Werder Bremen gegen VfB Stuttgart
Kruse: Eine Chance, ein Tor, ein Sieg
Bremen - Ein Geistesblitz von Fin Bartels, gefolgt von einem Tor durch Max Kruse – das war es, was Werder Bremen den wichtigen und absolut nötigen Heimsieg über den VfB Stuttgart gebracht hat.
Mit 1:0 (1:0) gewannen die Bremer ein Spiel, das eine hohe Intensität besaß und in dem sich beide Mannschaften auf Augenhöhe begegneten. Trotz des Sieges verharrt Werder zwar auf dem vorletzten Platz der Fußball-Bundesliga, hat aber wenigstens den Anschluss an die davor platzierten Teams gehalten. Das Tor des Tages vor 41.500 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion fiel in der 45. Minute.
Kohfeldt setzt auf Elf vom Hannover-Sieg
Das Bremer Ziel war von vorneherein klar: Eine Kopie des 4:0 über Hannover 96 zwei Wochen zuvor sollte her, musste her – jedenfalls in der Tendenz, nicht unbedingt in der Höhe. Folglich schickte Trainer Florian Kohfeldt die gleichen elf Spieler aufs feld, die auch gegen 96 begonnen hatten – also wieder mit Kapitän Zlatko Junuzovic in der Startelf, aber ohne Lamine Sane. Der Senegalese musste wegen der Rückkehr zur Viererkette weichen.
Gleiche Elf, gleiches Spiel – diese Formel ging zunächst für Werder überhaupt nicht auf. Stuttgart agierte defensiv sehr sicher, hatte sich vor allem für Max Kruse etwas einfallen lassen. Immer, wenn der Ex-Nationalstürmer in der Stuttgarter Hälfte auftauchte, kümmerten sich mindestens ein VfB-Akteur um ihn. Manchmal auch zwei, und wenn Kruse den Ball hatte standen ihm sogar bis zu drei Gegenspieler auf dem Fuß. Das zeigte Wirkung. Um überhaupt am Spiel teilnehmen zu können, musste sich Kruse oft fallen lassen. Dann fehlte er vorne, und so krankte das Bremer Aufbauspiel gewaltig.
Bartels schickt Kruse - und der trifft ins lange Eck
Eine Kopfballchance für Fin Bartels (8.) und eine Kontergelegenheit, die bei Bartels endete (24.), waren die einzigen nennenswerten Offensivszenen vor der dann etwas überraschenden Führung. Die resultierte einmal mehr aus einem Zusammenspiel von Kruse und Bartels. Und diesmal ging alles zu schnell für die Kruse-Bewacher. Nach Bartels-Solo bekam der Bremer einen Freistoß zugesprochen, über dessen Berechtigung diskutiert werden muss. Ein Foul hatte nicht vorgelegen. Bartels war es egal, er führte sofort aus und schickte Kruse. Ball angenommen, abgeschlossen – von der Strafraumkante traf der Werder-Torjäger diagonal ins lange Eck. Und Kruse hatte gezeigt, über welche Qualität er verfügt und dass einer wie er nie zu hundert Prozent auszuschalten ist.
Werder ging mit einem 1:0 in die Pause – und das hatte nicht nur wegen des unberechtigten Freistoßes den leichten Anstrich einer glücklichen Führung. Denn das bessere Team waren die Bremer bis dahin sicher nicht gewesen. Basierend auf einer guten Defensive und einem aggressiven Pressing hielt Werder den VfB allerdings weitgehend fern vom eigenen Tor. Gefahr beschwor zunächst nur Keeper Jiri Pavlenka herauf, als er mit einem Katastrophenpass VfB-Angreifer Takuma Asano bediente. Maxi Eggestein störte den Japaner noch entscheidend beim Abschluss (29.). Zudem touchierte ein Kopfball des französischen Nationalverteidigers Benjamin Pavard die Oberkante der Latte (40.). Pavlenka wäre aber zur Stelle gewesen.
Nach der Pause wurde es zweimal kurios. Referee Bastian Dankert hatte in der Kabine wohl all die Kabel, die für die Kommunikation mit allen Assistenten unter seinem Schiri-Kluft verlegt sind, durcheinander gebracht und musste auf dem Platz alles neu richten. Kaum funktionierte alles wieder, kam die Technik auch zum Einsatz. Denn Bartels hatte zum 2:0 getroffen – dachten alle inklusive Dankert. Doch der Videoassistent signalisierte: Es war Abseits. Korrekt gesehen, Treffer zurückgenommen. Und in der VfB-Fankurve wurde eiligst ein Transparent wieder eingerollt, auf dem gestanden hatte: „Videobeweis abschaffen!“
1:0 statt 2:0 – die Partie blieb eng, die Partie blieb umkämpft. Stuttgart, mit nur einem Punkt als das zweitschlechteste Auswärtsteam der Liga angereist, drängte auf den Ausgleich. Der wäre gefallen, wenn nicht Philipp Bargfrede bei der Top-Chance von Josip Brekalo für den bereits geschlagenen Pavlenka gerettet hätte (64.). Auf der anderen Seite pflückte VfB-Keeper Ron-Robert Zieler einen Bartels-Schuss herunter (67.).
Gute Chancen in der Schlussphase auf beiden Seiten
Stuttgart ging anschließend noch mehr ins Risiko, brachte in Chadrac Akolo den mit vier Toren bislang erfolgreichsten VfB-Torschützen (70.). In Simon Terodde war zuvor bereits ein Stürmer der Marke Brechstange ins Spiel gekommen. Werder-Coach Florian Kohfeldt reagierte darauf und brachte in Lamine Sane (für Bargfrede) einen dritten Innenverteidiger und stellte folglich auf Dreierkette um. Die knappe Führung abzusichern – das war die Maxime für die letzte Viertelstunde.
Doch die letzten Minuten wurden heikel – auf beiden Seiten. Thomas Delaney vergab nach einem Konter die Chance zur Entscheidung (80.), Stuttgart-Verteidiger Holger Badstuber scheiterte auf der Gegenseite zunächst mit einem Distanzschuss an Pavlenka (84.) und köpfte wenig später nur Zentimeter über das Tor (88.). Dann war Schluss, und Werder feierte den zweiten Saisonsieg nach einem am Ende hochspannenden Sieg. Am Samstag folgt das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund – eine noch härtere Nuss.
