Hess-Grunewald über Nicht-Berücksichtigung enttäuscht
Werder will das EM-Aus genau analysieren
Bremen - Natürlich war Hubertus Hess-Grunewald enttäuscht. Am Morgen hatte der Präsident und Geschäftsführer des SV Werder Bremen einen Anruf von DFB-Boss Reinhard Grindel bekommen.
Inhalt des Gesprächs: Bremen gehört nicht zu den zehn Standorten für die deutsche EM-Bewerbung 2024. Doch Hess-Grunewald reagierte fast schon etwas trotzig und brachte einen Ausbau des Weserstadions ins Gespräch, um beim nächsten Mal endlich nicht leer auszugehen.
„Wir müssen uns jetzt die Frage stellen, welche infrastrukturellen Mängel wir haben und was wir tun können, um den Menschen hier so ein Ereignis mal bieten zu können“, sagte Hess-Grunewald und betonte mit einem kleinen Seufzer: „Wir sind zum vierten Mal nicht berücksichtigt worden.“
EM-Aus: Das Weserstadion ist einfach zu klein
Der Grund dafür ist eindeutig: Es passen einfach zu wenige Menschen ins Weserstadion. Bei Bundesligaspielen sind es 42.100, bei internationalen Partien wegen des Wegfalls der Stehplätze in der Ostkurve nur noch 35.000. Alle anderen Bewerber hatten da mehr zu bieten. Grindel habe die Zuschauerkapazität als „das Kriterium für unsere Nicht-Berücksichtigung“ genannt, so Hess-Grunewald. Ansonsten sei die Bewerbung sehr stark gewesen.
Natürlich war sich Bremen dieses Makels bewusst. „Doch wir dachten, das mit anderen Faktoren kompensieren zu können, mit der tollen Lage des Weserstadions, mit einer Fanmeile im Viertel und der besonderen Atmosphäre hier“, erklärte Hess-Grunewald.
Daran soll sich nichts ändern, dafür möglicherweise aber etwas am Weserstadion. Hess-Grunewald dachte laut über einen Ausbau nach. „Technisch wäre es möglich“, sagte der Werder-Präsident. Ob dies allerdings im laufenden Betrieb gehen würde, müsse erst noch geprüft werden. Das gilt ganz gewiss auch für die Finanzierbarkeit.
Daran war beim letzten Umbau letztlich auch der Ausbau gescheitert. Wegen rasant gestiegener Stahlpreise, so die damalige Begründung, verzichtete Werder auf einen weiteren Zuschauerrang und beließ es bei einer Modernisierung und der Kapazität von rund 42 000. Das rächte sich nun.
Norden ist für Werder-Präsidenten „etwas zu kurz gekommen“
Werder ist bei der EM 2024 definitiv nicht dabei. Hannover auch nicht. Das überraschte Hess-Grunewald. Er war eigentlich davon ausgegangen, dass die Niedersachsen „unser größter Konkurrent“ sind. Der Norden sei nun allein mit Hamburg „etwas zu kurz gekommen“.
Doch Hess-Grunewald wollte die Entscheidung des DFB nicht zu sehr kritisieren. Das leidige Thema Polizeikosten habe jedenfalls keine Rolle gespielt. „Das hat mir Reinhard Grindel versichert, und es gibt keinen Grund, ihm das nicht zu glauben“, betonte Hess-Grunewald. Das Land Bremen liegt mit dem DFB und der Deutschen Fußball-Liga im Clinch, weil es überhöhte Polizeikosten bei Risikospielen in Rechnung stellt. Deswegen vergibt der DFB keine Länderspiele mehr nach Bremen. Dabei wird es auch bleiben, denn Grindel schloss aus, dass nicht berücksichtigten Standorte mit Auftritten des Weltmeisters getröstet werden.