Werder-Frauen im Aufschwung
Pokal „kitzelt“, Bundesliga „beflügelt“ – und die Champions League lässt Werder-Spielerin Wirtz insgeheim träumen
Die Frauen des SV Werder Bremen sind im Aufschwung. Spielerin Juliane Wirtz spricht über die Erfolgswelle in der Bundesliga, das DFB-Pokal-Achtelfinale am Sonntag und ihren Champions-League-Traum.
Bremen – Am Ende einer anstrengenden Englischen Woche nahm Juliane Wirtz noch einmal ihre letzte Kraft zusammen und drosch den Ball nach vorne. Aus der hintersten Reihe, tief in der eigenen Hälfte, auf die vorne startende Emöke Papai, die daraufhin die Torhüterin von RB Leipzig mit einem Ballkontakt überspielte und mit ihrem Treffer den Fußballerinnen des SV Werder Bremen spät das umjubelte 2:1-Siegtor bescherte. Von ganz hinten nach ganz vorne – eine Aktion vom vergangenen Sonntag, die fast ein bisschen sinnbildlich steht für den Weg, den die Werder-Frauen in den vergangenen Jahren genommen haben. Aus einer Fahrstuhlmannschaft ist ein Team geworden, das in der Bundesliga aktuell ziemlich weit oben angreift.
Werder Bremen-Spielerin Juliane Wirtz über Aufschwung: „Das ist der Step, den wir letzte Saison noch nicht hatten“
„Ich würde noch nicht sagen, dass wir auf die Champions League schielen, aber wir haben uns ein Selbstbewusstsein erspielt“, sagt Juliane Wirtz in einer Medienrunde. Mit drei Siegen in acht Tagen stehen die Bremerinnen in der Liga nach zehn Spieltagen auf Rang vier mit punktgleichem Anschluss an einen Qualifikationsplatz für die Königsklasse. Am Sonntag (16 Uhr) soll es außerdem im DFB-Pokal ins Viertelfinale gehen. „Natürlich sind wir jetzt angefixt, dass wir es letzte Saison ins Finale geschafft haben“, sagt die 24-jährige Mittelfeldspielerin des SV Werder Bremen, die wieder ins Endspiel nach Köln will. Dafür muss zunächst erneut RB Leipzig besiegt werden. „Leipzig ist schlagbar, das haben wir gezeigt. Wir freuen uns, dass wir einen Wettbewerb haben, wo man einfach nochmal mehr gekitzelt wird.“
Diese Gier auf Siege, gerade gegen Gegner von ähnlicher Kragenweite immer noch ein Tor mehr schießen zu wollen – das ist ein großer Schritt in der Entwicklung der Werder-Frauen, findet Juliane Wirtz. „Das pusht uns extrem in der Kabine. Das ist der Step, den wir letzte Saison vielleicht noch nicht hatten. Da haben wir uns extrem weiterentwickelt, dass wir diese Spiele ziehen“, so die Ex-Leverkusenerin, die über die neun Punkte aus der Englischen Woche sagt: „Das beflügelt brutal.“
Werder Bremen-Frauen im Aufschwung: Juliane Wirtz erklärt Entwicklung - und träumt insgeheim von der Champions League
Die Mentalität ist das eine, die fußballerische Qualität das andere. „Werder kannte man in den letzten Jahren dafür, dass wir sehr kämpferisch auf dem Platz waren. Wir waren eine sehr eklige Mannschaft. Aber jetzt kommt die spielerische Komponente noch dazu“, sagt Juliane Wirtz. Für sie ist der größte Unterschied seit der Staffelübergabe von Trainer Thomas Horsch zu Friederike „Fritzy“ Kromp im Sommer: „Wir haben uns im Spiel mit Ball deutlich entwickelt.“ Wirtz, die vorige Saison fast ein halbes Jahr wegen einer Sprunggelenksverletzung ausgefallen war, ist dabei aus dem defensiven Mittelfeld derzeit kaum wegzudenken. „Die Trainerinnen sind froh, wenn ich meine Positivität reinbringe, versuche, mit meiner Erfahrung das Spiel zu managen, auch mal auf Pause zu drücken oder das Spiel schnell zu machen.“
Im Sommer erst hatte Juliane Wirtz ihren Vertrag bei Werder Bremen verlängert, im dritten Jahr an der Weser fühlt sie sich pudelwohl. „Ich bin gerade einfach sehr froh, konstant zu spielen.“ Als Leistungssportlerin will sie aber auch eines Tages den berühmten nächsten Schritt in ihrer Karriere gehen. „Natürlich möchte ich irgendwann gerne in einem Champions-League-Verein spielen, aber das ist noch ein weiter Weg.“ Das gilt für sie, aber auch für Werder Bremen. Trotz des Aufschwungs sind hierzulande der völlig enteilte FC Bayern und der VfL Wolfsburg weiterhin in ganz anderen Sphären unterwegs. „Ich brauche in keine Glaskugel zu schauen“, sagt Wirtz über ihre Zukunft. „Ich muss gucken, dass ich jedes Spiel meine Leistung bringe. Dann wird es sich alles ergeben, wie es soll.“ (han)
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