Werder-Sieg in der Taktik-Analyse
Topp bringt in Cottbus frischen Schwung in altbekannte Werder-Taktik - das DFB-Pokalspiel in der Analyse
Ole Werner setzt auch in der neuen Saison auf Kontinuität: Die 3-4-3-Formation aus dem DFB-Pokalspiel bei Energie Cottbus erinnerte stark an die vergangene Saison. Den Unterschied beim souveränen 3:1 (2:0)-Sieg des SV Werder Bremen machte Neuzugang Keke Topp. Warum der Dreifach-Torschütze auch taktisch aus dem Team herausragte, analysiert unser Kolumnist Tobias Escher.
Cottbus – Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, schrieb Hermann Hesse einst. Eine neue Saison ist für viele Fans ein Neuanfang. Sie wünschen sich, dass sich für ihren Lieblingsverein fortan alles zum Guten wendet. Wer vor dem ersten Pflichtspiel des SV Werder Bremen in der Spielzeit 2024/25 von einem radikalen Neubeginn geträumt hatte, dürfte schnell ernüchtert gewesen sein. Taktisch arbeitet Trainer Ole Werner weiter daran, seine etablierte Formel zu perfektionieren. Mit Keke Topp stand nur ein Neuzugang beim 3:1-Sieg im DFB-Pokalspiel bei Energie Cottbus in Werders Startelf – aber der machte zugleich Hoffnung auf mehr.
Werder Bremens Sieg im DFB-Pokalspiel bei Energie Cottbus in der Taktik-Analyse: Altbekannte Abläufe, neue Details
Mehr Kontinuität geht kaum: Zehn der elf Akteure des SV Werder Bremen, die gegen Energie Cottbus in der Startelf standen, gehörten bereits in der vergangenen Saison zum festen Stammpersonal. Einzig Verpflichtung Keke Topp rückte neu in die erste Elf. Er übernahm den Part des Mittelstürmers im nominellem 3-4-3-System.
Bei so viel Kontinuität gab es taktisch nur wenige Neuerungen zu bestaunen. Werder Bremen versuchte, aus der Dreierkette heraus das Spiel ruhig aufzubauen. Milos Veljkovic und Niklas Stark rückten auf den Flügel heraus, wodurch die nominellen Außenverteidiger Mitchell Weiser und Felix Agu weit vorrücken konnten. Vor allem Weiser agierte gegen Energie Cottbus gewohnt offensiv.
Die Veränderungen im Aufbauspiel des SV Werder Bremen waren eher kleinerer Natur. Sie rührten vor allem von Keke Topps Präsenz als zentralem Stürmer. Ducksch konnte dadurch auf der halblinken Seite starten und sich mehr Freiheiten gönnen. Er wich häufig auf den linken Flügel aus. Jens Stage rückte nach vorne und füllte den Raum, den Ducksch zurückließ. Senne Lynen wiederum hielt sich zurück. Als Sechser zog er vor der Abwehr die Fäden.
Werder Bremens Sieg im DFB-Pokalspiel bei Energie Cottbus in der Taktik-Analyse: Romano Schmid lockt die gegnerische Abwehr heraus
Anfangs versuchte Werder Bremen noch, die Rochaden um Ducksch und Stage für Raumgewinne zu nutzen. Energie Cottbus verteidigte auf dieser Seite jedoch konzentriert. Trainer Claus-Dieter Wollitz hatte seine Mannschaft in einem nominellen 4-3-3-System aufgestellt. Die Außenstürmer agierten hierbei recht zentral. Sie sollten den Passweg ins zentrale Mittelfeld zustellen. Stage kam selten an den Ball - auch, weil sein Gegenspieler Jonas Hofmann ihn energisch verfolgte.
Romano Schmid sah sich auf der anderen Seite keiner solchen Sonderbewachung ausgesetzt. Sein nomineller Gegenspieler Janis Juckel rückte immer wieder aus dem Mittelfeld nach vorne. Schmid hatte somit etwas mehr Freiraum als Stage – Freiraum, den der Österreicher clever ausnutzte.
