nicht bekannt – fest steht aber: Die Unterlagen rund um die Person Thomas Delaney, die in diesen Tagen durch die Hände von Werders Sportchef Frank Baumann gehen, sind durchaus umfangreich.
„Es gibt sowohl Anfragen als auch schriftliche Angebote, auf denen konkrete Summen stehen“, sagt Werders Sportchef, der gerade dabei ist, den Verkauf seines begehrtesten Spielers in diesem Sommer abzuwickeln. Die zentrale Frage lautet dabei längst nicht mehr, ob Delaney geht, sondern wann. Der Zeitpunkt des Verkaufs ist zentraler Bestandteil der Bremer Verhandlungsstrategie.
„Wir haben da keinen Zeitdruck“ – diesen Satz sagt Baumann zwar gerne, wenn es um das Thema Delaney geht. Der Manager weiß aber auch, dass das richtige Timing beim Abschluss des Geschäfts ein paar Extra-Millionen wert sein könnte. Es gibt nur zwei Varianten. Erstens: Delaney geht noch vor Beginn der WM in Russland, an der er mit Dänemark teilnimmt. Oder zweitens: Er geht danach. Beide Optionen bieten sowohl Vorteile als auch Risiken für Werder.
Baumann reizt sein Blatt schon vor WM-Beginn aus
Die einfachste Rechnung geht so: Werder wartet mit dem Verkauf bis nach dem Turnier, verschleppt bereits eingegangene Angebote oder lehnt sie ab – in der Hoffnung, dass der Däne seinen Marktwert durch starke Auftritte in Russland weiter steigert. Was aber, wenn Delaney blass bleibt, enttäuscht oder sich gar verletzt?
Dann würden die Bremer am Ende womöglich guten Angeboten von vor dem Turnierstart hinterhertrauern. Delaney dann einfach zu behalten, würde dem Spieler wenig schmecken. „Wir haben mit Thomas damals vereinbart, dass wir uns mit interessanten Anfragen auseinandersetzen“, berichtet Baumann. Ziel des Spielers bei dieser Absprache war ein vorzeitiger Wechsel, nichts anderes.
Thomas Delaney: Seine Karriere in Bildern




Und so reizt Baumann sein Blatt schon vor WM-Beginn aus. Das Turnier ist schließlich auch für die interessierten Clubs eine unbekannte Größe. Was, wenn nach guten Delaney-Spielen plötzlich ganz andere (und viel klangvollere Namen) auf den Spieler aufmerksam geworden sind? Dann lieber schon vor dem Turnier etwas mehr bieten, um am Ende nicht leer auszugehen. Es ist wie jeder Transfer von dieser Größenordnung und sportlichen Bedeutung ein Pokerspiel, eine Wette – mit dem speziellen Faktor WM.
Bei Werder haben die Verantwortlichen längst eine Summe im Kopf, für die sie Delaney abgeben würden. Sie dürfte deutlich jenseits der 15-Millionen-Euro-Grenze liegen. „Klar gibt es eine Summe, bei der wir es machen würden“, sagt Baumann, „darüber, wie schnell es geht, kann ich aber keine Angaben machen.“ Muss der Sportchef auch nicht, schließlich wähnt er sich in einer komfortablen Situation. Nur zur Erinnerung: Gekostet hat Delaney im Winter 2017 eine Ablöse von zwei Millionen Euro. Der Poker um den Verkaufszeitpunkt entscheidet also nur noch darüber, ob Werder ein gutes oder richtig gutes Geschäft macht.
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