Werder-Remis in der Taktik-Analyse

Immer dieselben Probleme: Werders Auftakt-Remis in Augsburg in der Taktik-Analyse

Trainer Ole Werner stellte seinen SV Werder Bremen zwar mit der richtigen Idee gegen den FC Augsburg auf, doch zu viele Patzer und eine fehlende Antwort auf die Augsburger Umstellung führten zum Remis beim Bundesliga-Auftakt, meint Kolumnist Tobias Escher in seiner Taktik-Analyse.
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Trainer Ole Werner stellte seinen SV Werder Bremen zwar mit der richtigen Idee gegen den FC Augsburg auf, doch zu viele Patzer und eine fehlende Antwort auf die Augsburger Umstellung führten zum Remis beim Bundesliga-Auftakt, meint Kolumnist Tobias Escher in seiner Taktik-Analyse.

Kein Schritt vor, zwei Schritte seitwärts: Zum Saisonauftakt trennen sich der SV Werder Bremen und der FC Augsburg 2:2. Richtige taktische Idee, zu viele Patzer - und keine Antwort auf die Augsburger Umstellung: Warum es für die Grün-Weißen nicht zu einem Sieg in der WWK Arena reichte, erklärt unser Kolumnist Tobias Escher in seiner Taktik-Analyse.

Augsburg – Fußballtaktik lebt von Aktion und Reaktion. Der beste Plan funktioniert nur so lange, bis der Gegner seine eigene Spielidee anpasst. Der SV Werder Bremen hatte sich vor dem Saisonauftakt gegen den FC Augsburg einen klugen Plan zurechtgelegt. Als die Augsburger in der zweiten Halbzeit allerdings ihr System umstellten, fand das Team von Trainer Ole Werner jedoch keine passenden Lösungen mehr.

Werder Bremen gegen den FC Augsburg in der Taktik-Analyse: Augsburgs riskante Raute

Werder-Trainer Ole Werner setzt auch in der neuen Saison auf Kontinuität: Gegen den FC Augsburg begannen dieselben elf Akteure, die zu Beginn der Woche im DFB-Pokal Energie Cottbus mit 3:1 besiegt hatten. Dreifach-Torschütze Keke Topp durfte erneut als Stoßstürmer auflaufen, Marvin Ducksch rückte dadurch auf die halblinke Seite. Der SV Werder Bremen begann das Spiel in einer Mischung aus 3-4-3- und 5-3-2-System.

So wie Ole Werner eine Dreierkette in der Abwehr bevorzugt, besitzt auch Jess Thorup, Trainer des FC Augsburg, eine Lieblingsformation. Er lässt seine Mannschaft meist in einer Raute agieren. Hinter dem Doppelsturm lauern hierbei vier zentrale Mittelfeldspieler. Mit dieser Formation kann eine Mannschaft im Zentrum eine Überzahl erzeugen.

Gleichzeitig ist eine Raute aber anfällig auf den Flügeln. Die vier Mittelfeldspieler rücken meist weit auf eine Seite. Den gegenüberliegenden Flügel deckt meist nur der Außenverteidiger ab – und selbst der rückt weit auf die ballnahe Seite ein. Der FC Augsburg verteidigt meist mit allen Feldspielern auf einer Seite. Die Fuggerstädter hoffen, den Ball weit in der gegnerischen Hälfte zu erobern. Sie riskieren aber auch, mit einer einzigen Verlagerung ausgespielt zu werden.

Die Grafik zeigt den Versuch des SV Werder Bremen, das Spiel in die Breite zu ziehen. Romano Schmid bewegte sich auffällig weit nach Linksaußen. Dadurch fand Werder die Lücken in der zentrumslastigen Formation des FC Augsburg.

Werder Bremen gegen den FC Augsburg in der Taktik-Analyse: Felix Agu und Mitchell Weiser legen sich die Bälle auf

Werders Matchplan sah vor, genau diese Schwächen auf den Flügeln auszunutzen. Im Spielaufbau erzeugte Werners Team Breite auf beiden Seiten. Romano Schmid bewegte sich immer wieder weit auf den rechten Flügel. Marvin Ducksch wich nicht ganz so weit auf den linken Flügel aus, hier bot sich dafür der vorrückende Linksverteidiger Felix Agu an. Der SV Werder Bremen zog das Spiel stark in die Breite.

