Saison gelaufen?

Im freien Fall: Werders erschreckende Wandlung vom Überraschungs- zum Krisenteam

Wut, Frust und Enttäuschung bei den Profis des SV Werder Bremen nach dem DFB-Pokal-Aus gegen Arminia Bielefeld.
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Wut, Frust und Enttäuschung bei den Profis des SV Werder Bremen nach dem DFB-Pokal-Aus gegen Arminia Bielefeld.

Der SV Werder Bremen befindet sich nach dem DFB-Pokal-Aus in einer schweren Krise. Wie konnten die Grün-Weißen eine gute Saison so verspielen?

Bielefeld/Bremen – Um auch wirklich auf Nummer sicher zu gehen, dass jedem einzelnen Spieler die große Bedeutung des Abends bewusst ist, hatten die Ultras des SV Werder Bremen vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale bei Arminia Bielefeld ganz tief in der Ahnengalerie gewühlt. Auf einem blockfüllenden Banner, das die Fans kurz vor dem Anstoß entrollten, waren die Bremer Pokalsieger von 2009 zu sehen. Baumann, Diego, Frings und Co. mit Trophäe, stilisiert dargestellt als Gemälde, ein goldener Rahmen drumherum. Garniert war das Ganze mit dem Slogan: „Auf geht’s Werder – Ihr könnt die nächsten sein“. Als das Spiel dann lief, war schnell klar: Nein, können sie nicht. Vor allem während der ersten Hälfte lieferte die Mannschaft von Cheftrainer Ole Werner einen in allen Belangen indiskutablen Auftritt ab und schied am Ende vollkommen verdient mit 1:2 gegen den Drittligisten aus. Erschreckend: Die sportliche Enttäuschung war am späten Dienstagabend nicht einmal Werders größtes Problem. Vielmehr offenbarten sich erneut große Spannungen im Binnenklima des Teams – das Gemälde „SV Werder Bremen 2025“, es hat auf der Bielefelder Alm weitere tiefe Risse bekommen. Dass nach dem Spiel dann noch einige Ultras aus dem Rahmen fielen, passte, nun ja, ins unschöne Bild.

Werder Bremens Clemens Fritz über erste Halbzeit bei Arminia Bielefeld: „Komplette Katastrophe“

Pflichtschuldig waren die Bremer Profis nach dem Abpfiff richtig Gästeblock geschlichen, um sich für den einmal mehr leidenschaftlichen Support zu bedanken. Was ihnen entgegenschlug, war die pure Wut. Bierbecher flogen in Richtung Mannschaft und Trainer, auch Stangen, die zuvor Teil der Choreografie gewesen waren, geworfen von einigen Unverbesserlichen. Es waren Szenen, wie es sie in dieser Form bei Werder Bremen, wenn überhaupt schon mal, dann sehr, sehr lange nicht mehr gegeben hatte. In Bielefeld standen sie am Ende sinnbildlich für die Frage: Was ist da bloß alles schiefgelaufen im Verein, der – nur zur Erinnerung – das Weihnachtsfest noch als Tabellensiebter gefeiert hatte?

„Es fällt mir gerade schwer, das zu erklären“, sagte Fußball-Chef Clemens Fritz nach der Partie, deren erste Hälfte er eine „komplette Katastrophe“ nannte und in der ihm insgesamt Intensität, Einsatzwille und Cleverness bei seinen Spielern fehlten. „Als Mannschaft haben wir aktuell nicht die Überzeugung in uns selbst, wie es noch im Dezember der Fall war“, hielt der Ex-Profi fest. In Zahlen liest sich das inzwischen so: Von neun Pflichtspielen im Jahr 2025 hat Werder Bremen sechs verloren, davon zuletzt vier in Serie. Sämtliche Träume von Europa oder dem Pokalendspiel sind binnen weniger Wochen nicht nur geplatzt. Sie sind regelrecht explodiert. Zwar hat das stete Fehlen von verschiedenen Leistungsträgern einen Teil dazu beigetragen. Als alleiniger Grund für den Absturz reicht es aber nicht aus.

Werder Bremens Leonardo Bittencourt redet sich nach DFB-Pokal-Aus gegen Arminia Bielefeld in Rage

„Was wir für Chancen wegschmeißen! Es regt mich am meisten auf, dass wir es nach der guten Hinrunde nicht geschafft haben, dranzubleiben. Keine Ahnung, warum. Vielleicht, weil wir denken, dass wir die Krassesten sind“, wetterte Leonardo Bittencourt, der nach seiner Einwechslung zur zweiten Hälfte den 1:2-Anschlusstreffer vorbereitet hatte und damit einer der ganz wenigen Lichtblicke im Spiel des SV Werder Bremen gewesen war. Mit deftigen Worten nahm sich der 31-Jährige danach seine Teamkollegen zur Brust: „Ich weiß nicht, was in manchen Köpfen los ist. Ich habe da langsam keinen Bock mehr drauf. Ich werde das jetzt alles klar ansprechen, und entweder marschieren die Jungs jetzt mit, oder wir gehen unter.“

Ganz so dramatisch drückte sich Werder Bremens Trainer Ole Werner zwar nicht aus, doch auch er konstatierte: „Man sieht in den Ergebnissen und Leistungen einen deutlichen Unterschied zu den Spielen vor der Winterpause. Dass wir aktuell eine schwierige Phase haben, ist unumstritten und offensichtlich.“ Zu Beginn des Jahres seien die Auftritte noch „ganz vernünftig“ gewesen, „da haben Kleinigkeiten gefehlt, um positive Ergebnisse zu erzielen“. Mittlerweile hat sich das aber zu einer handfesten Krise ausgewachsen, die der 36-Jährige bisher nicht stoppen konnte. Werner: „Wenn die Erfolgserlebnisse ausbleiben, lässt das Selbstvertrauen nach, der Kopf kommt dazu, und du verlierst ein paar Automatismen. In den letzten Spielen gehen wir dann auch mit Rückschlägen nicht gut um, wie man es in so einer Phase machen muss, um sich da wieder herauszuarbeiten.“ Zu den falschen Entscheidungen auf dem Platz kommen auch abseits davon zu viele hinzu, monierte der Coach: „Es gibt für uns eine Herausforderung, mit Rückschlägen richtig umzugehen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Momente, in denen wir uns zu schnell in den Keller reden. Wir haben es zuletzt nicht hinbekommen, in den richtigen Momenten das Richtige zu tun.“

Clemens Fritz betont, dass die Saison für Werder Bremen noch nicht gelaufen sei

Bis zum Bundesliga-Heimspiel gegen Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) bleibt Werder Bremen nun nicht viel Zeit, um die vielschichtigen Probleme in den Griff zu bekommen. Für Clemens Fritz gibt es nur einen Weg, auf dem das funktionieren kann. „Wir dürfen jetzt nicht die Schuld hin- und herschieben, weil wir alle in einem Boot sitzen. Es ist entscheidend, dass wir die Fehler klar ansprechen und dass wir dabei konstruktiv und lösungsorientiert miteinander diskutieren. Das Wichtigste ist, dass wir als Team zusammenbleiben.“ Denn gelaufen sei die Saison für Werder noch lange nicht. „Wir haben noch genügend Spiele, in denen es um Punkte geht, die für uns wichtig sind“, betonte Fritz. Bereits gegen Wolfsburg braucht sie Werder dringend. Damit das schiefhängende Bild „SV Werder Bremen 2025“ nicht irgendwann Gefahr läuft, von der Wand zu fallen. (dco)

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