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Bremen - Den versonnenen Blick in die Ferne hat er sich gespart. Als Claudio Pizarro am Dienstagmittag, gekleidet in Shorts und Shirt, den Innenraum des Weserstadions betrat, da verzichtete der Peruaner darauf, mit seinen Augen einmal die leeren Ränge abzufahren.
Pizarros Interesse galt vielmehr denen, die großes Interesse an ihm hatten. Ein nettes Lächeln für die Medienvertreter, das obligatorische Bild mit dem neuen Trikot, dann ging es wieder rein. Zwei, drei Minuten, viel länger dauerte das Foto-Prozedere nicht – denn während andere Neuzugänge die Gelegenheit nutzen, um sich mit anerkennendem Nicken einen ersten Eindruck vom Stadion zu machen, fiel dieser Punkt bei Pizarro aus. Der Mann weiß schließlich, wie sein Wohnzimmer aussieht. Er hatte es nur lange nicht mehr betreten.
Nun ist Pizarro zurück, bei Werder Bremen, bei seiner großen Liebe im Fußball. Eine allerletzte Saison möchte er seiner beeindruckenden Laufbahn noch hinzufügen – und dabei mithelfen, Werder wieder nach Europa zu führen.
Dieser Mann ist sechsfacher Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger, er hat die Champions League gewonnen, und da liegt es irgendwie auf der Hand, dass Claudio Pizarros Ziele mit Werder für die kommende Saison nicht eben klein sind. „Wir hoffen, dass wir das europäische Geschäft mal wieder erreichen können“, sagte der 39-Jährige, kurz nachdem er im Medienraum des Weserstadions Platz genommen hatte.
„Wird schon alles gut werden irgendwie“
Während sich Trainer Florian Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann beim Thema Saisonziel seit Wochen zieren, hat nun also der Altmeister gesprochen und die Messlatte verbal direkt Mal unter die Decke gehängt – wenn auch mit seinem berühmten Grinsen im Gesicht. Jenes Grinsen, das diesen Claudio Pizarro seit jeher in die Lage versetzt, auf eine sympathische Weise unverbindlich zu bleiben. Ein Grinsen, das andere durchaus anstecken kann – und irgendwie immer sagt: „Nehmt das doch alles nicht so ernst. Wird schon alles gut werden irgendwie.“ Es dürfte neben allen Toren und tollen Momenten auf dem Platz vor allem auch an dieser Ausstrahlung liegen, dass ihn die Fans ihn Bremen so mögen, nein, lieben, nein, noch besser: vergöttern.
„Der Empfang ist immer etwas Besonderes hier“, sagte Pizarro, der wissen muss, wovon er spricht, schließlich erlebt er gerade seinen fünften. Im Sommer 2017 hätte das niemand für möglich gehalten, am allerwenigsten wohl Claudio Pizarro selbst.
Weil der damalige Trainer Alexander Nouri keine sportliche Verwendung mehr für den Angreifer sah, musste Pizarro gehen. „Es ist vorbei“, habe er damals über die Beziehung mit Werder gedacht. „Und jetzt bin ich wieder da und hoffe auf ein gutes Jahr.“ Ein Jahr, das das letzte in Pizarros Fabel-Karriere sein soll.
104 Bundesliga-Tore für Werder (Vereinsrekord), 192 insgesamt (kein ausländischer Profi hat mehr) – diese Zahlen möchte der Stürmer weiter in die Höhe treiben. „Ich fühle mich gut und möchte der Mannschaft mit meinen Toren helfen“, sagte Pizarro – und bei diesem Satz klang schon mit, dass sich dieser knapp 40-Jährige keinesfalls nur als Mentor für die Nachwuchsstürmer sieht. „Ich werde versuchen, immer im Kader zu stehen“, betonte Pizarro, der bis zum Saisonstart bei 100 Prozent Fitness angekommen sein will. Nur dann, das weiß er, kann er dem vier Jahre jüngeren Kohfeldt („Er ist ein guter Trainer. Ich habe großen Respekt vor ihm“) stichhaltige Argumente liefern, ihn regelmäßig auf den Platz zu schicken.
Pizarro kann sich vorstellen, bei Werder zu bleiben
Denn genau das ist es, was dieser Pizarro will: spielen. Über die Zeit danach, das unausweichliche Karriereende, spricht er nur ungern. „Ich habe mich mit Werder mal darüber unterhalten und könnte mir vorstellen, dem Verein erhalten zu bleiben“, sagte er zwar, schob das Thema dann aber schnell wieder beiseite.
Zum Abschluss dann noch die Frage eines Journalisten, wie er sich mit knapp 40 Jahren eigentlich noch für die Spiele motiviere. Pizarro ließ das Gehörte kurz wirken, legte den Kopf schief und machte kurz den Eindruck, als habe er den Sinn dieser Wortmeldung nicht begriffen. „Ich habe einen Ball am Fuß. Mehr Motivation brauche ich nicht“, sagte er. Und grinste.