DeichStube-Interview

„Die Tür ist immer offen für Leo“: Cottbus-Trainer Wollitz über eine Rückkehr Bittencourts und das Pokalduell gegen Werder

Energie-Cottbus-Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz vor dem DFB-Pokal-Duell mit Werder Bremen im Interview.
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Energie-Cottbus-Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz vor dem DFB-Pokal-Duell mit Werder Bremen im Interview.

Vor dem DFB-Pokal-Duell zwischen Werder Bremen und Energie Cottbus hat die DeichStube im Interview mit FCE-Coach Claus-Dieter „Pele“ Wollitz über das Spiel, seine polarisierende Art und Leonardo Bittencourt gesprochen.

Bremen - Verein und Trainer, sie kommen einfach nicht voneinander los: Seit 2021 erlebt Ex-Profi Claus-Dieter „Pele“ Wollitz bereits seine dritte Amtszeit beim FC Energie Cottbus - es ist eine mehr als erfolgreiche. In der vergangenen Saison führte der 59-Jährige die Mannschaft als Regionalliga-Meister zurück in die 3. Liga, wo er nun den Klassenerhalt anstrebt. Im Gespräch mit der DeichStube hat Wollitz erklärt, wie Cottbus die Überraschung gegen Werder Bremen gelingen könnte und warum er dank der Bremer einst gebannt vor dem Fernseher saß. Außerdem warb er dafür, dass der verlorene Sohn Leonardo Bittencourt noch einmal in die Lausitz zurückkehrt.

Herr Wollitz, das Stadion in Cottbus wird am Montagabend ausverkauft sein, die Vorfreude in der Lausitz ist riesig auf das DFB-Pokalspiel gegen Werder. Auf was müssen sich die Bremer einstellen?

Auf jeden Fall auf ein sehr emotionales Publikum, aber das kennt Werder ja schon. Sie waren ja erst vor zwei Jahren zum Pokalspiel hier und haben verdient mit 2:1 gewonnen. Dieses Mal sind wir allerdings ein Drittligist, der schon zwei Saisonspiele hinter sich hat, während es für die Bremer ein Kaltstart wird. Natürlich ist Werder der klare Favorit, keine Frage. Aber auch wir wollen das Spiel gewinnen und werden alles dafür geben. Damit meine ich keine übertriebene Härte oder irgendwelche Tricksereien, sondern puren Einsatz. Werder muss sich keine Sorgen machen, der Rasen wird kurz gemäht und gut gewässert sein, und auch die Bälle pumpen wir voll auf (lacht).

Sie haben Ihr Team in der Vorsaison zur Meisterschaft in der Regionalliga Nordost geführt und damit nach fünfjähriger Abstinenz zurück in die 3. Liga. Die ersten beiden Saisonspiele gingen dort allerdings verloren. Wie groß ist die Euphorie rund um den Verein noch?

Wir hatten zum Saisonauftakt knapp 13.000 Zuschauer gegen Bielefeld im Stadion, das ist alles andere als selbstverständlich. Zu Zweitligazeiten waren es gegen denselben Gegner mal nur 8.700. Der Zuspruch, den wir gerade erfahren, ist sehr hoch. Der Verein hat über 3.000 Dauerkarten verkauft, für unsere Verhältnisse ist das mehr als ordentlich. Zudem ist die Nachfrage nach Fanartikeln riesig. Die Trikots waren schon zweimal komplett ausverkauft. Aber uns allen ist klar: Diese Euphorie erhält man auf Dauer nur, wenn man Ergebnisse liefert. Werder ist da ein super Beispiel. Sie haben es nach dem Aufstieg vor drei Jahren geschafft, den Schwung mitzunehmen.

Claus-Dieter „Pele“ Wollitz im Interview über Werder Bremen: „Grundsätzlich ist Werders individuelle Qualität hoch“

Was für einen Eindruck haben Sie von der aktuellen Bremer Mannschaft?

