Torloses Remis gegen Hertha BSC
0:0 für Werder zu wenig
Bremen - Ohne Tore, ohne Glücksgefühl: Werder Bremen ist gegen Hertha BSC trotz einer phasenweise klaren Überlegenheit nicht über ein 0:0 hinausgekommen und wartet damit auch nach drei Spielen noch auf den ersten Rückrundensieg in der Fußball-Bundesliga. Im Abstiegskampf ist das Resultat für die abstiegsbedrohten Bremer eindeutig zu wenig.
Die Aufgabe vor dem Anpfiff war klar: Weil sowohl Schlusslicht 1. FC Köln (1:1 gegen den FC Augsburg) als auch der Vorletzte Hamburger SV (1:1 in Leipzig) am Nachmittag ein Pünktchen eingefahren hatte, musste auch Werder in der Samstagabend-Partie des 20. Spieltags liefern. Unbedingt. Und zwar nicht nur einen Punkt, sondern drei. So startete der Tabellen-16. dann auch in die Partie.
Mit Vollgas und einem frühen Knalleffekt. Jerome Gondorf, der erneut den Vorzug vor Florian Kainz bekommen hatte, traf mit einem satten Schuss den Pfosten. Nicht mal 60 Sekunden waren zu diesem Zeitpunkt gespielt, und jeder der 40.030 Zuschauer im nicht ausverkauften Weserstadion wusste in diesem Moment, dass die Spieler absolut willens sind, die „Jetzt-zupacken“-Forderung von Trainer Florian Kohfeldt zu erfüllen.
Videobeweis: Tor von Maxmilian Eggestein zählt nicht
Zehn Minuten waren rum, da packte Werder dann tatsächlich zu. Maximilian Eggestein traf aus der Drehung ins Berliner Tor. Der Bremer jubelte, alle freuten sich, aber: Das Tor zählte nicht. Der Videobeweis ergab, dass Thomas Delaney zuvor im Luftkampf mit Herthas Fabian Lustenberger den Ellbogen eingesetzt hatte. Schiedsrichter Bastian Dankert hatte die Aktion, die sich am Mittelkreis abgespielt hatte, nicht erkannt, bekam aber eine entsprechende Botschaft aufs Ohr.
Videobeweis, kein Tor, Freistoß Hertha, Gelb für Delaney – und es blieb die Frage, ob die Regel, dass die Entstehung eines Tores wirklich drei, vier Stationen weit zurückverfolgt werden darf/soll, wirklich Sinn macht. Immerhin waren nach Delaneys Balleroberung noch Eggestein, Gebre Selassie, Gondorf und wieder Eggestein am Ball. Aber Dankert und sein Video-Assistent hatten, das bestätigte Sky-Experte und Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Peter Gagelmann (übrigens ein Bremer), völlig richtig gehandelt. Seine Einschätzung: „Die Balleroberung war nicht korrekt. Wir haben den Videobeweis, damit solche Szenen aufgeklärt werden.“
Die zwei Bremer Fast-Tore bewirkten anschließend vor allem eines: Hertha zog sich weit zurück, ließ Werder machen und wartete selbst auf Konter. Die jedoch nicht kamen. Die Bremer waren das klar bessere Team, arbeiteten sich jedoch am Berliner Abwehrriegel ab und kamen einfach nicht in den Strafraum. Ein Abschluss von Ludwig Augustinsson, der wegen Harmlosigkeit kaum eine Erwähnung wert ist (23.), und ein deutlich gefährlicherer Versuch des sehr agilen Max Kruse (44.) waren alles, was die Platzherren zwischen dem nicht gegebenen Treffer und dem Pausenpfiff an Torszenen produzierten. Und Hertha? Fand offensiv so gut wie gar nicht statt. Eine Konsequenz der eigenen Safety-first-Taktik.
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Von der rückten die Gäste nach der Pause etwas ab, griffen früher an und provozierten damit immer wieder Bremer Ballverluste im Spielaufbau. Die grün-weiße Präsenz in der Berliner Hälfte ließ deutlich nach, und die Torszenen wurden noch weniger. 20 Minuten lang ging das so, dann wandelte sich das Spiel von einem Moment auf den anderen, wurde lebhaft, fast schon rassig. Zunächst hatte Junuzovic die Bremer Führung auf dem Fuß, nach Gondorf-Vorarbeit schloss der Österreicher aus 16 Metern aber extrem schwach ab (65.). Im Gegenzug hätte der gerade erst eingewechselte Vedad Ibisevic (kam für den lediglich mit Mätzchen auffälligen Davie Selke) treffen müssen. Aus fünf Metern schoss er jedoch über das Tor – ein echtes Kunststück (67.).
Werder kann Überlegenheit nicht in Tore verwandeln
Werder im Glück. Aber immer noch stand da die Aufgabe, aus dem Spiel mehr herauszuholen als nur ein 0:0. Die nächste Chance dazu bot sich Gebre Selassie. Völlig frei kam er nach einer Junuzovic-Flanke zum Kopfball, scheiterte aber an Hertha-Schlussmann Thomas Kraft. Den Nachschuss jagte Gondorf aus spitzem Winkel an den Pfosten (74.). Sein zweiter Aluminium-Treffer war auch der Startschuss für die Bremer Schlussoffensive, die neben einer Chance für den eingewechselten Ishak Belfodil bot (81.) noch viele verzweifelte Angriffsversuche brachte und nach dem frühen auch einen finalen Knalleffekt. In der vierten Minute der Nachspielzeit zog Maximilian Eggestein ab, der Versuch wurde jedoch auf der Linie von Torunarigha geklärt. Unfassbar, aber auch symptomatisch für das ganze Spiel.
Die Erkenntnis aus Bremer Sicht könnte diese sein: Ja, Werder kann nach vorne spielen. Aber nein, Werder kann Überlegenheit nicht in Tore verwandeln. Der Druck auf Sportdirektor Frank Baumann, bis zum Transferschluss am Mittwoch noch einen Stürmer zu verpflichten, ist durch das 0:0 gewiss nicht kleiner geworden.
