Ärger nach Werders Auftaktspiel
Handspiel-Aufregung bei Werders 2:2 in Augsburg: Thorup wettert, Werner will nichts sagen
Das Handspiel von Anthony Jung beim Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und dem FC Augsburg (2:2) sorgt für Aufregung bei FCA-Trainer Jess Thorup. Auf der Pressekonferenz kritisiert der Augsburger Coach Schiedsrichter Sascha Stegemann und den VAR - Ole Werner will dagegen lieber nichts sagen.
Augsburg - Der eine spricht laut eigener Aussage normalerweise gar nicht über Schiedsrichterleistungen, fühlte sich nach dem 2:2 zwischen dem FC Augsburg und dem SV Werder Bremen aber zu einer Ausnahme gezwungen. Während der andere in der Vergangenheit durchaus kritische Worte über die Unparteiischen und den Videoassistenten (VAR) verloren hatte, das nun aber per gutem Vorsatz nicht mehr tun will. Und so kam es, dass die Pressekonferenz mit Augsburgs Trainer Jess Thorup und Werder Bremens Coach Ole Werner nach dem Spiel ihrer Mannschaften auf anschauliche Weise zeigte, dass das ungeliebte Thema VAR gleich am ersten Spieltag der neuen Saison wieder aufflammt. Aber so richtig.
Handspiel von Werder Bremens Anthony Jung: FC-Augsburg-Trainer Jess Thorup ärgert sich über ausbleibenden Elfmeter-Pfiff
Bereits am Freitagabend hatte es bekanntlich hitzige Diskussionen rund um den Videoschiedsrichter gegeben, der während des Saisoneröffnungsspiels zwischen Borussia Mönchengladbach und Meister Bayer 04 Leverkusen (2:3) mehrfach eingegriffen hatte. In Augsburg setzte sich das einen Tag später fort. Dass der vermeintliche Treffer zum 3:2 für die Hausherren gegen Werder Bremen wegen eines Handspiels von Samuel Essende nicht anerkannt wurde (69.), mögen die Hausherren noch einigermaßen verkraftet haben. Die Szene aus der 77. Minute war für Augsburg im Allgemeinen und Trainer Jess Thorup im Speziellen dann aber zu viel. „Normalerweise spreche ich nicht über die Schiedsrichter, weil es nicht meine Aufgabe ist“, begann der Däne seine Ausführungen, „heute möchte ist es aber anders machen.“
Bei der Regelschulung, die alle Bundesligisten obligatorisch vor dem Saisonstart erhalten hatten, „wurde uns gesagt, dass es ganz klar Elfmeter ist, wenn die Körperfläche vergrößert wird. Egal, ob Absicht oder nicht. Und jetzt sehen wir so eine Szene, der Schiedsrichter guckt sie sich sogar nochmal an und entscheidet sich dann gegen Elfmeter“, ärgerte sich Jess Thorup. Werder Bremens Anthony Jung hatte den Ball fraglos im Strafraum an die Hand bekommen, das räumte auch Schiedsrichter Sascha Stegemann nach dem Spiel ein, ehe er erklärte, warum es dennoch keinen Strafstoß für den FC Augsburg gab.
Sascha Stegemann über strittige Szene bei Werder Bremen gegen FC Augsburg: „Gab keine Intention, den Ball mit der Hand zu blocken“
„Für eine Strafbarkeit müssen wir zwei Dinge unterscheiden. Zum einen: Ist es ein absichtliches Handspiel? Das können wir relativ schnell verneinen, weil hier keine Bewegung zum Ball erkennbar war“, sagte Sascha Stegemann. Und weiter: „Die zweite Facette ist die unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche. Dass wir hier eine Vergrößerung der Körperfläche haben, ist völlig unstrittig. Die Gretchenfrage, um die es bei dieser Bewertung geht, ist aber, ob es eine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche ist.“ An der Außenlinie, beim betrachten der Bilder, habe er Argumente gegeneinander abgewogen. „Ein Argument für eine unnatürliche Vergrößerung ist, dass der Ball relativ lange unterwegs ist und für den Spieler erwartbar war. Gegen eine unnatürliche Vergrößerung spricht in meinen Augen aber die Intension des Spielers, weil er versucht, den Ball mit dem Fuß zu spielen. Das steht im Zentrum seiner Aktion.“ Und deswegen entschied er nicht auf Elfmeter für den FC Augsburg, „denn es gab keine Intention, den Ball mit der Hand zu blocken.“
Ob Jess Thorup diese Erklärung besänftigt, ließ sich am Samstagnachmittag nicht mehr überprüfen. Wahrscheinlich ist es aber nicht. Und Ole Werner? Der setzte den langen Ausführungen des Schiedsrichters und dem Ärger seines Trainerkollegen nüchtern entgegen: „Ich habe mir vorgenommen, in diesem Jahr nicht allzu viel über den VAR zu reden. Wir können darüber ewig diskutieren. Wir spulen hin und wieder zurück, in der einen Kameraeinstellung ist es so, in der anderen so. Ich will da dieses Jahr nicht mitmachen und hoffe, dass ich das durchhalte.“ Ganz ohne Schiri-Kritik ging es dann aber doch nicht, denn eine Gelb-Rote Karte gegen Arne Engels vom FC Augsburg, die hätte der Chefcoach des SV Werder Bremen, schon ganz gerne gesehen. Was Thorup während der Pressekonferenz endgültig den Glauben verlieren ließ. (dco/kni)