Ihre Systematik ähnelt stark der von vor zwei Jahren. In meinen Augen war es für den Verein enorm wichtig, dass Mitchell Weiser gehalten werden konnte. Über ihn läuft sehr viel. Grundsätzlich ist Werders individuelle Qualität hoch, aber chancenlos sind wir deshalb nicht. Wir haben uns in der Vorbereitung noch einmal das Bremer Spiel gegen Viktoria Köln angeguckt (Werder schied beim Drittligisten in der Vorsaison in der ersten Pokalrunde nach einem 2:3 aus, Anm. d. Red.). Es ging einfach darum, das Gefühl zu stärken, dass ein Weiterkommen möglich ist.

Was muss denn passieren, damit auch Ihrer Mannschaft die Überraschung glückt?

Wir brauchen eine Top-Organisation auf dem Platz und müssen sofort da sein. Gerade, weil es für den Gegner das erste Pflichtspiel ist und wir schon einen Rhythmus haben. Wenn wir das Publikum im positiven Sinne emotionalisieren, kann es ein großer Faktor sein.

Sie persönlich kehren gegen Werder auf die Trainerbank zurück, nachdem Sie für das Auswärtsspiel in Dresden rotgesperrt waren. Wie schwer war es, beim Derby nicht direkt einwirken zu können?

Für mich ist jedes Spiel, das ich nicht begleiten darf, eine traurige Geschichte. Ich habe am ersten Spieltag einen Fehler gemacht (Wollitz sah kurz nach dem Pausenpfiff die Rote Karte, weil er gestikulierend auf den Platz und auf Schiedsrichter Tom Bauer zugelaufen war, Anm. d. Red). Im Vorfeld hatte ich mich nicht ausreichend belesen, dass die entsprechende Regel nochmal verschärft wurde. Trotzdem hätte ich mir an einem ersten Spieltag nach dem Pausenpfiff eine empathischere Reaktion gewünscht. Dass ich direkt die Rote Karte bekommen habe, kann ich mir nur so erklären, dass bei meiner Person gerne in die Vergangenheit geguckt wird.

Inwiefern?

Ich bin schon das eine oder andere Mal aus der Emotion heraus übers Ziel hinausgeschossen, das will ich gar nicht leugnen. Offenbar gibt es da inzwischen bei einigen Schiedsrichtern eine Art Schubladendenken. Beim Derby in Dresden nicht dabei sein zu dürfen, war schon ein Schlag ins Gesicht für mich. Das tat weh.

Vor DFB-Pokal mit Werder Bremen - Energie-Cottbus-Trainer „Pele“ Wollitz im Interview: „Daran hatte ich richtig zu knabbern“

Nach der Roten Karte sahen Sie sich zum Teil heftiger Kritik ausgesetzt, vor allem in den sozialen Medien.

Ja. Ich lese dort selbst nicht mit, es wurde mir aber zugetragen. Daran hatte ich richtig zu knabbern. Klar, den Fehler habe ich gemacht, aber wie man Menschen so anfeinden und diffamieren kann, ist für mich einfach unbegreiflich.

Nehmen Sie sich vor, Ihr Verhalten an der Seitenlinie zu ändern, oder sagen Sie sich: Ich bin einfach ein emotionaler Typ, das bekommt ihr aus mir nicht mehr raus?

Ich habe daran zu arbeiten, das ist ganz klar. Man muss sich immer reflektieren und weiterentwickeln. Das fordere ich ja auch von meinen Spielern. Ich habe aber noch nie einen Schiedsrichter beleidigt, darauf lege ich Wert. Aber natürlich muss ich das Thema angehen. Die große Diskussion darum regt mich nur auf. Mal heißt es, wir brauchen Typen, und dann kommt man sich doch wieder vor, als wären den Leuten Roboter an der Außenlinie lieber.

Kommen wir wieder zum Sportlichen: Sie haben sowohl während Ihrer aktiven Laufbahn als auch als Trainer Spiele gegen Werder bestritten. Was verbinden Sie mit dem Verein?

