Neuer Werder-Trainer
Der Wunschkandidat kommt: Deshalb ist Horst Steffen Werders erste Wahl
Horst Steffen wird neuer Trainer des SV Werder Bremen: Warum der bisherige Coach der SV Elversberg der Wunschkandidat ist und welche Stärken er mitbringt!
Bremen – Als die folgenden Sätze gesprochen wurden, war nicht mal im Ansatz abzusehen, dass sie nachträglich einmal von großer Relevanz für den SV Werder Bremen sein sollten. Heute taugen sie dafür umso mehr als belastbare Einschätzung dessen, was da künftig auf den Bundesligisten zukommt. „Ich hatte keine Sekunde gespielt und dachte schon, das ist jetzt mein Karriereende, denn es lief gar nichts mehr. Am nächsten Tag hatte ich dann ein zweieinhalbstündiges Einzelgespräch mit dem Trainer. Er hat mich total motiviert und mir gesagt, dass schon alles gut werden wird. Danach habe ich angefangen, auf dem Platz alles auseinanderzupflücken.“
Nick Woltemade über Werder Bremens Neu-Coach Horst Steffen: „Er strahlt eine Dankbarkeit für sein Leben aus“
Gesagt hat das Nick Woltemade, der mit seinen Worten im Podcast „Copa TS“ Anfang März folgenden Mann beschrieb: Horst Steffen. „Wenn er in einen Raum kommt, dann strahlt er eine Positivität aus, eine Dankbarkeit für sein Leben. Das wurde auch uns so gepredigt. Er hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin.“ Ein Bundesliga-Shootingstar und Neu-Nationalspieler – für den längst klar ist, dass sein einjähriges Intermezzo beim damaligen Drittligisten SV Elversberg mit Cheftrainer Horst Steffen das große Sprungbrett seiner Laufbahn war. Ab Sommer wird dieser Steffen nun als Nachfolger des freigestellten Ole Werner beim SV Werder Bremen an der Seitenlinie stehen. Nach Informationen der DeichStube sind sich Verein und Trainer in allen Punkten einig geworden. Steffen wird in Bremen einen Vertrag bis 2028 unterschreiben, sobald die letzten Transfermodalitäten mit Elversberg geklärt sind. Im Raum steht eine Ablöse im unteren sechsstelligen Bereich. Noch in dieser Woche soll der Wechsel offiziell bekannt gegeben werden.
Werder reagiert damit nach der Trennung von Ole Werner in bemerkenswertem Tempo, weil der Verein in den vergangenen Wochen und Monaten konsequent in zwei Szenarien gedacht und geplant hat: einmal mit Werner, einmal ohne. Als sich der Chefcoach am Wochenende wegen langanhaltender Differenzen in Sachen Transfer- und Personalpolitik letztlich gegen eine Verlängerung seines 2026 auslaufenden Vertrags entschied, ging alles ganz schnell. Parallel zu Werners Beurlaubung wurde der Deal mit Horst Steffen vorangetrieben und schließlich finalisiert. Nach Informationen der DeichStube war der 56-Jährige von Beginn an der Wunschkandidat des SV Werder Bremen. Zwar gab es in den vergangenen Wochen Kontakt zu Alternativkandidaten, an Steffens Favoritenstellung änderte das aber nichts. Das Gesamtpaket, das der Ex-Profi (207 Bundesligaspiele für Uerdingen, Duisburg und Gladbach) als Trainer mitbringt, hat Werders Verantwortliche um Sportchef Clemens Fritz am meisten überzeugt – auch wenn die Gespräche mit Namen wie Danny Röhl (Sheffield Wednesday), Lukas Kwasniok (zuletzt SC Paderborn) und Marco Rose (zuletzt RB Leipzig) durchaus positiv verlaufen sein sollen.
Horst Steffen führte den SV Elversberg beinahe von der vierten in die Bundesliga - auch bei Werder Bremen soll er erfolgreich arbeiten
Mit der SV Elversberg hatte Steffen in den vergangenen zwei Jahren ein modernes Fußballmärchen geschrieben, indem er den Club aus dem Saarland von der Regionalliga Südwest bis an die Schwelle zur Bundesliga führte. Erst in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim platzte der Traum des Vereins, der nun seinen Erfolgstrainer verliert. Bei Werder Bremen soll Horst Steffen seinen Spielstil und seine Idee von Fußball auf der Bühne Bundesliga weiterführen, was für ihn definitiv Neuland ist. Im Oberhaus war der Rheinländer bisher noch nicht als Trainer aktiv. So betrachtet geht mit der Verpflichtung ein gewisses Risiko einher. Andererseits: Auch Ole Werner hatte vor seiner erfolgreichen Zeit am Osterdeich noch nicht in der Bundesliga gearbeitet.
Was die Jahre in Elversberg zeigen: Horst Steffen geht es darum, dass seine Mannschaft pro Spiel möglichst viele Strafraumsituationen kreiert. Er setzt grundsätzlich auf Offensivfußball, aber nicht dogmatisch, sondern reagiert auch auf den Spielverlauf. Dass sich seine Mannschaft phasenweise hinten reinstellt, kann durchaus vorkommen. Aus dem Umfeld der SV Elversberg ist zu hören, dass der kommende Coach des SV Werder Bremen eine sehr offene, kommunikative Art hat – es fällt sogar der Begriff „Menschenfänger“ – und dass es ihm darum gehe, seinen Spielern die Furcht vor dem Verlieren zu nehmen. Stattdessen rückt Steffen die Stärken der Akteure in den Vordergrund. Eigenschaften, die ihm bei seiner Aufgabe in Bremen helfen dürften.
Werder Bremen will in Zukunft mehr auf den Nachwuchs setzen - und sieht in Horst Steffen den besten Trainer dafür
Das Ziel des SV Werder Bremen ist es, dass die Durchlässigkeit zwischen eigenem Nachwuchs und der Profimannschaft perspektivisch wieder größer wird als zuletzt. Die U19 ist gerade erst DFB-Pokalsieger geworden und stand im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Eine Mannschaft gespickt mit spannenden Talenten, die in Bremen behutsam zu Profis entwickelt werden sollen und nicht anderswo. Dass sich verheißungsvolle Spieler aus dem eigenen Stall gegen eine Zukunft bei Werder entscheiden und lieber bei anderen Vereinen durchstarten, kann und will sich der Club nicht länger leisten. Womit wir noch einmal bei Nick Woltemade wären.
Von Werder Bremen wurde der Stürmer in der Saison 2022/23 für ein Jahr an die SV Elversberg ausgeliehen, um mit den Saarländern in die 2. Liga aufzusteigen und zum Drittliga-Spieler der Saison gewählt zu werden. Der Rest ist bekannt. Nun hoffen sie in Bremen mit dem Cheftrainer Horst Steffen auf ähnliche Geschichten. Ab dem Trainingsauftakt am 5. Juli wird er damit anfangen, sie zu schreiben. (dco)
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