DeichStube-Gespräch
„Unser Humor verbindet uns am meisten“: Werder-Profi Felix Agu im Interview über seine Freundschaft zu Njinmah, sein Comeback und internationale Träume
Felix Agu spricht im DeichStube-Interview über sein Comeback nach langer Verletzungspause, internationale Träume mit dem SV Werder Bremen und die Freundschaft zu Justin Njinmah.
Bremen – Als Felix Agu zum Interview-Termin mit der DeichStube erscheint, hat er ein Lächeln im Gesicht. Und das verwundert keineswegs, schließlich hat der 24-Jährige derzeit allen Grund zur Freude: Nach einjähriger Verletzungspause hat sich der gebürtige Osnabrücker eindrucksvoll zurückgemeldet und sich in den vergangenen Wochen einen Stammplatz auf der linken Außenbahn erarbeitet. Vor Werders Auswärtsspiel bei Union Berlin (Samstag, 15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) spricht Agu mit der DeichStube über sein geglücktes Comeback, seine Freundschaft zu Justin Njinmah, das Gefühl, endlich wieder schmerzfrei zu sein und er verrät, wie Ole Werner und Clemens Fritz einen Wechsel im vergangenen Jahr verhinderten.
Felix Agu, Sie haben im Hinspiel gegen Union Berlin Ihr lang ersehntes Comeback nach der Knieverletzung gefeiert. Wie gerne erinnern Sie sich daran?
Es war total schön. Wir haben die Partie gewonnen, ich bin in den letzten Minuten reingekommen und wurde super herzlich begrüßt – so laut habe ich meinen Namen glaube ich noch nie gehört. Es war einfach geil, nach so einer langen Zeit mal wieder den Bundesliga-Rasen zu betreten.
Felix Agu im DeichStube-Interview: So hat er sich bei Werder Bremen zurückgekämpft
Müssen Sie sich nach der gefühlt ewig langen Verletzung eigentlich manchmal kneifen, dass Sie jetzt plötzlich Bundesliga-Stammspieler sind?
Ja, schon, weil es so schnell ging. Letztlich habe ich während meiner Verletzungszeit aber immer gedacht: Wenn ich wieder schmerzfrei bin, weiß ich, dass ich auf einem guten Level zurückkommen werde. Ich habe immer versucht, mir vor Augen zu führen, dass ich es schaffen kann.
Was ist es für ein Gefühl, jetzt wieder einfach Fußball spielen zu können, ohne permanent in seinen Körper reinzuhorchen?
Das ist schon eine 180-Grad-Wendung. Vor meiner Pause bin ich morgens aufgestanden und habe nur gedacht: Wie kriege ich heute das Training rum? Anstatt mich darauf zu konzentrieren, was ich verbessern kann. Nach dem Training mal ein paar Extra-Torschüsse oder Flanken mit den Jungs einzubauen, daran war zu der Zeit kaum zu denken. Es war alles ausschließlich darauf ausgerichtet, dass ich es irgendwie ins nächste Training schaffe. Das ist jetzt natürlich etwas ganz Anderes. Ich kann mich wieder auf die Dinge auf dem Platz fokussieren und im Training Vollgas geben. Der Spaß ist einfach zurück.
Sie haben unter der Woche individuell trainiert, warum?
Wenn man aus so einer langen Verletzung kommt und dann so viel spielt wie ich in den letzten Wochen, dann ist es immer noch ein Anpassungsprozess. Wir achten mit der medizinischen Abteilung darauf, dass ich nicht komplett überpace. Dann sage ich lieber: Okay, du gehst heute vielleicht mal einen Tag nicht mit raus. Ich versuche, generell viel Training für die Beine zu machen, damit ich in dem Bereich stabil bleibe. Dann bin ich auch viel auf der Physio-Bank, sodass ich auch da gut aufgestellt bin und nichts weglasse.
Ihr Kumpel und Teamkollege Milos Veljkovic fiel zuletzt auch lange mit Knieproblemen aus. Wie sehr freuen Sie sich über seine Rückkehr?
Wir haben tatsächlich gerade erst darüber gescherzt, ob wir diese Saison überhaupt schon mal wirklich zusammengespielt haben (lacht). Er ist jetzt im letzten Spiel ja mal wieder eingewechselt worden, da war ich noch fünf Minuten drauf und davor waren es vielleicht mal zehn Minuten oder so. Wir hoffen natürlich, dass wird bald mal wieder länger zusammenspielen.
Im Training unter der Woche fiel besonders auf, wie häufig er Sie immer wieder lautstark motiviert hat. Inwieweit ist er ein Mentor für Sie bei Werder?
Das ist für mich eigentlich gar nichts Neues, dass er mich häufig pusht. Das macht er schon vom ersten Tag, seit ich hier bin. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass das nur bei mir so ist, sondern dass Milos versucht, vielen jungen Spielern unter die Arme zu greifen, ihnen Mut zu geben. Mir hat es auch immer geholfen, jemanden zu haben, der mir viele Anweisungen gibt und mir mit seiner Erfahrung weiterhelfen kann. Auch neben dem Platz hat er mir gerade am Anfang viel geholfen, um mich hier gut einzuleben. Das hilft auch auf dem Platz, wenn man sich gut versteht.