Als ich Trainer in Osnabrück war, haben wir gegen Werders U23 in der Liga gespielt. Es war immer ein sehr angenehmer Austausch, mit Thomas Wolter (Werders damaligem U23-Trainer, Anm. d. Red.) hatte ich guten Kontakt. Und dann verbinde ich Werder natürlich mit Otto Rehhagel, mit dem leider verstorbenen Willi Lemke, mit Spielern wir Rune Bratseth, Klaus Allofs und Uli Borowka und natürlich mit großen Europapokalspielen. Das waren Highlights, bei denen du als eigentlich neutraler Zuschauer vor dem Fernseher für einen Abend Werder-Fan warst. Diese Leidenschaft bei Bremer Regen und Wind, einfach sensationell!

„Pele“ Wollitz über Werder Bremens Leonardo Bittencourt: „Verkörpert für mich bis heute das ganze positive Repertoire des Fußballs“

Zum aktuellen Werder-Aufgebot zählt Leonardo Bittencourt, der unter Ihnen im April 2011 als 17-Jähriger sein Profidebüt im Cottbus-Trikot gefeiert hat. Auf was für einen Empfang darf er sich in der Lausitz einstellen?

Leo ist in Cottbus aufgewachsen und hat seine ersten Schritte im Fußball hier gemacht. Er verkörpert für mich bis heute das ganze positive Repertoire des Fußballs. Die Unbekümmertheit, die Spielfreude, die Emotionalität und auch eine Spur Straßenfußball. Leo kann eine Mannschaft zum Lachen bringen, aber auch mal dazwischenhauen. Ich freue mich sehr auf das Wiedersehen mit ihm, und die Leute hier werden ihn sicher herzlich empfangen.

Sie sind in Cottbus Trainer und Sportdirektor in Personalunion. Haben Sie schon mal bei Bittencourt vorgefühlt, ob er seine Karriere nicht eines Tages in Cottbus beenden möchte?

Noch nicht, aber wenn er seine Karriere hier irgendwann tatsächlich abrunden will, würde die ganze Region alles dafür tun, um es zu ermöglichen. Die Tür steht für Leo bei Energie Cottbus immer offen.

Sie befinden sich mittlerweile in Ihrer dritten Amtszeit im Verein. Warum passt der Westfale Claus-Dieter Wollitz eigentlich so gut in die Lausitz?

Gute Frage. Ich konnte hier immer meine Ideen umsetzen, in einem guten Umfeld, das zu mir als Typ passt. Ich fühle mich einfach wohl in Cottbus.

Vor DFB-Pokal-Duell mit Werder Bremen: Claus Dieter „Pele“ Wollitz ruft im Interview Klassenerhalt als Ziel aus

Zwischen 2000 und 2003 sowie zwischen 2006 und 2009 hat der FC Energie in der Bundesliga gespielt. Was glauben Sie: Ist es realistisch, dass der Verein dorthin irgendwann zurückkehrt?

Die Region lag nach dem Mauerfall am Boden, der erste Aufstieg kam praktisch aus dem Nichts. Seitdem hat sich die Bundesliga aber sehr verändert, man muss sich ja nur mal die herrlichen Stadien anschauen. Alle haben Logen, unser Stadion hingegen ist reichlich in die Jahre gekommen. Damit will ich sagen: Wenn Sie keine perfekte Infrastruktur haben, ist es extrem kompliziert, in den ganz großen Fußball zurückzukommen. Wir arbeiten Schritt für Schritt daran und werden sehen, wo der Weg hinführt. Das Schöne ist, dass sich in der Lausitz einiges tut. Wir haben eine neue Universität in Cottbus, und die Deutsche Bahn schafft hier bis 2026 über 1.000 Arbeitsplätze.  

Herr Wollitz, letzte Frage: Mit der aktuellen Saison sind Sie zufrieden, wenn…

… wir den Klassenerhalt in der 3. Liga geschafft haben. (dco)

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