Starkes Werder-Debüt
Starke Paraden, überzeugende Ausstrahlung: Werder-Keeper Karl Hein erntet nach Debüt gegen FC Bayern Lob von allen Seiten
Karl Hein hat trotz der klaren 0:4-Niederlage gegen den FC Bayern ein ganz starkes Bundesliga-Debüt für Werder Bremen gefeiert. So reagieren der Torhüter und die Bremer auf die Hein-Premiere.
München – Genauso abgezockt wie Karl Hein zuvor auf dem Rasen die gegnerischen Schüsse entschärft hatte, gab sich der Torhüter des SV Werder Bremen später auch in der Interviewzone. „Ich bin einfach hier, um meinen Job zu machen“, sagte der 23-Jährige lässig, der ausgerechnet während des Auswärtsspiels beim FC Bayern München erstmals für seinen neuen Club zwischen den Pfosten gestand hatte. Zwar verloren die Hanseaten am Ende deutlich mit 0:4, doch es war der Leihgabe des Premier-League-Riesen FC Arsenal zu verdanken, dass die Niederlage nicht noch höher ausfiel. Entsprechend groß war das Lob, mit dem der Este hinterher von allen Seiten überschüttet wurde – doch er selbst war mit seinen Gedanken erst einmal bei seinem Konkurrenten.
Karl Hein überzeugt bei Bundesliga-Premiere für Werder Bremen gegen FC Bayern: „Er hat eine Top-Leistung gebracht“
Weil Mio Backhaus sich unter der Woche eine Bänderverletzung an der Schulter zugezogen hatte, war die freitägliche Hein-Premiere überhaupt erst möglich geworden. Eine genaue Diagnose gibt es beim 21-Jährigen noch immer nicht, folglich ist komplett offen, wie lange der gerade erst zur Nummer eins aufgerückte Profi ausfallen wird. „Mir tut es für Mio sehr leid, denn ich wünsche niemandem eine Verletzung“, betonte Karl Hein. „Ich bin selbst schon durch einige Verletzungen gegangen und wünsche ihm daher nur das Beste.“ Die gute Nachricht aus Sicht des SV Werder Bremen: Ein Backhaus-Ausfall muss nach den ersten Eindrücken seines Vertreters keine Schwächung für die Mannschaft darstellen. Fand auch Clemens Fritz.
„Er hat eine Top-Leistung gebracht, dafür muss man ihm ein riesiges Kompliment aussprechen“, sagte der Fußball-Chef der Bremer. „Er ist ja noch nicht so lange bei uns und es gibt sicherlich einfachere Spiele für einen Torwart, um erstmals zu spielen.“ Vom Anpfiff weg aber war Karl Hein auf Betriebstemperatur, machte früh eine Riesenchance von Bayern-Star Harry Kane zunichte (5.). Und so ging es für den Nationalkeeper Estlands weiter. Noch mehrfach stellte er sich dem Engländer erfolgreich in den Weg, auch dessen Kollegen Michael Olise oder Serge Gnabry bekamen die Klasse des Neu-Bremers zu spüren – der kurz vor der Pause sogar im Stile seines Gegenübers Manuel Neuer per artistischem Flugkopfball einen gegnerischen Angriff unterband.
Karl Hein schwärmt von Bundesliga-Debüt für Werder Bremen: „Sehr spezieller Tag für meine Familie und mich“
Werder Bremens Mittelfeldakteur Jens Stage imponierten aber nicht nur diese Szenen. „Seine Qualität war super heute, aber mir hat seine gesamte Ausstrahlung seit dem gestrigen Warm-up gefallen, als er wusste, dass er spielen würde“, schwärmte der Däne. „Er war ganz ruhig, hat viel Selbstvertrauen ausgestrahlt. Das war sehr schön zu sehen.“ Für Karl Hein selbst eine absolute Selbstverständlichkeit. „Ich bin erst 23, da gibt es noch eine Menge zu verbessern. Aber ich versuche, immer ruhig zu bleiben, denn ich glaube, dass ich dann besser performen kann.“ Den Beweis dafür hat er in München angetreten. Geholfen haben ihm dabei auch die Erfahrungen aus der Vorsaison, als Hein an Real Valladolid verliehen war und dort als Stammkeeper unter anderem gegen die spanischen Topvereine Real Madrid und FC Barcelona antreten durfte. „Ich bin in der vergangenen Saison in ähnlichen Situationen gewesen und habe mich jetzt einfach darauf gefreut, Werder das erste Mal repräsentieren zu können“, sagte der Schlussmann. „Ich liebe es, in solchen Stadien zu spielen. Als Kind habe ich davon geträumt, gegen solch große Spieler spielen zu können. Es war wirklich ein sehr spezieller Tag für mich und meine Familie.“
Wegen der Backhaus-Verletzung geht Chefcoach Horst Steffen aktuell davon aus, dass Karl Hein auch am kommenden Samstag, wenn Werder Bremen ab 15.30 Uhr den FC St. Pauli im Weserstadion empfängt, auflaufen wird. Und darüber hinaus? Es überraschte jedenfalls nicht, dass 56-Jährige schon im Bauch der Allianz-Arena gefragt wurde, ob das Rennen um den Stammplatz im Werder-Tor nun ganz neu eröffnet ist. Die klare Antwort: „Wir habe unsere Nummer eins und werden jetzt nicht nach einem Spiel sagen, dass wir einen Torwartwechsel vornehmen. Wir hoffen, dass sich Mio schnell wieder gesund meldet – aber bis dahin ist Karl ein starker Vertreter.“ Die 90 Minuten in München unterstreichen diese Einschätzung. „Er hat im Ballbesitz seine Ruhe behalten, sich nicht stressen lassen und Selbstbewusstsein ausgestrahlt. Das muss man hier erst einmal schaffen“, meinte Steffen anerkennend und schob hinterher: „Also an ihm lag es nicht, dass wir verloren haben.“ (mbü/bvo)
Rubriklistenbild: © gumzmedia