Einer mit dem Sie sich augenscheinlich auch sehr gut verstehen, ist Justin Njinmah. Was verbindet Sie mit ihm?
Wir haben definitiv denselben Humor (grinst). Wir lachen viel über die gleichen Dinge.
Über was denn zum Beispiel?
(lacht) Das sind ganz viele kleine lustige Sachen, die ich hier gar nicht verraten will. Schon bevor wir uns kennengelernt haben, hatten wir zwei gemeinsame Freunde. Justin saß von Anfang an in der Kabine neben mir. Letztens haben wir herausgefunden, dass unsere Väter aus derselben Stadt in Nigeria kommen. Das war auch eine Überraschung! Und wir können den ganzen Tag lang über irgendwelche Sachen lachen. Unser Humor verbindet uns am meisten. Auch auf dem Platz verstehen wir uns sehr gut und haben schon viele gute Spiele zusammen erleben dürfen. Das schweißt uns immer weiter zusammen.
Felix Agu im DeichStube-Interview: Daran muss ich beim SV Werder Bremen noch arbeiten
Sie gelten beide als modebewusst. Wer hat denn den besseren Style – Sie oder Justin?
Ich achte schon darauf, was ich anziehe. Aber es ist für mich auch nicht wahnsinnig wichtig, dass ich die ausgefallensten Stücke trage oder dass mein Style richtig auffällig ist. Ich bin gerne auch mal ganz schwarz oder schlicht gekleidet. Deswegen kann ich den Punkt schon Justin geben. Er ist da, wie er sagen würde, schon noch ein bisschen mehr auf den Flair aus. Von daher gönne ich ihm das gerne.
Sie haben in den vergangenen 14 Partien immer gespielt, standen zuletzt zehn Mal in Folge in der Startelf. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Entwicklung und Ihren gezeigten Leistungen?
Ich glaube, dass ich es gut gemacht habe, als ich reingekommen bin. Ich habe die Chancen, die mir der Trainer gegeben hat, genutzt, um mich in die Mannschaft zu spielen. Natürlich sind die Ergebnisse in den letzten Partien ein bisschen ausgeblieben und es gibt sicherlich auch in meinem Spiel noch Verbesserungspotenzial, aber daran arbeiten wir Woche für Woche.
Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?
Generell hat bei uns zuletzt das Spiel im letzten Drittel nicht immer so richtig funktioniert. Wir sind zwar oft gut in die Räume reingekommen, aber haben es dann meist nicht vernünftig zu Ende gespielt. Und wenn wir es gut gespielt haben, wie in Hoffenheim, dann haben wir die Situationen zu selten genutzt. Auch wenn ich an meine beiden Chancen denke. Da gibt es auch bei mir noch Luft nach oben. Ich weiß, dass ich vielleicht noch ein bisschen torgefährlicher werden und den letzten Ball noch besser an den Mann bringen kann. Wenn ich insgesamt zurückgucke, bin ich aber zufrieden mit meinen Leistungen.
Wie gehen Sie mit solchen vergebenen Torchancen um – schnappen Sie sich dann im nächsten Training die Bälle und üben Torabschlüsse?
Das habe ich tatsächlich gemacht (lacht). Aber vergebene Chancen sind jetzt nichts, wo ich lange mit hadern sollte. Ich muss einfach weiter in die Räume reingehen, dann kommt auch wieder ein Ball durch. Ich glaube, ich tue gut daran, nicht zu viel darüber nachzudenken, dass der Ball jetzt unbedingt rein muss, sondern konzentriere mich lieber wieder auf den Abschluss.
Schauen Sie sich eigentlich gerne etwas von Mitspielern wie Mitchell Weiser oder Olivier Deman ab?
Grundsätzlich würde ich sagen, sind Mitch und ich oder auch Oli und ich schon ziemlich unterschiedliche Spielertypen, von daher ist das eher schwierig. Was ich aber schon manchmal bei Mitch versuche mitzunehmen, ist sein Mut. Wenn bei ihm eine Aktion überhaupt nicht klappt, nimmt er sich in der nächsten Aktion wieder den Ball und geht genauso selbstbewusst wieder rein. Er macht sich überhaupt keine Gedanken darüber, dass gerade davor etwas schiefgegangen ist. Das ist etwas, woran ich auch arbeite, nicht zu sehr mit Fehlern zu hadern. Aber ich sage jetzt nicht: Ich will dribbeln wie Mitch oder mit links flanken wie Oli, dafür sind wir zu verschieden.
Sie gehen im Sommer in Ihr letztes Vertragsjahr. Gab es schon Gespräche über eine mögliche Verlängerung?
Nein, konkrete Gespräche hatten wir bis jetzt noch nicht. Es ist wahrscheinlich ein Thema in Richtung Sommer, gerade auch, weil ich jetzt wieder angefangen habe zu spielen.
