Jobsicherung für den Coach in zwei Akten
Baumann: Keine Garantie, aber auch kein Ultimatum für Nouri
Bremen - Der DFB-Pokal! Er ist der Bremer liebstes Kind. Sechsmal hat der SV Werder den „Pott“ gewonnen und dabei Unvergessliches erlebt und geleistet.
Der Wettbewerb hat sich mit jedem großen Moment tiefer in die DNA des Clubs gewühlt – doch plötzlich scheint der DFB-Pokal zu einem lästigen Übel zu werden. Vor dem Zweitrundenspiel am Mittwoch gegen 1899 Hoffenheim (20.45 Uhr, Weserstadion) hat es den Anschein, als würden die Bremer Gedanken gar nicht erst an dieser Partie hängen bleiben, sondern gleich weiter Richtung Sonntag ziehen. Richtung Bundesliga-Spiel gegen den FC Augsburg. Dieses Match, sagte Kapitän Zlatko Junuzovic, „ist wichtiger“. Umkehrschluss: Hoffenheim ist unwichtig?
Es wäre sogar nachvollziehbar, wenn die Bremer so denken würden. Denn natürlich löst das Abstiegsszenario größere negative Gefühle aus, als die Aussicht auf einen eventuellen siebten Pokaltriumph positive Emotionen wecken kann. Selbst Sportchef Frank Baumann vergleicht und tendiert in punkto Bedeutung klar zur Augsburg-Aufgabe: „Ein sehr wichtiges Spiel, in dem wir unter Druck stehen, Punkte holen zu müssen. Die Bundesliga ist unser Hauptwettbewerb. In ein Pokalspiel gehen wir nicht mit dem ganz großen Druck.“ Der 41-Jährige sagt aber auch, „dass wir nichts verschenken werden“.
Pokalmatch für Nouri nicht unbedeutend
Manches hörte sich am Sonntag nach dem 0:0 in Köln aber seltsam an. Beispiel Baumann: Die Job-Garantie für Trainer Alexander Nouri hatte er bis zum Augsburg-Spiel datiert – so, als wäre es total egal, was gegen Hoffenheim passiert. 0:3, 0:4, 0:5? Na und? Nur Augsburg zählt? Baumann relativiert: „Es gibt für Alexander Nouri weder eine Garantie bis Sonntag noch ein Ultimatum am Sonntag.“ Soll heißen: Auch das Pokalmatch fließt in die Bewertung ein, ob Alex Nouri noch der richtige Mann am richtigen Platz ist. Für Baumann gilt augenblicklich dies: „Ich gehe davon aus, dass Alex Nouri nicht nur gegen Augsburg, sondern auch die kommenden Wochen und Monate auf unserer Trainerbank sitzt.“
Wovon Baumann dann am Donnerstagmorgen oder am Sonntagabend ausgeht, bleibt abzuwarten. Klar ist, dass Coach Nouri sich die zweite Chance zur Jobsicherung gegen Augsburg mit einem ordentlichen Ergebnis im DFB-Pokal verdienen muss. Und die Grundvoraussetzung für ein gutes Ergebnis ist eine gute Einstellung zum Spiel. Die muss Nouri seinen Spielern einhämmern, muss ihnen verdeutlichen, dass Hoffenheim eben nicht nur das Spiel vor Augsburg ist.
Allerdings trägt auch er bislang dazu bei, dass es sich anders festsetzen könnte in den Köpfen der Spieler. Denn Nouri deutete bereits eine Personalrotation für das Pokalspiel an. „Es wird sicherlich den einen oder anderen Wechsel geben“, sagte er. Heißt: Es werden Spieler für die Aufgabe gegen Augsburg geschont. Und das lässt sich nunmal als Zeichen werten, dass das eine Spiel ernster genommen wird als das andere.
Bartels darf nur zuschauen
Baumann sieht das freilich etwas anders. „Rotation gibt es in einer Englischen Woche häufig. Das bedeutet nichts“, erklärt der Manager. Die Frage ist immer, wie zahlreich die Wechsel sein werden. Fest steht, dass Fin Bartels am Mittwoch nicht auflaufen wird. Der formschwache Angreifer muss nach einer Roten Karte im vergangenen Jahr im Pokalmatch bei den Sportfreunden Lotte noch für ein Spiel zuschauen.
Darüber hinaus ist denkbar, dass Zlatko Junuzovic eine Pause bekommt. Das linke Fußgelenk des Kapitäns ist labil, gerade erst hat er seine Nationalmannschaftskarriere beendet, um die Anzahl an Einsätzen und damit die Belastung zu reduzieren.
Auch Innenverteidiger Lamine Sane ist ein Anwärter auf eine Pause – einerseits weil ihn ständig Knieprobleme plagen, andererseits wäre ein Tausch mit Milos Veljkovic auch locker mit Sanes Leistungsabfall in Köln zu begründen. Max Kruse wird vermutlich zunächst wieder nur auf der Bank Platz nehmen. Weitere Wechsel (Bauer für Gebre Selassie, Jojo Eggestein für Belfodil?) sind dennoch denkbar.
Wer auch immer letztlich aufläuft, ist laut Baumann aufgerufen, die Bremer Pokalehre zu retten – und eine bemerkenswerte Serie noch dazu. Im April 1988 (0:1 gegen Eintracht Frankfurt) hat Werder zuletzt im DFB-Pokal ein Heimspiel verloren. Dabei soll es bleiben. Baumann beschwört dafür eine Haltung, die im Pokal schon zu manch unerwartetem Ergebnis geführt hat. „Wir sind gegen Hoffenheim nicht der Favorit und haben im Grunde nichts zu verlieren. Ich sehe deshalb die Chance, dass wir in die Partie gehen und einfach drauf los spielen.“
