DeichStube-Interview
„Offen für alles“: Werder-Stürmerin Weidauer über möglichen Wechsel, ihre Highlights des Jahres und den Ulbrich-Transfer zum FC Bayern
Werder Bremens Top-Stürmerin Sophie Weidauer spricht im DeichStube-Interview offen über einen Wechsel, ihre Highlights des Jahres und den Michelle-Ulbrich-Transfer zum FC Bayern.
Bremen - Ob ihr „Tor des Monats“ gegen Eintracht Frankfurt, der Doppelpack für die deutsche U23-Nationalmannschaft oder ein Last-Minute-Ausgleich gegen Bayer Leverkusen im Weserstadion - hinter Sophie Weidauer liegt ein Jahr mit vielen fantastischen Highlights. Im Interview mit der DeichStube spricht die 22-jährige Stürmerin des SV Werder Bremen über einen möglichen Wechsel im Sommer, den überraschenden Transfer von Michelle Ulbrich zum FC Bayern München und einen besonderen Wunsch für die Zukunft des Frauenfußballs.
Sophie Weidauer, klären Sie uns mal auf: Wie wird Ihr Vorname korrekt ausgesprochen?
(lacht) Mit einem scharfen F (Soffie ausgesprochen, Anm. d. Red.).
Wie nervig ist es eigentlich, dass Ihr Name so häufig falsch betont wird?
Ehrlicherweise ist mir das relativ egal. Mir fällt das mittlerweile kaum noch auf. Selbst meine Eltern betonen meinen Vornamen manchmal unterschiedlich. Wenn ich es mir aber aussuchen dürfte, dann mit einem scharfem F., weil das meiner Meinung nach etwas sanfter klingt.
Werder Bremens Sophie Weidauer mit kleiner Spitze gegen EA FC 25: „Einfach schlecht gewählt“
Was bringt Sie sonst so richtig auf die Palme?
Wenn Mitspielerinnen eigensinnig agieren. Da könnte ich die Krise bekommen. Fußball ist für mich ein Teamsport. Da spielt man mit- und füreinander. Das macht für mich am Ende ein Team aus.
Wie gut kennen Sie sich eigentlich in dem Videospiel EA FC 25 aus?
Ehrlicherweise habe ich gar keine Ahnung von dem Thema (lacht). Das ist nicht so meins.
Aber Sie haben mitbekommen, dass Sie für Ihr Traumtor aus 30 Metern gegen Eintracht Frankfurt in der Fußballsimulation mit einer Spezialkarte belohnt wurden?
Ja, die habe ich dann auch in echt zugeschickt bekommen und war, um ehrlich zu sein, ein bisschen traurig.
Wieso?
Ich hatte im Vorjahr auch eine bekommen und im Vergleich habe ich mich von den Werten her verschlechtert. Da habe ich mich gefragt, was ich falsch gemacht habe. Außerdem war das Bild auf der Karte auch einfach schlecht gewählt (lacht).
Werder Bremens Sophie Weidauer über ihr Highlight der Saison: „Wie ein Befreiungsschlag“
Sie haben das Tor mit Ihrem vermeintlich schwächeren Fuß erzielt, wie schätzen sie dann den Wert (zwei von fünf Sternen, Anm. d. Red.) diesbezüglich ein?
Vielleicht haben die gedacht, dass ich meinen linken Fuß nur zum Stehen benutze (lacht) …
Stimmt das denn?
Also ich mache natürlich viel mehr mit meinem rechten Fuß, das stimmt. Aber in dem Moment lag der Ball einfach so, dass ich nur mit Links schießen konnte. Ich würde deshalb sagen, dass auch mein linker Fuß zu guten Aktionen imstande ist. Ich muss ihn nur häufiger einsetzen.
Der Treffer wurde sogar zum „Tor des Monats“ gewählt. Insgesamt liegt hinter Ihnen ein sehr ereignisreiches Jahr. Sie haben im Weserstadion getroffen und wurden für die U23-Nationalmannschaft nominiert. Was war Ihr größtes Highlight?
