3:2 gegen Real 2007
Als Werder die Königlichen entthronte: Erinnerungen an eines der denkwürdigsten Spiele im Weserstadion
2007 gewann Werder Bremen eines der denkwürdigsten Spiele im Weserstadion: Erinnerungen an einen besonderen Sieg gegen Real Madrid.
Ob in diesem Satz nun der Galgenhumor überwog, oder doch echte Überzeugung durchklang – 19 Jahre später lässt sich das unmöglich sagen. Der Satz an sich hingegen, ist überliefert. Lässt sich nachlesen, schwarz auf weiß. Gesprochen hat ihn Thomas Schaaf, am Telefon, im November 2007. Und adressiert waren seine Worte an Klaus Allofs: „Du, wir sind schon wieder einer weniger, aber wir kriegen das schon hin.“
Auf diese Weise brachte der Trainer dem Manager bei, dass dem SV Werder Bremen am Morgen vor dem Champions-League-Heimspiel gegen Real Madrid in Tim Borowski der nächste Leistungsträger verletzt weggebrochen war, nach Torsten Frings und Torhüter Tim Wiese bereits der dritte, Spielmacher Diego zudem gesperrt. Es gibt fraglos bessere Voraussetzungen, um gegen die Königlichen bestehen zu können. Doch Werder bestand. Mehr noch: legte am Abend des 28. November 2007 ein Spiel im Weserstadion hin, 3:2, dessen Bilder in den Köpfen aller Zuschauer bis heute zuverlässig abrufbar sind, jederzeit. Rosenberg über rechts, Sanogo in der Mitte, ganz genau.
Werder Bremen gewinnt 2007 gegen Real Madrid - Thomas Schaaf: „So etwas darf man nicht vergessen“
Anlässlich des 100. Stadiongeburtstags gastiert Real Madrid am Samstag nun zum zweiten Mal überhaupt in Bremen, dieses Mal mit seiner Legendenelf. Höchste Zeit also, den magischen Abend von einst noch einmal zu würdigen. „So etwas darf man nicht vergessen, man muss es immer in Erinnerung behalten“, sagt Thomas Schaaf, wenn er 2026 auf 2007 zurückblickt. Während seiner Laufbahn als Spieler und Trainer des SV Werder Bremen hat der 65-Jährige etliche große Duelle im Weserstadion erlebt. Königliche entthront hat er aber nur einmal. Kurz nachdem es gelungen war, klang Trainer Schaaf jedoch deutlich weniger euphorisch. „Naja, wir haben ja keine WM gewonnen“, sagte er am Tag nach dem Spiel über die Feierlichkeiten. „Wir haben nicht Big Party gemacht, sind nicht jubelnd über die Straße gezogen.“ Viele Fans hingegen sehr wohl. Gab ja einiges aufzuarbeiten.
Bereits nach vier Minuten das erste Highlight, bereits nach sechs der erste Schreck, beides untrennbar verknüpft mit einem Mann: Clemens Fritz. Per Flanke hatte der heutige Sportchef des SV Werder Bremen das 1:0 von Rosenberg auf den Weg gebracht, ehe er kurz darauf mit einer Muskelverletzung vom Platz musste. „Immerhin konnte ich noch zur Führung beitragen“, sagt Fritz heute. Gegen Real, da sollte es für ihn einfach nicht sein. Das Hinspiel hatte er in Gänze verpasst, ein paar Jahre zuvor mit Bayer Leverkusen fehlte er ebenfalls angeschlagen bei zwei Duellen. Immerhin: Im November 2007 hatte der damalige Rechtsverteidiger von der Bank aus besten Blick auf das 1:1 durch Robinho (14.), das spätere 3:1 von Aaron Hunt (58.) sowie das letztlich wertlose 2:3 durch Ruud van Nistelrooy (71.). Und natürlich vor allem auf dieses ganz besondere Werder-Tor, das 2:1 von Boubacar Sanogo (40.), unvergessen. Ein Treffer, wie auf Rasen gemalt.
Samt sehenswertem Tor von Boubacar Sanogo: Werder Bremens „außergewöhnliches Spiel“ gegen Real Madrid 2007
19 Jahre danach, Thomas Schaaf in der Rolle des Reporters: „Wie Markus da losrennt und die Linie entlangsprintet. Dann flankt er das Ding rein, und Bouba vollendet in der Mitte. Das hat doch jeder noch im Kopf.“ Der Weser Kurier schrieb damals über das Tor: „In der 40. Minute verwandelte sich Rosenberg auf einmal in eine Mischung aus Ailton und Diego. Er erkämpfte sich weit hinter der Mittellinie in der eigenen Hälfte den Ball. Er rannte Gago weg und trickste in seinem Sturmlauf über rund 70 Meter auch noch Real-Verteidiger Metzelder aus. Messerscharf passte er nach innen, sehenswert knallte Sanogo trotz höchster Bedrängnis den Ball ins Netz.“ Werder-Geschichte. Und Teil der Bestätigung eines unguten Gefühls, das Real-Trainer Bernd Schuster schon während der Pressekonferenz vor der Partie in Bremen zum Ausdruck gebracht hatte: „Hier habe ich immer einen auf den Sack gekriegt.“ Es sollte so bleiben.
Durch den Erfolg hatte Werder Bremen vor dem letzten Gruppenspiel gegen Olympiakos Piräus den Achtelfinaleinzug in eigener Hand, vergeigte es aber doch noch: 0:3. Andere Geschichte. Zum Abschluss des Textes lieber nochmal Thomas Schaaf über den 28. November 2007: „Es war ein außergewöhnliches Spiel, das allen Bremern großen Spaß gemacht hat.“ Stimmt. (dco)
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