Werder in Schlagdistanz
Werder und Europa: „Ich weiß, wovon gerade geträumt wird“
Noch drei Bundesliga-Spieltage - und der SV Werder Bremen ist in Schlagdistanz zu den europäischen Plätzen. Träumen also erlaubt? Nachgefragt bei Werders zukünftigem Geschäftsführer Clemens Fritz.
Bremen – Drei Punkte bis Platz sieben, nur zwei bis Rang acht – der SV Werder Bremen ist drei Spieltage vor dem Saisonende ganz dicht dran an Europa. Vorausgesetzt, Meister Leverkusen holt den DFB-Pokal und/oder die deutschen Teams sichern den zusätzlichen Platz in der Champions League ab. „Ich weiß, wovon gerade geträumt wird“, sagt Clemens Fritz im Gespräch mit der DeichStube, fügt aber umgehend an: „Vor zehn Tagen war die Stimmung hier noch eine andere.“ Da wurde an der Weser noch der Absturz in den Tabellenkeller und das große Zittern befürchtet. Nach den unerwarteten Siegen gegen den VfB Stuttgart und beim FC Augsburg darf nun geträumt werden. Aber wie realistisch ist eigentlich Werders Rückkehr auf die europäische Bühne nach über 14 Jahren?
Werder Bremen auf Kurs Europa? Das sagt Clemens Fritz
„Die Jungs haben in den letzten beiden Spielen gesehen, was alles möglich ist, wenn wir an unsere Leistungsgrenze kommen“, betont Fritz und lässt durchaus Optimismus durchblicken. Doch insgesamt geht der Ex-Profi die Situation lieber etwas nüchterner an, nutzt die üblichen Allgemeinplätze, um die Ausgangslage zu beschreiben: „Wir müssen die Spannung unbedingt hochhalten und uns auf das nächste Spiel fokussieren, um auch am Samstag gegen Gladbach (15.30 im DeichStube-Liveticker) erfolgreich zu sein. Es sind noch drei Spiele zu absolvieren und da wollen wir so viele Punkte wie möglich holen. Dann werden wir sehen, was unterm Strich rauskommt.“
Aktuell belegt Werder Bremen mit 37 Punkte Rang elf. Bis zur ganz sicheren Qualifikation auf Rang sechs, den Eintracht Frankfurt einnimmt, sind es acht Zähler. Dieser Rückstand ist in drei Spielen kaum aufzuholen. Der SC Freiburg (40 Punkte), der FC Augsburg (39) und die TSG Hoffenheim (39) sind dagegen in absolut realistischer Reichweite. Und der 1. FC Heidenheim steht nur aufgrund der etwas besseren Tordifferenz (ein Treffer) vor den Bremern. Das könnte also ein richtig heißer Kampf um Europa werden. Werder genießt dabei den Vorteil von zwei Heimspielen – und das gegen zwei Teams aus der unteren Tabellenhälfte: Am Samstag kommt Borussia Mönchengladbach ins Weserstadion, zwei Wochen später der VfL Bochum. Dazwischen liegt das Gastspiel bei Champions-League-Anwärter RB Leipzig. Das ist die auf dem Papier sicherlich schwierigste Aufgabe für Werder. Doch die Grün-Weißen haben in dieser Saison mehrfach gezeigt, dass sie Topteams ein Bein stellen können. In München wurde gewonnen, genauso wie daheim gegen Stuttgart – und im Hinspiel gab es ein 1:1 gegen Leipzig. Alles ist möglich! Und im Endspurt einer Saison gilt das umso mehr.
Werder Bremen und der Europapokal: So könnte es tatsächlich klappen
Beim Blick auf das Restprogramm der Konkurrenz fällt auf, dass der FC Augsburg die größten Hürden zu überspringen hat. Die Schwaben müssen noch gegen Dortmund, Stuttgart und Leverkusen antreten. Auch Hoffenheim bekommt es mit zwei Topteams zu tun: Leipzig und Bayern. Dazwischen dürfen die Kraichgauer aber bei Absteiger Darmstadt ran. Freiburg und Heidenheim treffen in gut einer Woche noch direkt aufeinander. Die Breisgauer sind dazu noch gegen Köln und Union Berlin gefordert, bei Heidenheim stehen Mainz und Köln auf dem Spielplan. Aber ist es am Saisonende wirklich besser, gegen abstiegsbedrohte Teams zu spielen als gegen Spitzenmannschaften? Ausschlaggebend könnte auch sein, wann im Kampf um die Champions-League-Plätze und den Abstieg schon Entscheidungen fallen. Andererseits geht es auch stets ums liebe Geld – bei den Profis um Siegprämien, bei den Clubs um TV-Einnahmen, die bei einer besseren Platzierung steigen. Da lässt sich eigentlich keiner freiwillig eine gute Chance entgehen – und Werder Bremen hat gerade tatsächlich eine richtig gute Chance, den Euro-Coup zu landen. Ob das verdient und auch letztlich gut für den Club wäre, ist dabei eine ganz andere Geschichte. kni