Werder-Remis in Augsburg
Gereizt, enttäuscht – aber nicht verzweifelt: Fritz von Kritik an Werder genervt, Profis hadern mit ihrem Spiel
Der SV Werder Bremen verabschiedet sich mit einem enttäuschenden 0:0 beim FC Augsburg in die Winterpause - wie die Beteiligten das Remis einordnen!
Augsburg – Als Romano Schmid am frühen Samstagabend in Richtung Kabine abbog, stellte sich ihm Clemens Fritz in den Weg. Was folgte, war eine fast väterliche Umarmung seitens des Fußball-Chefs des SV Werder Bremen, während Schmid den gedrehten Kopf auf die Brust des 45-Jährigen legte und seufzte: „Och Mann.“ Nach einer kurzen Kunstpause schob er frustriert hinterher: „Ich muss einfach das Tor machen.“ Unmittelbar vor dem Abpfiff hätte der Österreicher seiner Mannschaft bei einer Riesenchance doch noch einen Sieg zum Weihnachtsfest bescheren können, stattdessen blieb es beim schmucklosen 0:0 gegen den FC Augsburg, nach dem sich Werder mit nunmehr 17 Punkten auf Tabellenplatz zehn in die Weihnachtspause verabschiedete. Das letzte Pflichtspiel des Jahres hatte dabei so etwas wie eine schmerzhafte Blaupause für die Probleme der bisherigen Hinrunde dargestellt – und vielleicht genau deshalb produzierte es hinterher komplett gegensätzliche Gefühlswelten im Bremer Lager.
Werder Bremens Peter Niemeyer nach Remis beim FC Augsburg: „Ich denke, auf diese Leistung können wir absolut aufbauen“
Da war zum Beispiel Peter Niemeyer. „Heute muss ich hervorheben, dass wir eine gute Energieleistung gezeigt haben und füreinander da waren. Ich denke, auf diese Leistung können wir absolut aufbauen“, bilanzierte der Leiter Profifußball des SV Werder Bremen. Auch Clemens Fritz lobte: „Ich habe eine Mannschaft auf dem Platz gesehen, die wollte. Die mit einer hohen Intensität zu Werke gegangen ist und eine gute Spielkontrolle hatte, gerade in der ersten Halbzeit.“ Natürlich war auch dem Ex-Profi die erneute Harmlosigkeit in der Offensive nicht entgangen, die beiden Aluminiumtreffer sowie das aberkannte Tor des FC Augsburg erwähnte er ebenfalls – trotzdem betonte Fritz: „Ich kann der Mannschaft überhaupt keinen Vorwurf machen. Sie hat heute alles auf den Platz gebracht, nur ist uns der Torabschluss nicht gelungen.“ Auf die Nachfrage, ob dieses Auftreten nicht der Mindestanspruch sei, den man erwarten könne, reagierte Fritz wesentlich schmallippiger: „Das kann man doch mal hervorheben, oder nicht?“
Es sollte nicht die letzte angefasste Replik des Abends bleiben. Doch dazu später mehr. Zunächst sind die Protagonisten auf dem Feld an der Reihe, die vom eigenen Auftritt deutlich weniger angetan waren als ihre Vorgesetzten. „Ich bin ehrlicherweise nicht so glücklich, denn in Augsburg können wir schon den Anspruch haben, drei Punkte zu holen“, meinte etwa Torhüter Mio Backhaus. „Ich finde, dass wir kämpferisch voll da waren, aber wie wir mit dem Ball gespielt oder am Ende verteidigt haben – das war nicht so gut.“ Und Marco Friedl als Kapitän des SV Werder Bremen erklärte derweil: „Die Einstellung war schon anders als in den letzten Wochen. Der Wille, das Spiel zu gewinnen, war da – auch wenn es nicht einfach war und wir nicht gut gespielt haben.“
Werder Bremens Clemens Fritz: „Wie wir unsere Abwehr formieren, da werde ich dem Trainer nicht reinreden“
