DeichStube-Interview
„Der Profifußball wird ein Haifischbecken bleiben“: Ex-Berater Baumgarten über sein Buch „Tore des Lebens“, Beziehungen zu Werder – und Toptalent Coulibaly
Im DeichStube-Interview spricht Lars-Wilhelm Baumgarten über den SV Werder Bremen, Talent Karim Coulibaly und sein Buch „Tore des Lebens“.
Er hat das Fußballgeschäft viele Jahre lang von innen kennengelernt – als Berater von Bundesliga-Größen wie Simon Rolfes, Markus Krösche oder Nils Petersen war Lars-Wilhelm Baumgarten an zahlreichen großen Deals beteiligt. Seine Erfahrungen und Erlebnisse hat der 54-Jährige nun im Roman „Tore des Lebens“ verarbeitet, der unlängst im Mentoren-Media-Verlag erschienen – und auf Anhieb ein großer Erfolg geworden ist. In der ersten Woche nach Erscheinen schaffte es das Buch auf die SPIEGEL-Bestsellerliste. Am Freitag, 15. Mai, ist Baumgarten nun beim großen DeichTalk zum Saisonfinale zu Gast, den die DeichStube ausrichtet. Gemeinsam mit den Werder-Legenden Thomas Schaaf und Klaus Allofs sowie DeichStube-Chefreporter und Buchautor Daniel Cottäus wird er die Saison des SV Werder Bremen Revue passieren lassen, Anekdoten preisgeben und einen Ausblick in die grün-weiße Zukunft wagen. Vorab spricht Baumgarten im Interview über sein Buch, die Besonderheiten des Bundesligastandorts Bremen und die Herausforderungen, die im Sommer auf das umworbene Werder-Talent Karim Coulibaly zukommen.
Lars-Wilhelm Baumgarten: „Dieses Geerdete, was sowohl die Stadt Bremen als auch den SV Werder ausmacht, gefällt mir sehr gut“
Herr Baumgarten, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch: „Tore des Lebens“, ihr Erstlingswerk, ist auf Anhieb in die SPIEGEL-Bestsellerliste eingestiegen.
Vielen Dank! Das ist wirklich eine Sensation, auf die ich sehr stolz bin. „Tore des Lebens“ ist im Mentoren-Media-Verlag erschienen, einem kleinen Verlag ohne große Vertriebsmaschinerie dahinter. Umso beachtlicher ist es, dass es das Buch auf die Bestseller-Liste geschafft hat – zumal ich seit fünf Jahren komplett raus bin aus dem Fußballgeschäft und als Person nicht in der Öffentlichkeit stehe. Ich bin unglaublich dankbar für die große Unterstützung, die ich bei dem Projekt erfahren habe.
Sven Schütze, der Protagonist in „Tore des Lebens“, startet seine Profikarriere beim SV Werder Bremen. Warum haben Sie sich ausgerechnet diesen Verein für Ihren Roman ausgesucht?
Das Buch beginnt damit, dass sich Schütze, ein hochtalentierter Fußballer vom Dorf, die Möglichkeit bietet, in das Internat eines Profivereins zu wechseln. Um ihn bemühen sich unter anderem auch Bayern München und Borussia Dortmund, aber Werder setzt sich am Ende durch. Meine Beziehung zur Stadt Bremen und meine Erlebnisse im Umfeld des Werder-Internats, aus der Zeit, als Simon Rolfes dort noch lebte, haben dafür gesorgt, dass ich unbedingt Werder als Verein für Schütze in meinem Buch haben wollte.
Weil es Ihnen in Bremen so gut gefallen hat?
Absolut! Die Ausbildung von Talenten bei Werder, die Nachwuchsmannschaften um die U23 von Thomas Wolter, das Leben im Internat und all das zur Blütezeit des Bremer Fußballs mit Thomas Schaaf und Klaus Allofs – das hat mich sehr geprägt. Ich komme aus Bad Harzburg, hatte es bis nach Bremen also nicht allzu weit. Ich war sehr oft im Weserstadion, schon zu der Zeit, als Willi Lemke gerade die ersten Logen eingeweiht hatte. Meine Beziehung zu Werder besteht also schon lange. Dieses Geerdete, was sowohl die Stadt Bremen als auch den SVW ausmacht, gefällt mir sehr gut. Für mich war Bremen deshalb der perfekte Ort, um von dort aus die Geschichte von Sven Schütze weiterzuerzählen.
