Viele Anrufe und ein Privatflieger
Baumann verrät, wie es mit Klaassen klappte
Bremen - Ein bisschen penetrant waren die Bremer dann doch. Denn irgendwann, so verrät nun Werder-Sportchef Frank Baumann, habe ihm Sören Lerby, der Berater von Davy Klaassen gesagt: „Ich habe in den letzten Wochen mehr mit euch als mit meiner Frau gesprochen.“
Diese Hartnäckigkeit hat sich aber ausgezahlt – und Werder einen Transfer gestemmt, den Baumann selbst gar nicht für möglich gehalten hat. Es begann im März. Damals saß Lerby in Baumanns Büro in Bremen. Und es ging erst mal um Niklas Moisander. Der Finne sollte bei Werder verlängern, was er schließlich auch tat.
„Da habe ich nach Davy gefragt in dem Wissen, dass unsere Chance sehr, sehr klein sein dürfte“, erinnert sich Baumann und betont: „Ich habe damals nie daran geglaubt, dass ein direkter Kauf möglich ist. Eine Ausleihe mit Kaufoption wäre schon super gewesen.“ Doch dann habe sich der Verkauf von Thomas Delaney angebahnt – für geschätzte 20 Millionen Euro zu Borussia Dortmund.
Baumann: Größenordnung ist neu für Werder
„Dieses Geld haben wir wieder investiert“, sagt Baumann und beruhigt sofort alle Skeptiker: „Das Geld ist sehr, sehr gut angelegt. Natürlich ist es finanziell eine Herausforderung, aber es ist sehr vernünftig geregelt.“ Die genaue Ablösesumme nannte er freilich nicht. Dem Vernehmen nach sollen 13,5 Millionen Euro sofort fällig werden, der FC Everton könnten in Zukunft als Bonuszahlungen noch weitere 1,5 Millionen Euro dazu bekommen. Am Ende wären das dann 15 Millionen Euro. Das ist ohne Frage der Rekordeinkauf der Bremer, was Baumann auch bestätigt: „Einen Spieler in dieser Größenordnung haben wir noch nicht verpflichtet.“
Deswegen bedankte er sich ausdrücklich bei seinen Mitarbeitern vor allem bei Chefscout Tim Steidten, seinen Geschäftsführer-Kollegen und dem Aufsichtsrat, die diese Entscheidung allesamt mitgetragen hätten. „Es gibt doch kaum einen Club, der in den letzten zwei Jahren keinen Rekordtransfer hatte. Die Preise steigen eben einfach. Wir werden sicherlich nicht jedes Jahr so viel Geld ausgeben. Aber wenn das Gesamtpaket stimmt, der Spieler uns sofort helfen kann und auch charakterlich zu Werder passt, dann sind wir auch mutig.“
Kohfeldt auf einer Wellenlänge mit Klaassen
Letztlich sei es denn aber Florian Kohfeldt gewesen, der Klaassen überzeugte – Auge in Auge. Am Dienstag war der Werder-Coach extra nach Manchester gereist. Dafür hatte er ausnahmsweise eine Trainingseinheit sausen lassen. „Das ist mir schwer gefallen, aber dafür habe ich es gerne gemacht“, erklärt der 35-Jährige. Das Gespräch mit dem zehn Jahre jüngeren Profi sei sofort auf dem richtigen Weg gewesen. „Wir hatten eine Wellenlänge“, erinnert sich Kohfeldt.
Dabei geht es um die Art, Fußball zu spielen: mutig, aggressiv und vor allem offensiv. Die Reise mit dem Privatflieger nach Manchester sollte dem Spieler aber auch die Bedeutung des Transfers verdeutlichen, so Kohfeldt. Auch diese Hartnäckigkeit zahlte sich schließlich aus. Klaassen sagte Ja zu Werder – und nun dürfte auch Sören Lerby wieder etwas mehr Zeit für seine Frau haben.
Davy #Klaassen präsentiert sein neues #Werder-Trikot mit der Rückennummer 30 im #Weserstadion.#Bundesliga #EFC @DavyKlaassen pic.twitter.com/3dX9DA0exe
— DeichStube (@DeichStube) 27. Juli 2018
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