Werders Sportchef emotional
Werner-Lob, Kritiker-Kritik und ein emotionaler Abschied: Baumanns letzte Rede bei Werders Mitgliederversammlung hat viel zu bieten
Emotional, mit Blick in die Zukunft und Lob für Ole Werner: So zeigte sich Sportchef Frank Baumann in seiner letzten Rede bei der Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen.
Bremen – Am Ende wurde Frank Baumann regelrecht emotional. „Liebe Werderanerinnen, liebe Werderaner, es war mir in all den Jahren immer eine Ehre und ein Privileg, auf der Mitgliederversammlung sprechen zu dürfen. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ich aus diesem Kreis in den acht Jahren meiner Amtszeit sehr viel Unterstützung und Rückendeckung bekommen habe“, erklärte der Sportchef des SV Werder Bremen, der am Sonntag ein letztes Mal in seiner Funktion als Geschäftsführer vor den Vereinsangehörigen sprach. Im kommenden Sommer ist bekanntlich Schluss für Baumann bei Werder. Doch der 48-Jährige bekräftigte: „Auch wenn meine Zeit im Verein zu Ende geht, werde ich Werder mindestens als Fan und Mitglied erhalten bleiben, beides lebenslang.“
„Man sieht eine deutliche Entwicklung“: Frank Baumann lobt Werder Bremen-Trainer Ole Werner
Der frühere Profi der Grün-Weißen hatte zuvor noch einmal auf seine Arbeit in den vergangenen zwölf Monaten zurückgeblickt, sprach über die Leistungen der Frauen genauso wie der Männer und sparte auch den Nachwuchs nicht aus. 199 Mitglieder hatten sich zur Versammlung in der Halle an der Hemelinger Straße eingefunden, die Bundesliga-Fußballer des SV Werder Bremen fehlten bei der Mitgliederversammlung allerdings - aus regenerativen Gründen und mit der Aussicht auf ein verlängertes Wochenende waren die Spieler von ihrem eigentlich verpflichtenden Termin befreit worden. Als Frank Baumann nach knapp vier Stunden das Podium enterte, waren auch weitere Besucher nicht mehr vor Ort – etwa die Werder-Legenden Max Lorenz oder Hans Schulz, die zuvor wegen ihrer jahrzehntelangen Vereinszugehörigkeit unter großem Applaus ausgezeichnet worden waren.
Sie verpassten später einen Sportchef des SV Werder Bremen, der nicht mit deutlichen Worten sparte. Zunächst war es ihm ein besonderes Anliegen, die Arbeit von Chefcoach Ole Werner zu würdigen. „In den letzten Wochen sieht man auf und neben dem Platz eine deutliche Entwicklung der Mannschaft. Ole hat sich nach den Rückschlägen zu Beginn der Saison, dem Aus im Pokal, einem durchwachsenen Start, verletzungsbedingten Ausfällen und zum Teil deutlicher Kritik nicht aus der Ruhe bringen lassen“, lobte Frank Baumann den 35-Jährigen und betonte: „Wenn wir aktuell auf Trainersuche wären, dann würden wir uns auch jetzt aus voller Überzeugung für Ole entscheiden.“
Frank Baumann betont die Stärke und Bedeutung der Nachwuchsarbeit beim SV Werder Bremen
Auf andere negative Töne im Umfeld des Clubs ging der Ehrenspielführer der Bremer ebenfalls ein. „Auch die Arbeit im Scouting und Leistungszentrum wurde von außen immer wieder kritisiert – obwohl wir in den letzten drei Jahren unsere Transfereinnahmen größtenteils, nämlich 50 Millionen Euro, durch den Verkauf von 14 Spielern erzielt haben, die in unseren U-Mannschaften zum Einsatz gekommen sind“, rechnete Frank Baumann vor, der den Fokus gern noch mehr auf junge „Potenzialspieler“, wie er sie nennt, legen möchte. „Für die Verpflichtung sind zwei Dinge sehr hilfreich: Erstens brauchen wir weiterhin positive Beispiele von Spielern, die diesen Weg bereits gegangen sind“, sagte er und verwies auf Profis wie Maximilian Eggestein oder Josh Sargent. „Zweitens würde eine verbesserte finanzielle Situation helfen, für diese Potenzialspieler in Zukunft auch Ablösesummen zu investieren.“ Baumann selbst wird diese Bemühungen beim SV Werder Bremen bald nur noch aus der Ferne betrachten. Zumindest die meiste Zeit. „Ich werde sicherlich in den nächsten Jahren mal bei einer Mitgliederversammlung vorbeischauen und hinten in der Ecke in Ruhe meine Frikadelle genießen.“ (mbü/kni/dco)