Ihr Roman verspricht einen Blick hinter die Kulissen des Fußballgeschäfts, inklusive der großen Herausforderungen, die es gerade für junge Spieler mit sich bringt. Warum war es Ihnen als ehemaliger Spielerberater wichtig, das aufzuzeigen?
Mir lag es besonders am Herzen, den Sportler als Menschen in den Vordergrund zu stellen. Ich habe mich bewusst gegen ein Sachbuch entschieden, sondern wollte, dass jeder Fußballfan, jeder, der vielleicht gerade selbst ein Nachwuchsleistungszentrum besucht und auch dessen Eltern mitfühlen können, was im Leben einer solchen Sportlerpersönlichkeit alles passieren kann. Vom ersten Kicken auf dem Dorfplatz bis hin zur großen Karriere in der Nationalmannschaft.
Lars-Wilhelm Baumgarten über Ex-Werder-Bremen-Profi Nils Petersen: „Er war und ist ein Fußballer durch und durch“
Als ehemaliger Berater, der unter anderem eng mit Spielern wie Simon Rolfes und Nils Petersen zusammengearbeitet hat, haben Sie die Branche von innen kennengelernt. Was zeichnet einen guten Berater aus?
Für mich war immer wichtig, dass die, die mit 20 im Licht stehen, mit 40 nicht im Schatten stehen. Das war meine größte Motivation, um überhaupt Berater im Fußballgeschäft zu werden. Ich wollte, dass für meine Klienten alle Aspekte berücksichtigt werden – die Medien, natürlich die Verträge, aber auch die Persönlichkeitsentwicklung. Es nur auf den Fußball zu beschränken, ist ein Fehler. Schließlich kommen weitere 50 Jahre nach der Karriere auf die Spieler zu. Dafür müssen sie auf allen Ebenen gut aufgestellt sein. Darüber hinaus muss ein Berater immer ein verlässlicher und vertrauensvoller Partner für die Spieler und die Vereine sein. Ich gehe ja auch nur dann wieder zum selben Arzt, wenn ich Vertrauen zu ihm habe. Bei mir hat kein Klient je einen Vertrag gehabt, der ihn fest an meine Agentur bindet. Hätten mir zum Beispiel Simon Rolfes oder Nils Petersen gesagt, dass sie kein Vertrauen mehr zu mir haben, hätten sie ohne Weiteres gehen können.
Insgesamt genießt die Spielerberater-Branche allerdings noch immer einen wenig schmeichelhaften Ruf. Zu Unrecht?
Natürlich zieht die Branche alle Glücksritter dieser Welt an. Das muss man so klar ansprechen. Es geht um Millionenbeträge. Wenn Spieler heute 20 Millionen verdienen und ich davon als Berater acht bis zehn Prozent als Honorar bekommen kann, dann machen Leute viele verrückte Dinge dafür. Ich bin mir aber sicher: Auf Dauer werden sich in der Branche – genauso wie in anderen Branchen auch – Seriosität und Verlässlichkeit durchsetzen. So wie der Fußball als Ganzes professionalisiert sich auch das Beratergeschäft zusehends. Dass es schwarze Schafe gibt, wird man aber wohl nie ausschließen können. Der Profifußball wird definitiv ein Haifischbecken bleiben.
Der Name Nils Petersen ist schon gefallen. Ihr Ex-Schützling war Stürmer, spielte für Werder und den FC Bayern München, also einen absoluten Topclub. Die Parallelen zu Romanheld Sven Schütze, ebenfalls ein Angreifer, der später zu Real Madrid wechselt, sind unverkennbar. Wieviel Petersen steckt in Schütze?