Vor wenigen Monaten mussten Sie verletzungsbedingt sogar um den Fortbestand der Karriere zittern. Machen Sie sich vor diesem Hintergrund jetzt eher Sorgen um Ihre Zukunft?
Ich mache mir schon Gedanken über meine Zukunft, klar. Aber ich zittere jetzt nicht bei dem Gedanken daran, in mein letztes Vertragsjahr zu gehen.
Zuletzt hat Fortuna-Manager Klaus Allofs der DeichStube verraten, dass er und Coach Daniel Thioune Sie im vergangenen Sommer sehr gerne nach Düsseldorf geholt hätten. Was macht das mit Ihnen, wenn sich andere Clubs für Sie interessieren?
Das war eine außergewöhnliche Situation, weil ich damals frisch aus meiner Verletzung kam. Ich war zu dem Zeitpunkt zehn Monate lang raus und dann hat Düsseldorf kurz vor Ende des Transferfensters gesagt, dass sie mich gerne ausleihen würden. Ich war da aber noch gar nicht richtig fit, sodass das für mich schwer zu entscheiden war. Aber letztlich hat Werder mir die Entscheidung dann abgenommen, weil sie gesagt haben: Nein, wir wollen dich behalten.
Wie lief das ab?
Ich habe mit Clemens Fritz und Ole Werner gesprochen und sie haben klar dafür plädiert, dass ich hierbleibe, richtig fit werde, die Testspiele nutze und wir dann schauen, wie ich zurückkomme. Am Ende ist es gut gelaufen, sonst hätte man im Winter nochmal gucken können, ob eine Leihe Sinn ergeben hätte. Zu dem Zeitpunkt hat es mich trotzdem glücklich gemacht, dass ein Verein auf mich zugekommen ist und gesagt hat: Hey, wir glauben an das, was du vor deiner Verletzung gezeigt hast und wollen dich, um dabei zu helfen, unser Ziel, den Aufstieg, zu schaffen. Und das, obwohl ich vorher zehn Monate lang komplett weg vom Fenster war. Das war ein schönes Gefühl.
Haben Sie Träume, wo sie unbedingt noch einmal in ihrer Karriere spielen möchten?
Irgendwann würde ich gerne mal in der Premier League spielen, weil es meiner Meinung nach die beste Liga ist mit den ganzen Möglichkeiten, die die Vereine dort in England haben. Die Premier League hat einfach ein gewisses Flair.
Werder Bremen und der Traum von Europa - das sagt Felix Agu im DeichStube-Interview
Und wie wäre es in der kommenden Saison mit Werder im Europapokal zu spielen?
Natürlich wäre das auch ein Traum. Es ist jetzt erstmal wieder ein bisschen weiter weggerückt, aber generell ist es einfach schöner, in der Tabelle nach oben zu gucken und so ein Ziel zu verfolgen als immer nach unten zu gucken. Und zu sagen: Boah, wir dürfen jetzt bloß nicht verlieren und diesen Zwölf-Punkte-Vorsprung noch verspielen. Dann sagen wir lieber: Okay, wir versuchen unsere Spiele zu gewinnen und ranzuklettern. Was am Ende dabei rumkommt, wird man sehen.
Sie haben für die deutsche U21-Nationalmannschaft gespielt und hätten durch ihren Vater auch die Möglichkeit, für Nigeria zu spielen. Ist die Nationalmannschaft noch ein großes Ziel?
Ja, auf jeden Fall. Nationalspieler zu werden, ist der Traum jedes Fußballers. Ich habe jetzt auch den Afrika-Cup verfolgt, leider hat Nigeria es nicht ganz geschafft zu gewinnen. Aber das sah schon gut aus und sie sind eine der Top-Mannschaften in Afrika. Da wäre es natürlich eine Ehre, für das Land zu spielen. In letzter Zeit hat sich aber niemand bei mir gemeldet, deswegen tue ich ganz gut daran, mich weiterhin auf Werder zu fokussieren und hier meine Leistungen zu bringen.
Sie zählen mit einem gemessenen Sprint von 34,74 km/h in der laufenden Saison zu den schnellsten Spielern der Bundesliga. Neben Justin Njinmah ist nur noch ein weiterer Teamkollege schneller gelaufen als Sie. Wissen Sie wer?
Ja (lacht). Senne ist einfach schneller als ich. Ich weiß nicht, ob die Kameras da richtig funktionieren (lacht). Es kommt im Spiel ja auch immer viel darauf an, hast du jetzt gerade viel Kraft? Wenn ich selber Fußball gucke, sieht man von außen meistens gar nicht so wirklich, ob ein Spieler gerade bei 100 Prozent ist oder ob er unmittelbar vorher auch einen Sprint gemacht hat. Dann hast du natürlich eine andere Kraft in deinem Sprint, als wenn du eine Minute lang gerade einfach stehen konntest. Und es kommt immer darauf an, wie lang und frei dein Sprint ist. Ich hoffe einfach, dass ich am Ende der Saison mindestens Zweitschnellster bei uns bin. Die 35-km/h-Marke würde ich schon ganz gerne noch knacken. (mwi)