Der Verteidiger des SV Werder Bremen hatte selbst großen Anteil daran, dass defensiv nach längerer Zeit mal wieder die Null stand. Der 27-Jährige war gegen den FC Augsburg auf seine Lieblingsposition im Abwehrzentrum zurückgekehrt, bot dort eine wesentlich bessere Leistung als zuletzt auf dem Flügel – und löste damit später indirekt einen kleinen Wutanfall von Clemens Fritz aus. Als der nämlich im Mediengespräch gefragt wurde, ob der Österreicher nun nicht wieder dauerhaft in die Mitte gehöre, gab es eine giftige Antwort: „Hört auf mit diesem Schwarz-Weiß-Scheiß, das geht mir echt auf den Sack. Immer dieses Hin und Her.“ Und der Fußball-Chef des SV Werder Bremen schimpfte weiter: „Wir haben auch in den letzten Wochen zu null gespielt. Der Trainer trifft gute Entscheidungen, alles andere werden wir im neuen Jahr sehen. Wie wir unsere Abwehr formieren, da werde ich dem Trainer nicht reinreden.“
Sehr wohl werde er sich aber weiter schützend vor die Mannschaft stellen, wenn für seinen Geschmack von außen zu viel negative Stimmung auf sie einprassle – und das Team fordern, wenn es zu sehr gelobt werde. Ganz grundsätzlich sagte Clemens Fritz in Richtung Journalisten und Fans: „Mir ist es von außen aktuell zu viel Kritik. Es ist nichts passiert. Wir haben vor der Saison gesagt, dass wir viele Veränderungen haben werden, unter anderem mit einem neuen Trainer. Es war immer klar, dass es nicht die ganze Zeit nur in eine Richtung gehen wird.“ Und der Funktionär des SV Werder Bremen ergänzte: „Wir können das weiterhin gut einordnen. Natürlich wissen wir, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben, und wir reden uns auch nichts schön. Aber ich bin weit davon entfernt, einen Krisenmodus zu sehen.“
Werder Bremens Horst Steffen: „Dass ich nicht ganz glücklich bin mit manchen Leistungen, ist aber auch klar“
Auch Trainer Horst Steffen warb um mehr Geduld. „Der Blick darf schon realistisch sein. Ich zeige der Mannschaft, dass ich optimistisch bin und immer vor ihr stehe – und das wird sich auch nicht ändern. Dass ich nicht ganz glücklich bin mit manchen Leistungen, ist aber auch klar“, sagte der 56-Jährige. Der Auftritt in Augsburg sei für ihn einer der Kategorie „ordentlich“ gewesen, weshalb er sich mit dem Ergebnis ganz gut arrangieren konnte. Dass aus insgesamt elf Eckstößen und zehn zusätzlichen Hereingaben gegen den FC Augsburg aber kaum Gefahr resultierte und sich eigene Angriffsbemühungen durch unsaubere Pässe schon frühzeitig in Luft auflösten, schmeckte jedoch auch ihm nicht. Denn so bleibt es von außen betrachtet dabei: Ein klarer offensiver Plan, eine gewinnbringende Struktur ist beim SV Werder Bremen auch weiterhin nicht zu erkennen.
Unisono heben die Protagonisten hervor, dass daran weiter intensiv gewerkelt werde – nach einer kurzen Feiertagspause versteht sich. Zeit zum Durchschnaufen und Abschalten. Seine ersten sechs Monate an der Weser seien „sehr spannend und herausfordernd“ gewesen, sagte Horst Steffen noch mit einem Lächeln, das mehr verriet als bloße Worte. Dafür prägten seinen Start bei Werder Bremen einfach zu sehr die späten Transfers und verletzungsbedingten Ausfälle. „Bei den Dingen, die ich im ersten halben Jahr erlebt habe, sollte jeder auf die Idee kommen, dass es wohl nicht so einfach war.“ Derzeit spricht sehr viel dafür, dass es auch nach dem Jahreswechsel erstmal so weitergehen wird. (mbü)
Rubriklistenbild: © gumzmedia/Imago/DeFodi Images
