Jetzt auch ganz offiziell: „Wir wollen nach Europa“
Werders Europa-Ziele sorgen für neuen Anreiz
Bremen - Der Geist war schon längst aus der Flasche, die Spieler hatten schließlich am Verschluss gedreht und herausgelassen, was aus ihrer Sicht raus musste. Saisonziel Europa – das ist das, was alle wollen bei Werder Bremen.
Seit Donnerstag ist dieses Ziel auch mit dem Siegel und Segen der sportlichen Leitung versehen. „Wir wollen nach Europa“, verkündete Sportchef Frank Baumann auf der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Auftaktspiel gegen Hannover 96 (Samstag, 15.30 Uhr, Weserstadion). Es ist ein Ziel, mit dem sich Werder Bremen selbst und endgültig aus der Depression der vergangenen Jahre befreien will.
Psychotrick, Therapie – man kann es nennen, wie man will. Auf jeden Fall denken sich die Bremer sehr viel dabei, nach von Abstiegskampf und kurzzeitigen Aufschwüngen geprägten Jahren wieder das obere Tabellendrittel anzupeilen. „Es ist ein ambitioniertes Ziel“, gibt Baumann zu, „aber es ist kein unrealistisches Ziel.
Kohfeldt: „Werden uns daran messen lassen müssen“
Die Mannschaft hat unter der Führung von Florian Kohfeldt bewiesen, dass die nötige Qualität in ihr steckt.“ In der Rückrundentabelle der vergangenen Saison belegte Werder immerhin Platz fünf. Dieser Trend soll nun mitgenommen werden in die neue Saison. Und aus dem Aufschwung soll ein Dauerzustand werden.
„Wir werden uns alle an dieser Zielsetzung messen lassen müssen“, sagt Coach Kohfeldt. Und genau darum geht es ihm bei der ganzen Sache. Niemand sagt, dass Werder wirklich schon zu den sechs besten Mannschaften der Liga gehört, niemand sagt, dass ohne internationales Geschäft eine Welt zusammenbricht in Bremen.
Aber was Kohfeldt erreichen will, ist dies: Niemals nachlassen! Der Coach erklärt: „Es geht bei dieser Zielsetzung um den Effekt bei uns. Wir wollen nach etwas streben, nicht etwas verwalten. In den vergangenen Jahren wurden meistens weiche Ziele gesetzt. Es hieß: ,Wir wollen den nächsten Schritt machen’. Intern hatten wir das Gefühl, dass der richtige Anreiz gefehlt hat. Jetzt haben wir uns ein echtes Erreichungsziel gesetzt.“
Das sei nun Motivation und Verantwortung zugleich. Und vor allem: Das Ziel ist der Mannschaft nicht übergestülpt worden, sondern kam aus der Mannschaft heraus. Behauptet jedenfalls Kohfeldt: „Es ist in Absprache mit den Spielern, aber auch auf Wunsch der Spieler so formuliert worden.“ Philipp Bargfrede, Mitglied des Mannschaftsrates, bestätigt: „Wir haben darüber gesprochen. Wir stehen jetzt in einer Verpflichtung – und das kann uns nur weiter antreiben. Wir wissen, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben, die das Ziel auch erreichen kann.“
Ein guter Saisonstart ist wichtig
Was, wenn nicht? Die Gefahr ist gegeben, dass sich Werder Bremen mit den forsch formulierten Ambitionen den Mund verbrennt. „Wenn wir die ersten fünf Spiele verspielen, ist das hier alles Nonsens“, sagt auch Kohfeldt. Aber das Risiko geht das Team samt Trainerriege und Geschäftsführung ein. Der Trainer verdeutlicht auch, dass Anspruch und Wirklichkeit durchaus mal durcheinander poltern können.
Europa anzuvisieren, heißt nicht, „dass wir 34 Spieltage Hurra-Fußball bieten werden“, so Kohfeldt. Diese Erwartungshaltung zu haben, sei falsch. Und konkret auf die Partie gegen Hannover 96 gemünzt: „Ich wäre hochzufrieden, wenn wir in der 80. Minute 1:0 führen. Nach 20 Minuten beim Stand von 0:0 als Fan enttäuscht zu sein, das wäre fehlender Realitätssinn.“ Einen Sieg zu erwarten, sei aber okay, meint Mittelfeldmann Bargfrede: „Bei einem Ziel wie unserem ist es wichtig, gut in die Saison zu starten.“ Und gut weiterzumachen.
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