Kohfeldt adelt Mittelfeldmann
Klaassen, der „Leader der Mannschaft“
Bremen - Einmal Journalist sein! Florian Kohfeldt wurde um den kurzen Rollentausch gebeten. Die Aufgabe: Eine Überschrift für den Saisonstart des SV Werder mit 14 Punkten aus sieben Spielen finden.
„Schwierig“, grübelte Kohfeldt und formulierte alsdann ein „Gute Basis gelegt“. Rückfrage: Geht das als Überschrift durch? Ja, geht einigermaßen, ist aber weit weniger peppig, als Werder bislang auf dem Platz aufgetreten ist. Inhaltlich ist die Kohfeldt-Headline aber völlig okay, denn natürlich ist die Bremer Ausgangslage top, wenn die Liga nach der Länderspielpause mit dem Spiel bei Schalke 04 am Samstag (18.30 Uhr) wieder Fahrt aufnimmt. Und Werder will auch jetzt mit dem Fuß weiter auf dem Gas bleiben.
Allerdings erreichen die anstehenden Aufgaben neue Schwierigkeitslevel. Erst Schalke, danach Bayer Leverkusen, Mainz 05 und Borussia Mönchengladbach – die Brocken rollen jetzt auf die Bremer zu. Kohfeldt lobt auch die Kader-Qualität der Schalker („Auf Champions-League-Niveau“), weiß um die Ambitionen Leverkusens – und doch: Wegducken wird sich Werder gewiss nicht. Schon gar nicht auf Schalke, wo die Bremer in der vergangenen Saison mit 2:1 gewonnen hatten. Lerneffekt Kohfeldt aus dieser Partie: „Schalke hat sicherlich den besseren Kader. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie auch gewinnen werden.“
Mit dem Gewinnen hat es bei den Bremern bislang auch deutlich besser geklappt als bei den Knappen. 14 Punkte und Platz vier für Werder, sechs Punkte und Platz 15 für Schalke. Allerdings: Vor der Länderspielpause haben sich die Gastgeber mit zwei Siegen in der Liga und einem in der Champions League zurückgemeldet, blieben dabei sogar ohne Gegentor. Schalke wieder mit der Stärke eines Vize-Meisters – so sieht es Kohfeldt: „Die Mannschaft ist nach ihrem Fehlstart im Aufwind.“
Klaassen: „In unserer Mannschaft steckt viel Hunger nach Erfolg“
Werder wiederum kann mit der Stärke eines Champions-League-Anwärters auftreten – so sieht es jedenfalls Mittelfeld-Star Davy Klaassen. „In unserer Mannschaft steckt viel Hunger nach Erfolg, viel Selbstvertrauen. Wir wissen, dass wir hart arbeiten müssen, um unseren vierten Platz zu verteidigen. Das wird schwierig, aber es ist nicht unmöglich“, sagt der Holländer, den Coach Kohfeldt wie selbstverständlich und fast schon nebenbei als „Leader der Mannschaft“ adelt. Immer da, wo er gebraucht wird, immer im Dienst der Mannschaft, immer auf Betriebstemperatur – das sei Klaassen.
Gegen Schalke: Werder hat alle Mann an Bord
Zudem ist der 25-Jährige mit einer ganz speziellen und noch einigermaßen frischen Schalke-Erfahrung ausgestattet. Es trug sich zu im April 2017, und Klaassen grinst beim Gedanken an ein irres Spiel im Viertelfinale der Europa League. Das Hinspiel hatten Klaassen und Ajax 2:0 gewonnen, im Rückspiel stand es nach 90 Minuten 0:2, nach 101 Minuten sogar 0:3. „Aber dann haben wir mit einem Mann weniger noch zwei Tore gemacht. Das war Wahnsinn“, erinnert er sich. Ajax kam weiter, Schalke weinte. „Drama um Schalke“ war damals eine der Überschriften. Florian Kohfeldt würde es bestimmt gefallen, etwas Ähnliches auch am Sonntagmorgen zu lesen.
Davy Klaassen: Seine Karriere in Bildern



