Füllkrug köpft Deutschland zum Gruppensieg
„Hilft natürlich, wenn du Spieler einwechseln kannst, die gewisse Waffen mitbringen“: Ex-Werder-Star Füllkrug stellt bei EM neuen Rekord auf
Niclas Füllkrug hat die DFB-Elf gegen die Schweiz mit einem Last-Minute-Tor zum Gruppensieg geköpft. Dabei stellte der Ex-Profi des SV Werder Bremen einen neuen Rekord auf.
Frankfurt/Main – Das Datum passte nicht exakt, aber das war auch gar nicht so schlimm. Als Deutschland am 14. Juni 2006 kollektiv das Sommermärchen genoss, ließen die beiden eingewechselten Nationalspieler David Odonkor und Oliver Neuville mit dem spät herausgespielten 1:0 gegen Polen das Dortmunder Westfalenstadion beben. Nun, etwas mehr als 18 Jahre später, erlebte das DFB-Team den nächsten erlösenden Moment, wieder hatten zwei Akteure von der Bank dafür gesorgt: David Raum und Niclas Füllkrug, Ex-Profi des SV Werder Bremen. „Ich freue mich, dass wir heute auch solch einen Impact hatten“, meinte der 31-Jährige glücklich, der mit seinem Treffer zum 1:1 gegen die Schweiz in Frankfurt nicht nur den Gruppensieg sicherte, sondern gleichzeitig noch einen ganz besonderen Rekord aufstellte.
Niclas Füllkrugs Länderspielkarriere kam bekanntlich erst spät ins Rollen, kurz vor der Weltmeisterschaft in Katar hatte er für Deutschlands Eliteauswahl debütiert. Das Turnier wurde für den DFB zur Enttäuschung, Füllkrug war einer der wenigen Lichtblicke – auch weil er Tore erzielte. Und bei der jetzigen EM eben schon wieder. Vier Jokertore hat er inzwischen angehäuft, kein anderer deutscher Spieler hat es in der langen Historie auf mehr gebracht. „Vier Tore sind vier Tore. Ob du nun viel oder wenig Zeit brauchst, ist am Ende egal. Aber es ist schön, da freue ich mich drüber, denn das wusste ich noch nicht“, erklärte der gebürtige Hannoveraner, als er auf die neue Bestmarke angesprochen wurde.
Werder Bremens Ex-Profi Niclas Füllkrug stellt Joker-Rekord beim DFB auf
Und mit seinem Last-Minute-Treffer hat er zweifelsfrei Eigenwerbung betrieben, damit er im Achtelfinale am kommenden Samstag (21 Uhr) vielleicht doch von Beginn an auf dem Rasen steht. Mit seinem aktuellen Bankplatz hat sich der Ex-Profi des SV Werder Bremen dennoch erst einmal arrangiert. „Das ist alles ganz normal. Jeder gibt im Training Vollgas und versucht, sich anzubieten“, sagte Niclas Füllkrug. „Der Trainer hat sich bisher dreimal für die gleiche Startelf entschieden und er hat das natürlich auch mit einem gewissen Hintergrund gemacht. Heute haben wir ein bisschen was verändert in der Art und Weise, wie wir spielen, hatten eine andere Positionierung. Grundsätzlich haben wir sehr dominant gespielt, hatten aber Schwierigkeiten, zu hundertprozentigen Torchancen zu kommen. Es hilft dann natürlich, wenn du Spieler einwechseln kannst, die gewisse Waffen mitbringen.“
So wie eben einen kopfballstarken Niclas Füllkrug. Der sich im Startelf-Wettrennen mit Kai Havertz unter Bundestrainer Nagelsmann ein wenig in einem Sturm-Dilemma befindet. „Für ihn ist das Freud und Leid zugleich, dass er die Rolle als Joker so toll erfüllt“, sagte der Coach und ergänzte mit Blick auf die Chance auf einen Einsatz in der Anfangsformation: „Die hat er, die hat Kai genauso.“ Füllkrug lobte derweil seinen Vorlagengeber. „David Raums Flanken sind zum Beispiel eine solche Waffe. Seine Flanken sind einfach prädestiniert für einen Kopfball. Das liebe ich.“
Werder Bremen-Ex-Profi Niclas Füllkrug über sein Tor: „Es war ein ganz wichtiger Moment“
Genauso wie die Ekstase nach dem Ausgleichstor in der Mainmetropole. „Es war ein ganz wichtiger Moment – für das Land, für uns Spieler. Alle haben an der Eckfahne gefeiert, das ist toll“, betonte der Ex-Werder-Star. „Sowas schafft Erinnerungen und positive Gefühle. Das kann für uns ein Knackpunktmoment als Team gewesen sein. Es ist wichtig für eine Mannschaft, zu wissen, dass das Spiel erst vorbei ist, wenn abgepfiffen ist. Wenn du einmal diese Situation erlebt hast, dass du etwas drehen kannst, dann denkst du auch im nächsten Spiel daran, falls es so sein sollte, dass du ein spätes Tor brauchst.“
Und wer weiß, vielleicht wird schon am kommenden Wochenende wieder ein Niclas Füllkrug als Retter gebraucht. „Ich freue mich jetzt riesig auf ein Achtelfinale in Dortmund, denn das dürfte ein großer Heimvorteil für uns sein.“ Dort, wo sein aktueller Club, der BVB, zu Hause ist. Und dort, wo Oliver Neuville und David Odonkor einst deutsche Fußballgeschichte schrieben. (mbü)