Werder gewinnt 1:0 gegen Hoffenheim
Werders Euro-Gier und Kohfeldts Appell
Sinsheim - So schnell geht das: Viele hatten Werder beim Thema Europa schon abgeschrieben, und nun sind die Bremer nach dem bemerkenswerten 1:0 (1:0)-Sieg bei 1899 Hoffenheim wieder voll im Rennen um Platz sieben.
Da ging der Blick natürlich schon Richtung Heimspiel am Samstag gegen RB Leipzig. „Ihr kennt mich und wisst, dass ich dieses Spiel unbedingt gewinnen will“, sagte Werder-Coach Florian Kohfeldt in einer Medienrunde, hielt kurz inne und ließ einen Appell folgen: „Wir haben jetzt schon 50 Punkte geholt und waren im Pokal-Halbfinale. Egal, wie das Spiel gegen Leipzig ausgeht, ich erwarte, dass danach das ganze Stadion applaudiert. Das hat sich diese Mannschaft absolut verdient.“
Wer das Spiel gegen Hoffenheim gesehen hatte, konnte das einmal mehr nur bestätigen. Die Grün-Weißen waren mal wieder mit einer enormen Leidenschaft, aber auch mit spielerischer Klasse zum Erfolg gekommen. Und das bei einer Mannschaft, die sogar noch von der Champions League träumen durfte. Damit aber nicht genug. Neben den verletzten Philipp Bargfrede und Fin Bartels sowie dem gesperrten Davy Klaassen war auch noch Max Kruse kurzfristig ausgefallen. Nach 24 Minuten humpelte zudem Theodor Gebre Selassie vom Platz. Nach einer Stunde schaffte es ein völlig erschöpfter, weil leicht erkrankter Milot Rashica nur noch mit Mühe zur Bank.
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„Halbe Stammelf“ fehlte - Andere übernehmen Verantwortung
„Die halbe Stammelf war nicht mehr da“, stöhnte Kohfeldt und lobte dann in Richtung des Rests: „Das war eine wahnsinnige Teamleistung.“ In Kruse, Klaassen und Bargfrede fehlte quasi das Herz dieser Mannschaft, doch dafür sorgten dann eben Yuya Osako, Kevin Möhwald und Nuri Sahin als direkte Vertreter für den nötigen Puls. Und Maximilian Eggestein übernahm noch mehr Verantwortung. „Er war ein Anführer“, schwärmte Kohfeldt.
Allerdings hatte Werder nach gutem Beginn erstmal eine schwierige Phase zu überstehen, in der die Hoffenheimer der Führung ganz nahe waren. Doch auch im letzten Heimspiel von Trainer Julian Nagelsmann, der zu RB Leipzig wechselt, ließen die Gastgeber wieder gute Chancen liegen – die beste hatte Andrej Kramaric, der den Pfosten traf (38.).
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Fast im Gegenzug wurde das bitterböse bestraft – und nicht nur das: Keeper Oliver Baumann hatte den Ball mit einem Larifari-Pass hergeschenkt. Erst konnte er gegen Johannes Eggestein noch parieren, dann war er aber nach einer Flanke von Rashica und einem Kopfball von Johannes Eggestein machtlos (39.). „Ich bin froh, dass ich nach der ersten Chance nicht abgeschaltet habe“, freute sich der Torschütze.
Werder ließ sogar noch das 2:0 durch Maximilian Eggestein folgen. Doch Schiedsrichter Bastian Dankert nahm den Treffer zurück, nachdem ihn Video-Assistentin Bibiana Steinhaus zum Bildschirm an den Spielfeldrand geschickt hatte. Dort war deutlich zu sehen, dass bei der Entstehung der Torchance Johannes Eggestein im Luftkampf mit Bicakcic regelwidrig den Arm eingesetzt hatte (44.). „Wenn der Schiedsrichter sich das anguckt, dann muss er das so entscheiden“, urteilte Kohfeldt. Nach der Pause wurde es immer hitziger. Hoffenheim drängte auf den Ausgleich, hatte aber drei Probleme: die starke Werder-Abwehr, einen grandiosen Keeper Jiri Pavlenka und die eigene Ballverliebtheit. Auf der anderen Seite verpasste Osako gleich mehrfach die Entscheidung.
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Gegen Leipzig Endspiel einer bemerkenswerten Saison
Am Ende war es eine reine Willensleistung. „Die Hälfte der Mannschaft hat signalisiert, dass es eigentlich nicht mehr geht“, berichtete Sportchef Frank Baumann und fügte mit einem breiten Grinsen an: „Das zeigt doch, dass sie alles gegeben haben.“ Und das machte vielleicht auch den Unterschied an diesem Nachmittag aus, diese Portion mehr Wille. „Wir haben eben eine intakte Mannschaft“, betonte Möhwald und jubelte: „Es ist so geil, dass es im letzten Spiel noch um etwas geht.“ Nämlich um Europa, um Platz sieben, der die Teilnahme an der Qualifikation zur Europa League bedeutet. Drei Runden müsste Werder im Sommer überstehen, um dann in der Gruppenphase dabei zu sein.
So weit denkt aber noch niemand. „Wir müssen erstmal gegen Leipzig unsere Hausaufgaben machen“, meinte Möhwald. Nur wenn Werder gewinnt und gleichzeitig Wolfsburg (gegen Augsburg) und Hoffenheim (in Mainz) nicht siegen, ist das im vergangenen Sommer so mutig verkündete Saisonziel erreicht. „Wir werden im letzten Spiel noch mal alles raushauen. Das Stadion wird brennen“, kündigte ein euphorisierter Möhwald an. Und sein Trainer freute sich auf eine super Woche. „Ich hatte schon Angst, dass ich mir überlegen muss, ob wir Dienstag Eckchen oder Fußball-Tennis spielen“, sagte Kohfeldt und lachte. Jetzt gibt es kein lockeres Ausklingen der Saison, sondern das Endspiel einer bemerkenswerten Spielzeit. Und für Kohfeldt steht der Sieger schon fest: seine Mannschaft.