Raumgewinn erzielte der SV Werder Bremen vor allem, wenn sie den Ball direkt von einem Flügel auf den anderen verlagerten. Werder nutzte die enge Formation des Gegners gezielt aus und lockte den Gegner auf eine Seite. Im Anschluss schlugen Ducksch oder Weiser den langen Ball auf den durchstartenden Agu.

So hieß das auffälligste Stürmerpärchen des Bremer Abends nicht Topp und Ducksch – sondern Weiser und Agu. Immer wieder fanden die beiden Außenverteidiger ihren Konterpart mit hohen und halbhohen Hereingaben. Agu erzielte den Führungstreffer nach einer Flanke Weisers (12.). Später hatte Weiser eine Chance nach einer Hereingabe von links (34.). An praktisch allen gefährlichen Aktionen war mindestens einer der beiden Außenverteidiger des SV Werder Bremen beteiligt.

Werder Bremen gegen den FC Augsburg in der Taktik-Analyse: Probleme in der Rückwärtsbewegung

Mit 58 Prozent Ballbesitz war der SV Werder Bremen bis zur Pause das offensiv auffälligere Team. Dennoch gingen sie mit einem 1:2-Rückstand in die Kabine. Während Werders Offensive harmonierte, schwächelte die Defensive gegen den FC Augsburg.

Beiden Treffern des FC Augsburg ging ein Ballverlust voraus. Besonders bitter war dieser vor dem Ausgleichstreffer (16.), als Niklas Stark einen Pass über wenige Meter versemmelte. In beiden Situationen brauchte der SV Werder Bremen zu lange, um nach dem Ballverlust in eine stabile Defensivformation zu finden.

Hinzu kamen altbekannte Probleme in der Strafraumverteidigung. Der SV Werder Bremen verpasste in mehreren Situationen, im eigenen Sechzehner von einer Raum- auf eine Manndeckung umzustellen. So kam Samuel Essende vor dem 2:1 des FC Augsburg frei zum Kopfball (35.). Später hatte Werder Glück, dass dem abermals freistehenden Essende der Ball an die Hand sprang (68.).

Werder Bremen gegen den FC Augsburg in der Taktik-Analyse: Augsburger Umstellung stellt Werder matt

Trotz des Rückstands war Werder Bremen das aktivere Team. Daran änderte sich nach der Pause wenig. Der Ausgleich fiel nach dem bekannten Muster: Erst verlagerte Werder das Spiel nach links, Agu flankte zurück auf Weiser, der schlug die Kugel postwendend zurück in den Strafraum. Der eingewechselte Justin Njinmah versenkte die dreifache Verlagerung im Tor (58.).

Mit dem Ausgleich endete jedoch die Dominanz des SV Werder Bremen, denn Thorup stellte in der Folge um. Der FC Augsburg verteidigte fortan ebenfalls in einer Dreierkette. Zeitweise liefen sie den Bremer Aufbau in einer 3-4-3-Formation an. In anderen Situationen zogen sie sich in einem 5-3-2-System zurück.

Der beste Trick des SV Werder Bremen funktionierte nun nicht mehr. Der FC Augsburg deckte die Breite mit fünf Verteidigern besser ab. Zudem half Elvis Rexhbecaj nun auf dem linken Flügel aus. Er schränkte die Kreise von Weiser ein. Offensiv trat Rexhbecaj ebenfalls häufiger in Erscheinung. Augsburg versuchte, Werder über Weisers Seite zu knacken. Ihnen fehlte jedoch das Glück vor dem Tor.

Werder Bremen gegen den FC Augsburg in der Taktik-Analyse: Kein Schritt vor, zwei Schritte seitwärts

Ole Werners Wechsel änderten am Spielverlauf wenig. Der Versuch, mit Marco Grüll eine hängende Spitze einzuwechseln, zündete nicht. Werder Bremen konnte sich nach dem Ausgleich kaum mehr in die gegnerische Hälfte kombinieren. Der Ballbesitzwert der Grün-Weißen lag in dieser Phase bei 41 Prozent. Nur nach einer Ecke des FC Augsburg kamen sie zu einer großen Chance, die Marvin Ducksch jedoch vergab (72.).

So verpasste Werder Bremen zum Saisonauftakt einen Sieg. Angesichts der eigenen Leistung in den ersten 60 Minuten wäre dieser gegen den FC Augsburg aber durchaus möglich gewesen, doch die Schwächen in der Rückwärtsbewegung bremsen Werder auch in der neuen Saison vorerst aus.

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