Das ist super schwierig zu beantworten. Weil jeder Moment wirklich besonders war. Aber wenn ich mich festlegen müsste, würde ich den Treffer im Weserstadion gegen Leverkusen nehmen. Das Tor war nämlich auch noch fast in letzter Minute, hat uns einen Punkt gesichert und war auch ein persönlicher Dosenöffner für mich.
Inwiefern?
Ich war zu Saisonbeginn verletzt und habe mich dadurch etwas schwergetan, wieder Fuß zu fassen. Mit diesem Treffer im Weserstadion vor der Ostkurve ist dann der Knoten geplatzt und es war wie ein Befreiungsschlag. Insofern würde ich sagen, dass dieses Erlebnis der Beginn von vielen weiteren tollen Momenten war.
Werder Bremens Sophie Weidauer über Transfer von Michelle Ulbrich zum FC Bayern: „Werden sie hier sehr vermissen“
Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie zur U23-Nationalmannschaft reisen durften?
Es war ein schönes Gefühl, weil ich auch lange nicht mehr bei einer Nationalmannschaft war. Aufgrund meines Alters und weil es für die A-Nationalmannschaft bisher nicht gereicht hat. Da war es richtig cool, sich auf internationaler Bühne zu beweisen. Dass ich dann gegen Spanien und Belgien auch noch meine ersten Tore für die U23 geschossen habe, hat das Ganze nochmal abgerundet.
Für die deutsche A-Nationalmannschaft wurde aber noch keine Werder-Spielerin nominiert. Woran liegt das?
Das ist eine schwierige Frage. Ich bin sehr stolz auf das, was wir hier bei Werder erreicht und wie stark wir uns entwickelt haben. Wir haben aber auch noch viel Luft nach oben. Bezüglich der Nationalmannschaft freue ich mich jetzt aber erst einmal, dass wir mit drei Spielerinnen bei der U23 vertreten sind. Das gibt uns genug Ansporn, um noch mehr zu erreichen.
Eine Spielerin, die immer wieder mit der A-Nationalmannschaft in Verbindung gebracht wurde, ist Michelle Ulbrich. Wie überrascht waren Sie, als Sie vom Wechsel Ihrer Abwehrchefin zum FC Bayern München erfahren haben?
Es wird in der Kabine ein ganz komisches Gefühl werden und daran müssen wir uns erst einmal gewöhnen. Wenn ich an Werder Bremen denke, dann kommt mir sofort ihr Name in den Kopf. Ich freue mich aber extrem für sie, dass sie die Chance bekommen und auch genutzt hat. Auch, wenn wir, und vor allem ich, sie hier sehr vermissen werden.
War Sie von Anfang an eine Bezugsperson für Sie?
Ja, man konnte sich einfach blind auf sie verlassen. Als ich neu bei Werder war, habe ich mich schon auch an ihr orientiert, weil sie super erfahren ist und viel für Werder geleistet hat.
Transfer im Sommer? Werder Bremens Sophie Weidauer: „Ich bin offen für alles“
Zu welcher Person bei Werder haben Sie noch einen engen Draht?
Zu Livia Peng. Wir sitzen in der Kabine nebeneinander und sie ist auch meine Zimmernachbarin. Die Gespräche mit ihr sind immer super und auf Augenhöhe. Wir haben auf und neben dem Platz sehr viel Spaß zusammen.
Sie sind jetzt seit knapp anderthalb Jahren bei Werder. Wie würden Sie diese Zeit einordnen?
Es war wirklich schön. Ich bin mit viel Respekt hergekommen, weil es mein erster richtiger Wechsel war. Da hofft man natürlich, dass es gut läuft und ist hier und da auch mal verunsichert. Aber die Mannschaft und die Stadt haben es mir extrem leicht gemacht, dafür bin ich sehr dankbar.
Wie lange bleiben Sie noch bei Werder?
Ich weiß noch nicht, wie lange meine Reise hier bei Werder geht. Das ist ehrlicherweise noch total offen.
Würden Sie sich denn wünschen, dass die Reise hier noch länger geht?