Gar nicht so viel, denn Nils Petersen ist viel geerdeter als Sven Schütze. Gepokert hat Nils beispielsweise nie, und auch an ausschweifende Partys während seiner Karriere erinnere ich mich nicht. Mit solchen Themen brauchte man Nils nicht zu kommen. Er war und ist ein Fußballer durch und durch. Dem ordnet er alles andere unter, klar gestrickt, immer geradeaus. Das merkt man bis heute, wenn man ihn als TV-Experte erlebt.
Petersen ist 2011 als großes Talent von Energie Cottbus zum FC Bayern gewechselt, konnte sich dort aber nicht durchsetzen, weshalb 2012 der Schritt zu Werder folgte. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?
Die Entscheidung, aus Cottbus nach München zu gehen, war für uns damals absolut klar. Da gab es kein Wackeln. Nils hatte 2011 insgesamt 16 Optionen für den nächsten Karriereschritt. Wir haben das sehr ausführlich besprochen, abgewogen und geplant. Uns war klar, dass es passieren kann, dass er es bei den Bayern nicht schafft. Dieses Risiko gehst du bei einem so großen Schritt immer mit ein. Sein Weg zu Werder war danach genau der richtige. Mit dem damaligen Bremer Manager Klaus Allofs verbindet mich eine lange Bekanntschaft, auch über den Galopprennsport, den wir beide als Leidenschaft teilen. Unsere Zusammenarbeit hat über viele Jahre hinweg sehr vertrauensvoll funktioniert. So auch beim Wechsel von Nils Petersen zu Werder.
Lars-Wilhelm Baumgarten über Werder Bremens Karim Coulibaly: „Es geht darum, rational den nächsten Karriereschritt zu planen“
Die Verhandlungen haben Sie mit Allofs geführt, ein entscheidender Mann bei Werder war aber natürlich auch Trainer Thomas Schaaf. Kommt Ihnen eine Lieblingsanekdote in den Kopf, wenn Sie an Ihre Erlebnisse mit den beiden denken?
Ja, sofort! Die teile ich auch sehr gerne – aber noch nicht jetzt. Am 15. Mai beim DeichTalk kommt sie in der Union Brauerei auf den Tisch, wenn Sie und ich gemeinsam mit Thomas Schaaf und Klaus Allofs auf der Bühne sitzen. So viel vorab: Es ist eine für mich sehr prägende, lustige und zugleich vielsagende Geschichte über den Profifußball, die wir dort lüften werden.
Okay, das ist mal ein Spannungsbogen! Lassen Sie uns zum Abschluss noch auf den bevorstehenden Transfersommer gucken, bei dem in Bremen vor allem Karim Coulibaly im Fokus steht. Seit Wochen wird der 18-jährige Innenverteidiger mit diversen Topclubs in Verbindung gebracht, es sieht danach aus, dass er zum teuersten Verkauf der Vereinsgeschichte werden kann. Was braucht ein Spieler in so einer Situation für ein Umfeld, um den Trubel um sich herum richtig einordnen zu können?
Das Wichtigste ist, dass er sich von den Zahlen nicht beeindrucken lässt. Einerseits muss der Spieler natürlich auf dem Platz konzentriert bleiben und Leistung zeigen, aber auch im Drumherum darf er nicht durcheinanderkommen. Dass mir irgendjemand als Fußballer 30, 40 oder 50 Millionen an Wert zuspricht, hat auf meinen Wert als Mensch ja überhaupt keine Auswirkung. Das ist einfach nur eine Entwicklung des Geschäfts Profifußball, mit der man umgehen muss. Diese Erkenntnis ist das Wichtigste. Dafür braucht gerade ein junger Spieler Menschen um sich herum, die ihn immer wieder daran erinnern. Es geht darum, rational den nächsten Karriereschritt zu planen und dabei auf dem Boden zu bleiben. (dco)
Das Buch: Baumgarten, Lars-Wilhelm: Tore des Lebens. Mentoren-Media-Verlag, 2026, 405 Seiten, 18,90 Euro
Der Autor: Lars-Wilhelm Baumgarten, geboren 1971 in Bad Harzburg, ist Jurist, ehemaliger Sportjournalist und einer der erfahrenen Spielerberater im Profifußball. Als Gründer von Sportmanagement-Agenturen und Unternehmer ist er zudem im Galopprennsport engagiert.
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