Immer wieder bewegte Schmid sich nach vorne, um die Verteidiger von Energie Cottbus aus der Abwehr zu locken. Gerade Linksverteidiger Tobias Hasse verließ immer wieder seine Position. Entweder gelang es Schmid, Hasse im direkten Duell zu umkurven – oder aber er fand den freien Weiser, der auf rechts nach vorne stürmte. Schmid und Weiser verstanden sich blind – ein positives Muster, das die Fans des SV Werder Bremen bereits aus der vergangenen Saison kennen.
Werder Bremens Sieg im DFB-Pokalspiel bei Energie Cottbus in der Taktik-Analyse: Matchwinner Keke Topp und Vorbereiter Marvin Ducksch
Ein neues Duo stand dem altbekannten Pärchen Schmid-Weiser in nichts nach: Auch Keke Topp und Marvin Ducksch harmonierten bei Werder Bremen prächtig. Immer wieder ließen sie gegen Energie Cottbus Bälle für den anderen passieren, nur um im Anschluss wuchtig in die Spitze zu starten. Topps geradlinige Laufwege Richtung Tor und Duckschs kreativeres, schnörkelhaftes Spiel ergänzten sich.
Werder Bremen verdankte seinen starken Pärchen die 2:0-Pausenführung. Immer wieder setzten Keke Topp und seine Kollegen die letzte Linie von Energie Cottbus unter Druck – sei es mit Laufwegen in die Spitze oder mit dem eigenen Pressing. FCE-Innenverteidiger Tim Campulka war den Bremer Ideen nicht gewachsen, er patzte vor beiden Toren.
Apropos Pressing: Auch hier gab es auf Bremer Seite wenig Neues zu bestaunen. Gegen den Ball agierte Werder gewohnt mannorientiert. Schmid rückte von seiner halbrechten Seite ins Zentrum, um den gegnerischen Sechser Joshua Putze mannzudecken. So konnte Werder Bremen auf dem ganzen Feld Eins-gegen-Eins-Duelle herstellen. Energie Cottbus kam mit der körperlichen Spielweise der Grün-Weißen kaum klar.
Werder Bremens Sieg im DFB-Pokalspiel bei Energie Cottbus in der Taktik-Analyse: Ein kurzes Cottbusser Leuchtfeuer
Nach der Pause bäumte sich Energie Cottbus kurz auf. Wollitz wechselte zweimal. Fortan agierte Hasse als einrückender Linksverteidiger. Im Aufbau fand Cottbus somit immer wieder den Raum neben Schmid. Vorne setzte die Heimmannschaft auf ein kompromissloses Angriffspressing. Dieses brachte die Abwehr des SV Werder Bremen einige Male in Schwierigkeiten.
Der Sturmlauf von Energie Cottbus endete abrupt, als Werder Bremen einen Angriff zum 3:0 abschloss (55.). Keke Topp krönte seine starke Leistung mit einem Dreierpack. Fortan übernahm Werder die Kontrolle über das Spiel. Die Hausherren kamen noch zum Ehrentreffer (71.), blieben im Großen und Ganzen aber chancenlos. Nach einer Roten Karte gegen Romario Hajrulla (78.) stellte Cottbus auf ein 4-2-3-System um.
Werder Bremen zeigte im ersten Pflichtspiel der neuen Saison viele gute Ansätze. Ole Werner wagt keine Revolution, sondern verbessert sein bewährtes 3-4-3-System allenfalls in Details. Gerade Neuzugang Keke Topp könnte sich als wichtiges Puzzlestück entpuppen. Seine Präsenz in der letzten Linie entlastete Ducksch, dessen freie Rolle schaffte wiederum Synergien mit Stage und Schmid. Auch wenn Vieles in Bremen beim Alten bleibt: Die neue Saison kann kommen.