Ich bin wie gesagt offen für alles und werde mich zum gegebenen Zeitpunkt für das entscheiden, was sich für mich am besten anfühlt.
Angenommen, Sie würden zeitnah wechseln, hätten Sie einen bestimmten Zielwunsch?
Nein, nicht wirklich. Es wäre schon ein Traum, irgendwann mal in England zu spielen. Ich sehe mich aber in den nächsten Jahren in der Bundesliga. Wo, werden wir dann sehen.
Sophie Weidauer über bisherige Saison mit Werder Bremen: „In uns steckt einfach noch viel mehr“
Sie haben kurz nach Ihrem Wechsel in einem Video-Format des Vereins Potsdam Werder vorgezogen. Würden Sie das heute immer noch sagen?
Ja, weil ich nie vergessen werde, wo ich herkomme. Turbine hat mir den Weg in die Bundesliga geebnet, ohne den Verein wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin. Werder ist für mich jetzt eine Station, wo ich mich weiterentwickeln möchte und wo ich mich auch wohlfühle. Aber Turbine ist wie gesagt meine fußballerische Heimat und hat deshalb eine besondere Bedeutung für mich.
Mit welchem Gefühl schauen Sie auf die aktuelle Lage Ihres Ex-Vereins?
Ich bin da schon etwas traurig, auch weil ich vor zwei Jahren den Abstieg selbst miterlebt habe. Es wäre schön, wenn sie einfach bestmöglich die Rückrunde bestreiten. Und dann muss man schauen, ob sie den Klassenerhalt noch schaffen.
Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Hinrunde bei Werder?
Ich bin sehr zufrieden. Es waren zwar auch ein, zwei Spiele dabei, über die ich mich im Nachhinein ärgere. Mein Fokus liegt aber schon jetzt auf der Rückrunde und ich hoffe, dass wir dann an die starken Leistungen anknüpfen können. Im letzten Jahr haben wir in der Zeit nämlich vieles liegengelassen. Deshalb wäre es wichtig, uns selbst zu beweisen, dass wir unser Potenzial konstant über eine Saison abrufen können. In uns steckt nämlich einfach noch viel mehr.
In welchen Bereichen müssen Sie sich als Mannschaft noch verbessern?
Als Stürmerin wünsche ich mir noch ein paar mehr Offensivaktionen, um für die Gegner noch unberechenbarer und gefährlicher zu sein. Defensiv stehen wir schon sehr kompakt, das ist eine unserer großen Stärken.
Werder Bremens Sophie Weidauer verrät im DeichStube-Interview: Das war meine unangenehmste Gegenspielerin
Haben Sie persönlich noch Ziele für die Rückrunde?
Ich möchte vor allem fit bleiben und viel spielen. Über das eine oder andere Tor würde ich mich natürlich auch freuen. Außerdem wäre es sehr schön, weiterhin für die U23-Nationalmannschaft aufzulaufen. Vielleicht kann man darüber dann auch irgendwann mal an der A-Mannschaft anklopfen, sich dort zeigen und die Konkurrenz etwas aufmischen.
Wer war bisher Ihre unangenehmste Gegenspielerin?
Georgia Stanway vom FC Bayern München. Sie ist so schwierig zu verteidigen und spielt extrem intelligent. Stanway ist einfach eine sehr beeindruckende Spielerin.
Wenn es eine Sache gäbe, die Sie im Frauenfußball sofort ändern könnten. Welche wäre das?
Dass die Trainingsmöglichkeiten sich noch einmal verbessern und professioneller werden. Es ist wichtig, dass alle Vereine und Mannschaften die gleichen Voraussetzungen haben. Das würde die Qualität steigern und sowohl das Spiel als auch den Wettbewerb noch attraktiver machen.
Zur Einordnung: Wie zufrieden sind Sie hier bei Werder mit den Rahmenbedingungen?
Ich habe zwar noch nicht vieles anderes gesehen, aber das ist schon absoluter Luxus hier. Im Winter müssen wir zwar auch auf Kunstrasen trainieren, aber sobald die Witterungsbedingungen stimmen, ist es absolut top. (fwa)