Groß hört mit 35 Jahren auf

Karriereende beschlossen! Werder-Profi Christian Groß beendet im Sommer sein Fußball-Märchen

Karriereende beschlossen! Christian Groß, Profi des SV Werder Bremen, hängt im Sommer die Fußballschuhe an den Nagel.
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Karriereende beschlossen! Christian Groß, Profi des SV Werder Bremen, hängt im Sommer die Fußballschuhe an den Nagel.

Jetzt ist es offiziell: Christian Groß beendet seine Karriere im kommenden Sommer bei Werder Bremen. Wie der Routinier seine Entscheidung begründet. Zudem haben sich viele Wegbegleiter emotional geäußert.

Bremen – Bald ist Schluss. Endgültig. Doch vorher hat Christian Groß noch ein bisschen was zu erledigen. Der 35-Jährige geht ab sofort quasi auf große Abschiedstour durch die Bundesliga. Denn wie der Profi des SV Werder Bremen am Montagmorgen offiziell mitteilte, wird er seine Karriere im kommenden Sommer offiziell beenden. „Die Entscheidung ist mir extrem schwergefallen. Ich habe das ganze Leben Fußball gespielt – meine Familie kennt mich nicht anders. Es ist aber auch keine Entscheidung, die man von heute auf morgen trifft, sondern ein Gedanke, der reift“, erklärte der Defensivallrounder einen Tag nach der 1:2-Niederlage bei der TSG Hoffenheim, während der er in der Startelf gestanden hatte, auf der Internetseite der Grün-Weißen. „Bei mir ist dieser in Abstimmung mit meiner Frau und meiner Familie in der Weihnachtszeit gekommen, dass für mich nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um die Schuhe an den Nagel zu hängen.“ Der bevorstehende Groß-Abschied ist dabei viel mehr als das – er ist der Schlusspunkt eines außergewöhnlichen Fußball-Märchens, das der gebürtige Bremer in den vergangenen Jahren geschrieben hat.

Alles begann im Sommer 2019. Christian Groß war damals gerade bei Werder Bremens U23 in der Regionalliga Nord unterwegs. Und eigentlich sollte es dort auch für ihn weitergehen. Weil bei den Profis jedoch nach und nach das Personal ausfiel, reiste der damalige Kapitän des Unterbaus ganz kurzfristig mit ins Trainingslager ins Zillertal. „Florian Kohfeldt hat mir erst zwei Tage vorher gesagt, dass ich mitfahre“, erzählte Groß einmal mit Blick auf den damaligen Coach des Bundesligisten. Nach und nach verstrichen die Einheiten und Testspiele. Wo die Stammkräfte während der Vorbereitung noch behutsam aufgebaut und mitunter sogar geschont wurden, zog der defensive Mittelfeldspieler voll durch. „Wir hatten ihn eigentlich auf der Sechs eingeplant und mussten ihn immer als einzigen Spieler über 90 Minuten belasten. Wir haben uns gedacht: Der Grosso, der kann das schon ab“, verriet Kohfeldt einst lachend. Und wie er das konnte.

Chrsitian Groß beendet seine Karriere im Sommer bei Werder Bremen - über 100 Pflichtspiele seit 2019

Allein diese Anekdote hätte schon genügt, um ein außergewöhnliches Kapitel in Christian Groß‘ Vita darzustellen. Jahrelang hatte der einmalige U20-Nationalspieler beim VfL Osnabrück Drittligaluft geschnuppert, nachdem einige Zeit vorher beim Hamburger SV der ganz große Durchbruch nicht gelingen wollte. Auch beim SV Babelsberg 03 oder den Sportfreunden Lotte machte er Station, die fußballerische Karriere schien an der Weser schließlich gemütlich auszutrudeln. Doch weil auch nach dem Trip ins Zillertal die großen Namen nur schleppend zurückkehrten, blieb der damals 30-Jährige im Kader des SV Werder Bremen – und ging fortan einfach nicht mehr. Der Rest ist Geschichte. Eine fast schon kitschige sogar. Groß debütierte in ungewöhnlich hohem Alter, unterschrieb mehr als zwölf Monate später seinen ersten Vertrag überhaupt als Bundesliga-Profi. Exakt 111 Pflichtspiele hat der Routinier inzwischen für Werders Aushängeschild absolviert, erlebte den Abstieg hautnah mit und half bei der schnellen Rückkehr ins Oberhaus. Zuletzt verringerten sich jedoch die Einsatzzeiten, die jüngere Konkurrenz erhielt mehr und mehr den Vorzug. Erst als die Kollegen verletzungsbedingt ausfielen, wurde er wieder vermehrt auf dem Rasen gebraucht. In dieser Saison stehen bislang 13 Spiele auf Groß‘ Konto, in sieben Partien war er von Beginn an dabei. An der Wichtigkeit für das Team änderten diese Zahlen jedoch nichts.

Clemens Fritz über Werder Bremens Christian Groß: „Ich war sehr beeindruckt von seiner Entwicklung“

Werder Bremens Leiter Profifußball Clemens Fritz betonte: „Grosso ist wohl das beste Beispiel dafür, dass die Wege im Fußball nicht immer gradlinig verlaufen. Von einem Ergänzungsspieler im Trainingslager zu einem gestandenen Bundesliga-Spieler, der in den letzten Jahren eine sehr wichtige Rolle in unserem Team auf und neben dem Platz eingenommen hat und im Sommer auch eine große Lücke in der Kabine hinterlassen wird.“ Und der 43-Jährige ergänzte: „Ich war sehr beeindruckt von seiner Entwicklung, seit er den Sprung zu den Profis geschafft hat. An ihm sieht man, dass eine Entwicklung auch im gestandenen Fußballalter nicht aufhört. Da gebührt ihm größter Respekt.“ Auch viele aktuelle und ehemalige Weggefährten meldeten sich in den Sozialen Medien zu Wort. Werders Ex-Profi Ömer Toprak etwa postete schlicht ein Ziegen-Emoji, das im Englischen für Goat steht - der Abkürzung wiederum für „Greatest of all time“. Kapitän Marco Friedl ließ ein Emoji mit einer Träne im Auge folgen, während der Ex-Bremer Niclas Füllkrug bei Instagram schrieb: „Absolute Legende! Immer zuverlässig und ein toller Mensch! Glückwunsch zu dem, was du geleistet hast, mein Freund.“

Zehn Spiele sind es noch, dann ist die Saison für den SV Werder Bremen vorbei – sofern nicht doch noch Erschreckendes passiert und die Relegation wieder ein Thema am Osterdeich wird. Zehn Begegnungen, in denen Christian Groß noch einmal ausgiebig den Mythos Bundesliga als Aktiver genießen darf. „Natürlich bin ich stolz darauf, wenn ich auf meinen Werdegang schaue und auch welche bedeutende Rolle ich neben dem Platz eingenommen habe“, sagte Groß. „Vielleicht sollte jeder Schritt so sein, um mich zu dem Menschen zu machen, der ich heute bin.“ Nun dürfte noch ein besonderer Frühling folgen. Vielleicht nicht der sprichwörtliche dritte, den hat Groß schließlich schon erlebt. Aber eben der letzte, bevor eine ganz besondere Karriere endet. Mit einem Sommer, in dem einiges anders sein wird. Für ihn und für Werder. Unter anderem mit einem Christian Groß, der nicht mit ins Trainingslager ins Zillertal reist. Dort, wo ein ganz besonderes Werder-Märchen vor fast fünf Jahren seinen Anfang nahm. (mbü)

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